baute die Mutter wohl fest auf die Hilfe Gottes , aber es würde ihr nicht gefallen haben , wenn ich mich eines so eklatanten und theatralischen Falles gerühmt hätte , und als ein solcher wäre ihr meine Erzählung ohne Zweifel erschienen , da sie viel zu schlicht und bescheiden war , um ein solches Einschreiten in solchen Angelegenheiten von Gott zu erwarten . Sie war froh , wenn er das Brot nicht ausgehen ließ und für schwere Leiden , für Fälle auf Leben und Tod seine Hilfe in Bereitschaft hatte . Sie hätte mich wahrscheinlich ziemlich ironisch zurechtgewiesen ; desto mehr beschäftigte ich mich den Abend hindurch mit dem Vorfalle und muß gestehen , daß ich dabei doch eine grübelnde Empfindung hatte . Ich konnte mir die Vorstellung eines langen Drahtes nicht unterdrücken , an welchem der fremde Mann auf mein Gebet herbeigezogen sei , während , gegenüber diesem lächerlichen Bilde , mir ein Zufall noch weniger munden wollte , da ich mir das Ausbleiben desselben nun gar nicht mehr denken mochte . Seither habe ich mich gewöhnt , dergleichen Glücksfälle , so wie ihr Gegenteil , wenn ich nämlich ein unangenehmes Ereignis als die Strafe für einen unmittelbar vorhergegangenen , bewußten Fehler anzusehen mich immer wieder getrieben fühle , als vollendete Tatsachen einzutragen und Gott dafür dankbar zu sein , ohne mir des genauern einzubilden , es sei unmittelbar und insbesondere für mich geschehen . Doch kann ich mich bei jeder Gelegenheit , wo ich mir nicht zu helfen weiß , nicht enthalten , von neuem durch Gebet solche hübsche faits accomplis herbeizuführen und für die Zurechtweisungen des Schicksals einen Grund in meinen Fehlern zu suchen und Gott Besserung zu geloben . Ich wartete ungeduldig einen Tag und ging dann am darauffolgenden mit einer ganzen Last meiner bisherigen Arbeiten zu Römer . Er empfing mich freundlich zuvorkommend und besah die Sachen mit aufmerksamer Teilnahme . Dabei gab er mir fortwährend guten Rat , und als wir zu Ende waren , sagte er , ich müßte vor allem die ungeschickte alte Manier , das Material zu behandeln , aufgeben , denn damit ließe sich gar nichts mehr ausrichten . Nach der Natur sollte ich fleißig vorderhand mit einem weichen Blei zeichnen und für das Haus anfangen , seine Weise einzuüben , wobei er mir gerne behilflich sein wolle . Auch suchte er mir aus seinen Mappen einige einfache Studien in Bleistift sowie in Farben , welche ich zur Probe kopieren sollte , und als ich hierauf mich empfehlen wollte , sagte er » Oh ! bleiben Sie noch ein Stündchen hier , Sie werden den Vormittag doch nichts mehr machen können ; sehen Sie mir ein wenig zu , und plaudern wir ein bißchen ! « Mit Vergnügen tat ich dies , hörte auf seine Bemerkungen , die er über sein Verfahren machte , und sah zum ersten Mal die einfache freie und sichere Art , mit der ein Künstler arbeitet . Es ging mir ein neues Licht auf , und es dünkte mich , wenn ich mich selbst auf meine bisherige Art arbeitend vorstellte , als ob ich bis heute nur Strümpfe gestrickt oder etwas Ähnliches getan hätte . Rasch kopierte ich die Blätter , die Römer mir mitgab , mit aller Lust und allem Gelingen , welche ein erster Anlauf gibt , und als ich sie ihm brachte , sagte er » Das geht ja vortrefflich , ganz gut ! « An diesem Tage lud er mich ein , da das Wetter sehr schön war , einen Spaziergang mit ihm zu machen , und auf diesem verband er das , was ich in seinem Hause bereits eingesehen , mit der lebendigen Natur , und dazwischen sprach er vertraulich über andere Dinge , Menschen und Verhältnisse , welche vorkamen , bald scharf kritisch , bald scherzend , so daß ich mit einem Male einen zuverlässigen Lehrer und einen unterhaltenden und umgänglichen Freund besaß . Ich erzählte ihm vieles von meinen Verhältnissen und Geschichten , fast alles , mit Ausnahme der Anna und Judith , und er faßte alles so auf , wie ich nur wünschen konnte , vom Standpunkte eines freien und erfahrenen Menschen und als Künstler . So stellte sich schnell ein ungezwungener Umgang her , bei welchem ich mich ganz konnte gehenlassen und keinen Einfall zu unterdrücken brauchte , ohne daß ich die Bescheidenheit und Ehrerbietung zu sehr verletzte , und wenn ich dies tat , so glich die widerspruchslose Bereitwilligkeit , welche jenes Alter den Zurechtweisungen der wahren und wohlmeinenden Autorität entgegenbringt , den Fehler bald wieder aus . Bald fühlte ich das Bedürfnis , immer und ganz in seiner Nähe zu sein , und machte daher immer häufiger von meiner Freiheit , ihn zu besuchen , Gebrauch , als er eines Tages , nachdem er mir gründlich und schon etwas strenger eine Arbeit durchgesehen , zu mir sagte : » Es würde gut für Sie sein , noch eine Zeit ganz unter der Leitung eines Lehrers zu stehen ; es würde mir auch zum Vergnügen und zur Erheiterung gereichen , Ihnen meine Dienste anzubieten ; da aber meine Verhältnisse leider nicht derart sind , daß ich dies ganz ohne Entschädigung tun könnte , wenigstens wenn es nicht durchaus sein muß , so besprechen Sie sich mit Ihrer Frau Mutter , ob Sie monatlich zwei Louisdors daranwenden wollen . Ich bleibe jedenfalls einige Zeit hier , und in einem halben Jahre hoffe ich Sie so weit zu bringen , daß Sie später besser vorbereitet und selbst imstande , einigen Erwerb zu finden , Ihre Reisen antreten könnten . Sie würden jeden Morgen um acht Uhr kommen und den ganzen Tag bei mir arbeiten . « Ich wünschte nichts Besseres zu tun und lief eiligst nach Hause , den Vorschlag meiner Mutter zu hinterbringen . Allein sie war nicht so eilig wie ich und ging , da es sich um Ausgabe einer erklecklichen Summe handelte und ich selbst einen Teil des an Habersaat Bezahlten für verlorenes Geld