einem Vater aufgegeben wird , wenn er sich in Äußerlichkeiten und Eitelkeiten gefällt . Aber wer sagt Euch denn , daß mein so rasch , so wunderbar gewonnener Freund dumm ist ? Im Gegentheil leuchtet aus seinen schwarzen Augen Klugheit und mitunter etwas Pfiffiges . Er geht seinen geraden Weg , weicht nicht rechts , nicht links , thut , was seine Pflicht und Schuldigkeit ist . Ist Das nicht Weisheit ? Und hat er nicht vom Vater die Talente geerbt , die den Fürsten bestimmten , ihm alle seine kostbaren Schlösser und herrlichen Gärten anzuvertrauen ? Hat er nicht beim Verpacken des Mobiliars eine Umsicht und praktische Kunde verrathen , die eines Tapeziers würdig war ? Und bei seinen Wanderungen durch den hohenberger Garten bin ich erstaunt gewesen , wie heimisch er in Allem ist , was sich auf Gießkanne und Rechen bezieht . Es ist eine praktische Natur , die vom Vater zwar nicht seinen speculativen Geist erbte , aber seinen Adel , sein Geld , seinen hohen , geachteten Namen und eine gewisse Betriebsamkeit , die sich bei Jenem in der Liebhaberei für die Seele der Thiere und bei diesem in der Pflege der todten Natur äußert . Berühren Sie bei der jungen Excellenz irgend einen in ihr Fach einschlagenden Gegenstand und Sie werden erstaunen , daß er Ihnen auf Heller und Pfennig sagen kann , wieviel ein chinesischer Pavillon in einem königlichen Garten am Rhein oder der Elbe gekostet hat . Ist Das auch nichts ? Lasally , Sie schlechter Rechnenmeister ! Sehen Sie nur , mit welcher Sorgfalt er seinen Auftrag schon in Hohenberg ausführte . Und hier im Sande glaub ' ich nun auch die Spuren seines großen Möbelwagens zu entdecken . Nennen Sie mir den Cavalier , der seinem Fürsten soviel Hingebung zollt und sich auf Staatskosten selbst vor dem Stempel des Lächerlichen nicht scheut , der leider oft den besten und solidesten Bestrebungen in dieser Welt aufgedrückt ist ! Mir fallen da wirklich die Hofmarschälle ein , sagte Dankmar , diese Beamten , die in melancholische Betrachtungen versinken , wie sie ' s machen sollen , um jährlich einige hundert Thaler an Öl und Wachslichtern zu ersparen .... Die denn doch , ergänzte Bartusch artig und sich fast verbeugend , irgend einem Künstler oder Gelehrten zugutekommen , dem man ein Bild abkauft oder eine Dedication durch ein Geschenk vergilt .... Bartusch wollte eigentlich nur dem vermeintlichen Fürsten ein Compliment machen und gab doch dem jungen Demokraten eine bittere Lehre . Wie es schien , waren , wie es immer nach zu ausgelassenen Scherzen zu gehen pflegt , plötzlich Alle verstimmt . Die Mutter und Lasally über den viel zu lang ausgesponnenen Scherz mit dem Geheimenrath , Melanie über den schwerzulösenden Widerspruch zwischen einem Vater , den sie verehren , und einem Sohne , den sie lächerlich finden mußte , Dankmar über eine Wahrheit , die ihm aus dem Munde eines gesinnungslosen politischen Unterwürflings misfiel . Nur Bartusch frohlockte ; denn durch seine Bemerkung und Dankmar ' s Stillschweigen darauf schien er die vermeintliche Würde ihres Begleiters getroffen zu haben , während dieser gerade an seinen Bruder Siegbert und dessen unverkauftes Gemälde dachte ... Die andern Wagen waren alle näher gekommen . Man befürchtete einen Regenschauer und foderte die Reiter auf , gleichfalls Platz zu nehmen . Es war über Mittag , die Reiter waren ermüdet , sie stiegen ab , gaben die Pferde den Reitknechten und Bartusch war höflich genug , sich in den zweiten Wagen zu Reichmeyer ' s und der Wirthschaftsräthin zu setzen , während Dankmar und Lasally Melanien und ihrer Mutter gegenüber Platz nahmen . In Helldorf beschloß man , das Mittagsmahl ausfallen zu lassen und erst im Heidekrug zu soupiren . Im besten Wirthshaus zu Helldorf war auch kein Platz zu finden ; denn der große Saal hallte von einer Versammlung wider , in der mehre Redner laut durcheinander sprachen . Man hatte auf dem Gelben Hirsch schon erfahren , daß hier eine politische Besprechung stattfand . Die Wirthschaftsräthin behauptete , deutlich ihren Bruder zu hören . Man horchte auf und richtig drangen die donnernden Worte an das Ohr der Reisenden : » Wenn man Familie hat , wenn man wie ich sechs Kinder ernähren muß ... « Man klatschte Beifall . Es ist sein ewiges Lied , sagte sie , und ich möcht ' es heute am wenigsten gern hören : wir fahren wol hier weiter ? Dankmar dagegen hätte gern etwas von dieser wahrscheinlich der Schlurck ' schen Wahl gewidmeten Besprechung gehört . Er sah durch die Fensterscheiben auch den Heidekrüger Justus , dessen gewaltige athletische Formen über Alle hinwegragten und den man sich auch , seiner Stellung auf einem Musikchore nach zu schließen , als Präsidenten dieser Vorberathung gewählt zu haben schien . Viele Bewohner von Helldorf standen an der Thür und den Fenstern und lauschten .... Dabei gingen Mägde auf und ab und trugen Bier . Die Einen lachten , die Andern zankten . Alle Leidenschaften waren in Bewegung . Der ganze Ort sah aus wie zur Zeit der Kirchweih . Dankmar , der eine Erfrischung nahm , konnte an der Thür kaum durch . Er hörte drinnen die donnerndsten Schlagworte , hörte Parteien sich befehden , hörte Persönlichkeiten , die Jubel oder Drohungen nachsichzogen ... Für Wen entscheidet sich ' s denn ? fragte er die Leute . Man wußte noch keine Auskunft . Die Zuhörer waren Urwähler . Die eigentlichen Wähler saßen drinnen und lärmten die ihnen gegebenen Aufträge aus . Schlurck wird da schwerlich gewählt ! sagte er sich . Solchem Tumult ist der feine satirische Philosoph nicht gewachsen . Ein Schlurck kann Alles , nur das Schreien nicht ertragen .... Er hatte die Absicht , an die Wägen zurückzugehen und die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen , daß eben Herrn Justizraths Schlurck politische Laufbahn hier entschieden würde . Aber Melanie hatte mit einem andern Gegenstand vollauf zu thun . Bei einer Gruppe Umstehender fragte sie nach dem Wagen des Geheimraths