doch ein gewisses Erstaunen , eine Erwartung an . Der Marschallin traten die Schweißtropfen auf die Stirn , sie sah den unbeweglich starren Blick der Herzogin von Bellefond und die zürnende Bewegung , mit der sie ihren weißen Stab vor sich hinhielt . Ein Entschluß mußte gefaßt werden ! Der Herzog von Orleans hatte so eben seine Unterredung mit dem Marschalle beendigt . Sein Auge nahm das verfängliche Umherschweifen an , das Erlaubniß zum Anfange der Feierlichkeit zu ertheilen schien . Die Marschallin wußte , daß Keiner diesen Raum mit ihr einnahm , der nicht voll Neugierde so vielen Mißgriffen zusah . Sie mußte sich sagen , daß dies ihren glänzenden Ruf erschüttern würde . Was ihr bestimmt schien , sie über Alle zu erheben , mußte ein Markstein werden ihres unbestrittenen Uebergewichtes . Ihr gesteigerter und so verletzter Hochmuth brachte sie innerlich fast um ihren Verstand - alle Personen schwammen vor ihren Augen ; sie sah aber jetzt , wie die Herzogin von Bellefond sich erhob und den Weg zu ihr hin über den leeren Raum vor dem Stuhle der Prinzessin durchschritt . Die Verzweiflung gab ihr Kräfte - sie wandte sich zur Herzogin und bat sie , das Zeichen zum Aufbruche zu geben . Augenblicklich stand Henriette auf ; denn auch sie sah den nahenden Paradezug der strengen Oberhofmeisterin und liebte , wie fast der ganze Hof , ihre Anmaßungen zu durchkreuzen . » Sollen wir ohne Ihren Sohn - ohne den Vater , liebe Marschallin , den Zug antreten ? « fragte sie leise die zitternde Mutter . Sie bekam eine Antwort , so dunkel und verworren , daß sie sie nicht verstand und jetzt annahm , der junge Graf werde sie am Eingange der Kapelle erwarten . Die Hofchargen arrangirten sich ; Alle schritten in angemessener Würde , nach der bestimmten Vorschrift , der Kapelle entgegen . - Noch immer hoffte die Marschallin , hier ihren Sohn zu sehen ; - aber er blieb aus ! Die Handlung fing an - Ludwig , Maria von Crecy-Chabanne war mit diesem Namen getauft - der Herzog von Lesdiguères und der Marschall ersetzten die Stelle des Vaters . Die Handlung war vorüber . Die Marschallin wankte zur Herzogin von Orleans . - Madame durfte die Beleidigung nicht übersehen ; denn sie stand hier im Namen der Königin . Sie grüßte kalt - ohne Glückwunsch - ohne die Marschallin zu umarmen . » Darf ich fragen , « sagte der Herzog von Orleans zu den jetzt angstvoll zusammen stehenden Elternpaaren , » welchem Grunde wir es zurechnen müssen , daß die Auszeichnung , welche Seine Majestät , mein königlicher Bruder , den Eltern des Neugebornen zu erzeigen gedachten , gerade von diesen , wie uns scheint , so wenig beachtet ward , daß wir den Vater nicht anwesend sehen ? - Wo ist der junge Graf Crecy-Chabanne ? « » Das mag Gott wissen ! « rief der Marschall mit dem Tone der Verzweiflung überlaut - und rang die Hände , sie plötzlich über seinen Kopf zusammen schlagend - » ich hoffe , im Grabe ; - sonst überlebe ich diesen Verstoß seinerseits gegen Ehre und Glück nicht ! « Die Marschallin glaubte zu ersticken . Sie hatte auf eine künstliche Entschuldigung gesonnen - ein tödtliches Erkranken sollte ihn retten ; - jetzt war es damit vorbei . Ihre sonst ihr so getreue Fassung verließ sie , sie wendete sich seitwärts , um Luft zu schöpfen . Der Marquis de Souvré war herbeigeschlichen . » Madame , « sagte er leise und fest , » hoffen Sie nicht mehr auf Leonin . Die erste Gemahlin Ihres Sohnes lebt , und Leonin ist zu ihr nach Ste . Roche abgereist . « Man hörte einen gellenden Schrei - und die Marschallin von Crecy-Chabanne , welche noch niemals bei Hofe die kleinste Schwäche gezeigt hatte , lag bewußtlos auf dem Boden . » Darf ich Eure Königliche Hoheit erinnern , daß hier nicht länger Ihr Platz ist , « sagte die unerschütterte Herzogin von Bellefond ; - und da auch die Gräfin von Grammont eine tiefe Verneigung vor Madame machte , so überwand die gutmüthige Fürstin ihre schnell erregte Theilnahme und blickte ihren Gemahl an . Monsieur zeigte die steife Miene der übeln Laune . » Wir sind , scheint es , zu seltsamen Familienscenen hierher gekommen , « sagte er , seiner Gemahlin den Arm gebend und leicht grüßend an Allen vorüber eilend , während die voranstürzenden Kavaliere die Wagen vorfahren ließen , so daß die Herrschaften das Hotel Crecy verlassen hatten , ehe noch die Marschallin ihre Besinnung wieder gewann . Als sie die Augen aufschlug , lag sie in einem Lehnstuhle in der Kapelle - ihre Frauen , der Arzt umgaben sie ; - zunächst aber kniete die alte , gutmüthige Herzogin de Lesdiguères , trotz ihrer steifen Kleidung und Juwelenlast , und rieb die Pulse der Erwachenden , während der Marschall und der Herzog wie Bildsäulen zuschauten . » Fassen Sie sich doch , mein Kind ! « sagte sie gutmüthig , als sie das erste Lebenszeichen sah - » es wird sich Alles aufklären . Nur Muth ! Muth ! Das muß doch heraus zu bringen sein , wo er steckt ! « Doch , wo hätte die Marschallin Trost finden können ? Was Niemand aus Besorgniß um sie bis jetzt gesehen hatte , sah sie . Das Hotel war leer - Alle hatten den Ort geflohen , wo eine anscheinende Beleidigung gegen die Majestät an den Repräsentanten des Königs geschehen war . Bleiben , hätte eine solche Sünde theilen geheißen ; Niemand konnte nur daran denken ! - Die Marschallin wußte das , bei dem ersten Strahle des Bewußtseins ; aber sie konnte diesen Sturz von dem höchsten Gipfel der Ehre und Auszeichnung bis zu dieser Aechtung ihres Hauses nicht ohne eine tödtliche Empfindung des Schmerzes erkennen . Der Arzt erklärte einen Aderlaß nöthig ; die Lakaien ergriffen den Lehnstuhl und trugen die Marschallin , zur