der Jungfrau schlingt , nur Gunst und Zeichen eines Augenblicks sein . O es wäre zu wünschen , daß mancher unserer städtischen Damen versagt wäre , mit anspruchsvollem Stolze die welke Myrte zu betrachten , die sie im geschmückten Kästchen unter dem großen Spiegel verwahren , daß sie sich vielmehr hätten gewöhnen müssen , gleich den westfälischen Bäuerinnen die Krone morgen auf einem andern Haupte zu erblicken , welche sie heute trugen , und welche gestern ebenfalls eine andere getragen hat ! Drittes Kapitel Worin der Autor fortfährt , die Vorbereitungen zur Hochzeit zu beschreiben Die Braut senkte ihr Haupt ein wenig , als die Freundinnen ihr die Krone aufsetzten , und ihr Antlitz wurde , als sie die leichte Last auf ihrem Haare fühlte , womöglich noch röter als früher . Es ist schön im Menschenleben , daß jeder einen Augenblick erlebt , worin alle königliche Macht und Majestät vor ihm zunichte wird . Diesen Augenblick erlebt nicht nur der Feldherr , der durch einen Sieg die Hauptstadt rettet , oder der Kanzler , der mit einem Federzuge die Grenzen des Reichs um das Doppelte zu mehren weiß ; es erlebt ihn jeder einmal , er müsse sich auch sonst Tag für Tag durch ein gedrücktes Dasein hindurch beugen und winden . Der Tagelöhner hat ihn , der sein neugeborenes erstes Kind auf den Arm nimmt und selbst der todkranke Bettler empfindet ihn , wenn ihm ein pflichtgetreuer und gewissenhafter Priester die heilige Kommunion reicht . Auch unsere Braut , von der sonst nicht viel zu sagen ist , fühlte diesen Augenblick , als sie die Krone auf ihrem Haupte empfing . In dem dunkelschwarzen Haare , welches sie ausnahmsweise mitten unter dem blonden Volke besaß , funkelten die goldenen und silbernen Flitter gar lustig . Sie richtete sich , angefaßt von ihren Freundinnen auf , und die beiden breiten golddurchwirkten Streifen , welche zur Krone gehören , fielen ihr lang auf den Rücken hinunter . Die Knechte standen schon vor der Türe , um die Ausstattung in den Flur hinabzuschaffen , die Brautjungfern nahmen ihre Freundin bei der Hand , eine erhob das Spinnrad , welches bei den nachfolgenden Zeremonien ebenfalls seine Bestimmung hatte , und so gingen die drei langsam die Treppe hinunter zum Brautvater , während die Knechte die Laden und Packen ergriffen und sie in den Flur zu tragen begannen . Inzwischen hatte der Hofschulze unten vor der Türe Gelegenheit gehabt , seine Fassung zu beweisen . Denn kaum war er draußen einige Minuten lang gewesen , als ein junger Bursche , der Hochzeitbitter , langsam durch den Eichenkamp gegen das Haus zu geschritten kam , dessen verlegene Miene mit seinem Putze und mit dem lustigen Busche von gewiß fünfzig farbigen Bändern am Hute wenig übereinstimmte . » Nun , was ist das ? « fragte ihn der Hofschulze . » Was soll das traurige Gesicht ? Passierte ein Unglück ? « » Ach « , versetzte der junge Hochzeitbitter , » werdet mir nicht böse , Hofschulze . Hölscher will nicht kommen . « Der Alte ließ vor Schreck seinen Hut fallen und seine Züge verwandelten sich . - » Wie ? « rief er nach einigem Schweigen . » Hölscher will nicht kommen ? Mein nächster Nachbar ? Ei , das wäre ja dem ganzen Pläsier und Feste ein großer Schimpf . Und warum will er nicht kommen ? Du bist gewiß in deiner Rede steckengeblieben . « » Nein , das nicht « , versetzte der Hochzeitbitter . » Ihr wißt , an Maulwerk fehlt mir ' s nimmer , und ich bringe auch alles immer heraus , gehörig geschrieen , wie es sein muß . Ich kann die Rede aufs Schnürchen , wie ich sie allerorten hersagte , und so auch bei Hölscher : Ihr lieben , guten Hochzeitsleute , Kommt morgen auf den Hof , nicht heute ; Der Bräutigam und auch die Braut , Die werden vom Herrn Pastor getraut , Und wenn getraut ist , geht ' s zu Tisch , Darauf wird sein viel Fleisch , kein Fisch , Es wird da sein auch ein Stück Wurst , Ist gut für den Hunger und weckt den Durst . Auch findet ihr einen oder mehrere Schinken , Auf welche sich sehr gut läßt trinken , Ein Mostertstück wird nicht vergessen , Das sollt ihr dann mit Mostert essen , In der Suppe sind Hühner , die nicht krähn , Das Beste sind vier Puterhähn ' , Die lagen fünfzig Jahr ' an der Kett ' Davon sind sie geworden fett , Kommt ihr zum Oberhofe nicht , So seid ihr alle schlechte Wicht ' - « Der junge Bursche würde noch lange in diesen Versen , die er laut schreiend mit eintönigem Fall der Stimme vortrug , fortgefahren haben , wenn ihn nicht der Hofschulze ungeduldig unterbrochen und zu ihm gesagt hätte : » Ich brauche deinen Spruch nicht . Warum bleibt Hölscher aus ? « » Weil ich ihn statt gestern , erst heute früh eingeladen habe « , erwiderte kleinlaut der Hochzeitbitter . » Sie hatten mir gestern überall so viel eingeschenkt , daß ich gegen Abend duselig geworden war und einschlief und Hölscher ganz verschlief , wo ich denn nun heute früh nachholen wollte , aber ... « » Hölscher ließ das nicht gelten und sagte , es schicke sich nicht , erst am Hochzeitmorgen gebeten zu werden , es gehöre sich spätestens den Tag zuvor , nicht wahr ? « fiel der Hofschulze ein . » Jawohl « , antwortete der Bursche , » und er sagte auch , es heiße in dem Spruch : Kommt morgen auf den Hof , nicht heute- wenn er aber morgen komme , so habe er das leere Nachsehen . « Der Hofschulze bohrte seinen Stock tief in die Erde . Das Blut war ihm dermaßen in das Antlitz getreten , daß seine Stirnadern geschwollen starrten . Er sah den Hochzeitbitter mit einem furchtbaren Blicke an , vor