, das Glücklichsein , bloß weil Du atmest , - wenn Du im Freien gehst und siehst den unermeßlichen Äther über Dir - daß Du den trinkst , daß Du mit ihm verwandt bist , so nah , daß alles Leben in Dich strömt von ihm ? - Ach , was suchen wir doch noch nach einem Gegenstand , den wir lieben wollen ? - Gewiegt , gereizt , genährt , begeistigt vom Leben - in seinem Schoß bald , bald auf seinen Flügeln ; ist das nicht Liebe ? Ist das ganze Leben nicht Lieben ? - Und Du suchst , was Du lieben kannst ? - So lieb doch das Leben wieder , was Dich durchdringt , was ewig mächtig Dich an sich zieht , aus dem allein alle Seligkeit Dir zuströmt ; warum muß es doch grade dies oder jenes sein , an das Du Dich hingibst ? - Nimm doch alles Geliebte hin als eine Zärtlichkeit , eine Schmeichelei vom Leben selbst , häng mit Begeistrung am Leben selbst , dessen Liebe Dich geistig macht ; - denn daß Du lebst , das ist die heiße Liebe des Lebens zu Dir ; es allein hegt in sich den Zweck der Liebe , es vergeistigt das Lebende , das Geliebte . - Und alle Kreatur lebt von der Liebe , vom Leben selbst . Ja , so ein Gedanke , Günderode ! Einer könnt fragen , ob er nicht Einbildung sei ? - Aber mich kümmert ' s nicht , ob alle es nicht glauben , ich bin mir genug und brauch keine Beglaubigung dazu . Tiefere Wahrheit erkennen ist ja das Leben verstehen - so empfindet man ja , daß große Taten die schönsten Momente des Lebens sind ; also ein wirkliches heißes Umarmen mit dem Leben selbst . Solche himmlische Momente , aus denen sich nachher die Gewißheit der Liebe ergibt . - Ja , eine große Tat allein ist Feier der Liebe mit dem Leben , und sind die Menschen nicht lebentrunken , wenn sie groß gehandelt haben , wie der Liebende trunken ist vom Genuß , von der Gewißheit , geliebt zu sein ? - Ist das nicht jene Seligkeit , deren jeder andere bar ist , der nicht den Mut hat , der heiligen Inbrunst des Lebens sich liebend hinzugeben , und an der großen Tat vorbeischleicht ? - Ja , was ist der innere Genuß solcher Beglückter , als trunken sein von Begeistrung , die zu ihnen strömt als Gegenliebe ; denn rein und groß sein im innersten Gewissen , das ist von dem Leben durchdrungen sein . - Man sagt , die große Tat belohnt sich selbst , oder , er hat den Lohn in der eignen Brust , - und so ist keiner zu ermessen , in dessen Brust dies Verheißen ewiger Inbrunst zwischen Leben und Lebendem diesen Lohn erzeugt . Es ist der einsame tiefverborgne Glücksmoment , der keinen Zeugen hat , der nie sich nachfühlen läßt , den jeder wahrhaft Liebende verschweigt , der ihn über alles Erdenschicksal hebt , und der auch über alles , was in der Welt anerkannt wird , ihn stellt , was ihm das Gepräg des Erhabnen gibt . Ja , die Großtaten , die leidenschaftlichen Küsse des Lebens lassen einen sichtlichen Eindruck zurück , der sich selbst , ich will ' s glauben , auf Kinder und Kindeskinder vererbt , denn wo käme der Adel her ? - Ist der nicht aus der heiligen Kraft entsprossen , wo das Leben mit seiner Liebe den Geliebten errungen hat ? - Dies heimliche innerliche Genießen einer den andern ungekannten Seligkeit ? Wo man alles aufgibt , bloß um dem Liebenden - dem Leben zu genügen ? - Ja , das muß wohl auch in der Erscheinung - im Leib sich abdrücken ; und man könnte darauf kommen , in den Gesichtern alter Geschlechter nachzuspüren , was wohl für eine Art von Begeistrung den Keim zu diesen veredelnden Zügen , zu dieser erhabnen Vornehmheit legte , ob es kühnes Tun , mutiges oder selbstverleugnendes war , was diese Liebesopfer einst vom Ahnen heischten - das ist mir schon bei Arnims Zügen eingefallen - , und ein Mann göttlicher Leidenschaft fürs Leben , der ist ein Gründer des erhabensten Geschlechts , der ist ein Fürst unter den Menschen und sollte er selbst in Lumpen unter den Menschen wandeln , und wer vor diesem Adel nicht Ehrfurcht hat , das ist der Pöbel , der nimmer zum Adel taugt , weil er das verkennt , was sein Ursprung ist , ihn also nicht in sich erzeugen kann , er nenne sich Fürst oder Knecht . - Das war mein Gespräch heut mit den Sternen . Dienstag Heute ist der siebente Tag , daß ich meinen ersten Brief abschickte , am Samstag der zweite und heut ? - Soll ich diesen schließen und Dir schicken ? - Ich mein als , es sei Dir zuviel vielleicht - das wird aber nicht , ich hab Dir ' s versprochen , Dir alles von da oben zu schreiben , Du hast mich mehrmals dazu aufgefordert , was kann ich davor , daß mir so viel in den Kopf kommt , oder vielmehr in die Feder , denn , wenn ich glaub , mit einer Zeil fertig zu sein , so bring ich die selbst nicht aufs Papier vor so viel hundert andern , die sich dazwischendrängen . So hatt ich gestern im Sinn , wie es doch so dumm ist , wenn man sich über sein eigen Leben wollt besinnen und glauben , es läg schon hinter einem , was doch noch nicht der Anfang ist vom Leben , sondern nur der Grund , die Veranlassung dazu . - Wenn der deutsche Kaiser gekrönt ist , vom Dom bis zum Römer über eine Bahn von Scharlachtuch geht , so fällt das Volk dicht hinter ihm über das Tuch her und schneidet es unter seinen Tritten ab , zerreißt '