wenn er auch nicht selbst bauern könne wegen dem Storch , so lasse er doch des Vaters Hof nicht , der käme einst seinen Kindern kommod ; er müßte sich ja vor ihnen noch im Grabe schämen , wenn er denselben verkaufen ließe , den schönsten im ganzen Bernbiet ! Das war auch ein schönes Fürwort , denn hätte er ihn wohlfeil erhaschen können , so würde er sich keinen Augenblick besonnen haben , ihn zu verkaufen , wenn der Profit ihm aus seinen Verlegenheiten geholfen hätte . Wir wollen jedoch nicht in Abrede stellen , daß es Johannes hart hielt , den väterlichen Hof zu verkaufen , das adeliche Element war noch nicht ganz in ihm verflüchtigt . Kurios , daß Kinder so oft als Fürwörter gebraucht werden von Verschwendern und Geizigen , wobei jedoch zwischen beiden zumeist ein bedeutender Unterschied im Gemüte ist . Der Verschwender , der nicht ganz zum Vieh geworden , denkt wirklich an seine Kinder , aber leider zumeist hintendrein , wenn es zu spät ist , der Geizige aber wirklich selten . Ein Geiziger ward einmal um einen Beitrag zur Erziehung armer Kinder angesprochen . Das sei doch Verstand , ihm so was zuzumuten , antwortete er . Wie er es im Grabe verantworten wollte , wenn er den eigenen Kindern entzöge , um es fremden zuzuwenden . Der gleiche Geizige plagte jedoch ganz getrost durch unverständige Arbeit die eigenen Kinder bis in den Tod , so viel dachte er an sie . Aber wenn einer weder Geld hat noch Kredit , so wird er da , wo es auf Geld ankömmt , wenig geästimiert , mag er noch so laut brüllen . Da Johannes keine annehmbaren Bedingungen weder stellen wollte noch konnte , mußte der Hof an eine Steigerung kommen . Das tat auch Uli und seiner Frau sehr weh . Vreneli war da aufgewachsen , wußte kaum , wie es anderwärts war . Uli hatte schöne Träume gehabt . An einem schönen Herbstsonntage saßen sie nachmittags vor dem Hause . Tauben , Hühner , Kinder trippelten um sie her , in traulicher Freundschaft Keins das Andere fürchtend . Es war ein gar freundlich Sitzen da und ein lieblicher Anblick ringsum . Desto größer ward in Beiden die Wehmut , und die gleichen Gedanken stiegen in Beiden auf » Wie manchmal wohl sitzen wir noch hier ? « seufzte endlich Vreneli . » Es wird hart halten , ehe ich mich an einen andern Ort gewöhnt habe . Schöner mag es an manchem Orte sein , wo weithin das Auge sieht , an den schönen Seen oder wo die Berge glühen oder glitzern über das Land herein . Aber heimeliger wird es mir wohl nirgends werden als hier , wo es grün und so still ist , am Sonntage man wie in einer großen Kirche ist , alles versunken in heiliger Andacht und am Himmel das große Licht so mild und freundlich über der Erde und im Herzen das ewige Licht , das da leuchtet in der Finsternis , und jetzt noch Kinder und Tiere durcheinander glücklich und friedlich , fast wie im Paradiese . Uli , was meinst , bekommen wir es wieder so ? Das Herz will mir so schwer werden , je näher das Scheiden kömmt ; ich wähnte , ich sei gefaßt und könne mich in alles schicken , aber man kann wohl denken , wie man alles nehmen wolle , wenn es kömmt , da erst sieht man , wie schwach man ist . « » Weiß nicht recht , wie mir ist , « sagte Uli ; » bald dünkt mich , ich möge die Stunde nicht erwarten , in der ich gehen kann , bald dünkt es mich , ich sei so müde und matt , daß ich es nicht einmal ertragen möchte , auf den Kirchhof getragen zu werden , lieber gleich hier möchte ich begraben sein . Es war eine Zeit , wo ich viel daran dachte , wenn ich alleine arbeitete oder einsame Wege ging , ob es nicht möglich sei , daß ich hier Bauer werden könnte ? Ich dachte : wenn die Kinder um ihre Sache kämen , Joggeli und die Base sehr alt würden , wir glückliche Jahre hätten , reich würden , bis wir zuletzt das Gut kaufen könnten ; dann ward es mir so frei und leicht , wenn ich mich als Bauer dachte , und was mir da alles in Sinn kam , wie ich schalten und walten wollte , du glaubst es nicht . Gott wollte es anders , seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken . Es ging umgekehrt ; was wir langsam erworben , ging geschwind dahin , mehr dazu , und wie wir jetzt stehn , weiß Gott . Was unser Gevattersmann uns schuldig ist , das wird verloren sein , kein Mensch will das Papier ansehen . DSchrift wäre ganz gut , sagen sie , wenn man nur das Geld hätte . Mit der Schatzung wollten uns die Leute nicht so übel und auch mit dem Abzug nicht . Sie haben noch Erbarmen mit uns . Dachte das nicht , als sie so schnöde mir auswichen , als ich zum erstenmal nach meiner Krankheit zur Kirche ging . Glaubten wahrscheinlich , es werfe mich alsbald auf den Rücken , ich begehre sie um Geld zu plagen oder Gott weiß was . Jetzt , wo die Plage ihnen anderswoher kömmt , sind sie billig gegen mich , ich kann nicht klagen . In den Steigerungsgedingen wird alles , was ich in der Schatzung habe , der Zahl nach als Zugabe angeboten ; gilt es gehörig und findet sich einer , welcher es so kauft um den gehörigen Preis , so kann ich noch manches verkaufen , womit ich das Inventar vermehrt habe . Ich kann bleiben bis im Frühjahr , oder wenn ich abziehen muß , soll mich der Käufer entschädigen nach Ehrenmänner Befinden . Sie hätten mich härter halten können . Da