ihrem Begehren nach , worauf sie den Hof verließen und den Weg nach dem Walde einschlugen . » Ist denn gar keine Möglichkeit , aus dem Leben da fortzukommen ? « fragte sie im Gehen mit kummervoller Miene . » Du hast mir versprochen , du wollest mich nach Frankfurt mitnehmen , oder in den Krieg , hast auch von Amerika gesagt . Ich ging überall mit dir hin , wenn ich nur aus dem Leben draußen wär und die Kinder bei mir hätt ' . « » Warum hast dich in Dettingen fangen lassen ! « versetzte er unwirsch . » Während deiner Gefangenschaft ist mein Erspartes von Sachsenhausen draufgangen , mein Vater tut keinen Zug , um sein Versprechen zu halten , und wie kann ich denn als ein vogelfreier Mensch etwas erwerben , damit wir zu Reisgeld kommen ? Sag , ich soll in Ebersbach einen höflichen Besuch machen , oder mit einem Roßjuden , beschnitten oder unbeschnitten , nach dem Markt ein Wort in Güte reden , dann sollst du Geld genug haben . « » Um Gotts willen nur nichts so ! « rief sie . » So sagst du immer , aber dabei willst in einem fort Geld und Lebensmittel und bekümmerst dich nicht drum , wo ich ' s hernehmen soll . So hast du mich auch gequält , bis ich meinem Vater die Frucht geholt hab , und dann wieder , bis ich dem Pfarrer ins Haus gestiegen bin , und hintennach ist dir ' s dann doch wieder nicht recht gewesen . « » Es ist auch nicht recht « , sagte sie . » Gelt , weil ' s zu bösen Häusern führen kann ? Wenn du das nicht willst , so schick dich eben in die Zeit , nur mach mir nicht den Kopf mit deinem Lamento warm . « » Ach ! « seufzte sie , » ich hab mir eben ein ganz anderes Leben fürgestellt , wie wir von Neckardenzlingen miteinander fort sind . Da hab ich schon gemeint , ich werd wieder jung , und hab alles gern dahinten gelassen . « » Machst mir das zum Vorwurf ? Bin ich nicht auch im Rohr gesessen und hätt ' mir Pfeifen schneiden können , und hab ich nicht um deinetwillen auf alles verzichtet ? « » Wärst lieber blieben , bis sich etwas für uns gemacht hätt ' . Hätt ' st mir ja derweil schreiben können . « » Man kriegt ja keine Antwort von dir . Und hab ich gewußt , wo ich hinschreiben soll ? Nach Ebersbach , wenn du nicht dort bist ? Hätt ich mir etwa selber einen Paß von Sachsenhausen nach Hohentwiel schreiben sollen ? « » Ich will nichts mehr sagen « , versetzte sie , » du wirst gleich so wild . « Sie gingen lange Zeit stillschweigend hin . » Was siehst du denn immer auf den Boden ? « fragte sie , da ihr sein Benehmen auffiel . » Da ist wieder einer ! « rief er , sich bückend und etwas aufhebend . Es war ein frisch abgebrochener gabelförmiger Zweig . Er betrachtete ihn von allen Seiten , schüttelte den Kopf , da er nichts weiter daran fand , und legte ihn sorgfältig wieder auf den Boden . Dann sah er sich an den Bäumen um , blickte scharf von Stamm zu Stamm , schüttelte den Kopf abermals , als fände er nicht , was er erwartete , und setzte den Weg wieder fort . Sie waren eine weitere Strecke gegangen , da lag ein neuer Zweig von gleicher Form , den er aufmerksam betrachtete , worauf er den eingeschlagenen Weg verließ und einen schmalen Seitenpfad zur Rechten betrat . Christine folgte . Mit zufriedenem Kopfnicken fand er dort bald wieder einen Zweig von der vorigen Art und weiterhin noch mehrere . Sie waren einer wie der andere an der Seite des Weges schief hingelegt , so daß von den beiden Spitzen der Gabel , deren eine geknickt war , die andere unversehrte in gleicher Richtung mit dem Wege vorwärts deutete . » Das sind Zeichen « , bemerkte Christine , welche den Zweigen und seiner Beobachtung derselben eine gespannte Aufmerksamkeit zugewendet hatte . » Gelt , gesteh ' s nur , da sind deine Kocher , oder wie sie heißen , um den Weg , und dein scheeler Christianus will dir was zu wissen tun . « » Wenn er da wär , so hätt ' er mir seinen Zinken irgendwo hinterlassen « , versetzte er , » es ist aber nirgends nichts zu sehen . « Nachdem sie noch ein wenig fortgegangen , kamen sie auf einen freien Platz , welcher sich nach einem Waldabhang senkte und einen weiten Blick über endlose Waldung tun ließ , die in reicher Abwechslung von Höhen und Tiefen sich um den Hohenstaufen lagerte , gegen das Remstal abwärts und nach den jenseitigen Hügeln strich . Die Zeichen , wenn es solche waren , schienen hier aufzuhören . Christine setzte sich müde auf den Boden . Friedrich schaute achtsam in die Waldgegend hinein , als ob er in der Ferne hinter jedem Busch ein Wild oder etwas anderes aufspüren müßte . Auf einmal blieb sein Auge an einer Waldecke unter dem Hohenstaufen hängen . Ein leichter , bläulicher Rauch ging dort kräuselnd aus den Spitzen der Bäume hervor und schien sich hinter einigen höheren Wipfeln zu verlieren . Er blickte unverwandt hin ; der Rauch verschwand , kam wieder zum Vorschein und verschwand wieder . Sein Entschluß war gefaßt . Er rief Christinen vom Boden auf . » Siehst dort den Waldspitzen herwärts von Wäschenbeuren ? « sagte er , » dort kannst mich nachher treffen oder auf mich warten , dort will ich anstehen , ob ich vielleicht noch einen glücklichen Fang tue . « Er führte sie herauf zu der Stelle , wo er den erlegten Hirsch gelassen hatte , packte ihr die Haut samt dem