, zum Teil verstehe ich sie nicht einmal « , erwiderte Hermann . » Wohl dir , wenn du mich nicht verstehst ; lies die Brieftasche , da wirst du erfahren , was ich meine ! « rief der Oheim , und stieg in sein Wägelchen , welches die Burschen herangefahren hatten . Das Wägelchen setzte sich in Bewegung , ohne daß der Oheim zu Hermann ein Wort des Abschieds gesprochen hätte . Dieser blieb auf einem Steine sitzen , und sah in dumpfer Betäubung den Arbeitern zu , welche das Grabgewölbe austieften . Sein Herz zerrissen tausend widrige Empfindungen , daß alles , was so freundlich sich anzulassen geschienen hatte , nun so hart sich löste . Er fühlte seine Schulter angerührt und wendete sich . Theophilie stand hinter ihm . » Es ist sonst meine Art nicht , diese Region zu besuchen « , sagte sie , » aber da ich vom Tale aus Sie hier so traurig sitzen sah , und den Wortwechsel mit dem Oheim gehört hatte , so trieb mich die Neugierde her . Was hat es mit ihm gegeben ? « » Er beschalt mich ohne Grund , und hielt eine Lobrede der Bürgertugend , von der ich die Veranlassung bei dieser Gelegenheit , und an diesem Orte nicht einzusehen vermag « , sagte Hermann . » Bürgertugend ! « rief Theophilie spöttisch . » Und fühlt er sich denn so sicher , der ehrenfeste , tugendbelobte Bürgersmann ? Es ist ein eignes Gefühl , eine frohe Genugtuung , seinen Feind in der Gewalt zu haben . Denn es kostet mich nur ein Wort , so fällt dieser aufgespreizte Bürgerstolz , dieses Prunken mit unbefleckter Häuslichkeit zusammen , wie ein Kartenhaus . « Sie wollte sich rasch entfernen , und schien zu bereun , was sie gesagt hatte . Hermann hielt sie zurück . » Abermals vernehme ich Reden aus Ihrem Munde , welche mir in Zusammenhange mit Entdeckungen der Mitternacht zu stehn scheinen « , sagte er . » Entweder lehren Sie mich diese vergessen , oder geben Sie mir das volle , wenn auch schreckliche Licht . « Sie stutzte . Er erzählte ihr , was er in tiefer Nacht von ihren unbewußt plaudernden Lippen erhorcht hatte . Ihre leichtfertige Natur brach in ein herzliches Gelächter aus . » Nun « , rief sie , » da sieht man , daß es sogar gefährlich ist , einen Mann im Sarge neben sich liegen zu haben ! Was für schönes Zeug hätten Sie da von mir erfahren können ! Also ich spreche im Schlafe , das ist etwas , was ich noch nicht wußte , und was mich bestimmen wird , in Zukunft beim Schlafengehn ein Papagenoschloß auf den Mund zu legen , denn nicht immer möchte man so diskrete Wandnachbarn haben . « Er unterbrach diese Reden mit heftig eindringenden Erkundigungen . » Lassen Sie es doch gut sein « , versetzte sie , » begnügen Sie sich mit dem , was Sie hörten . « » Nein ! « rief er . » Es ist unsre Natur , daß wir alles zu ergründen streben bis auf den letzten Schauer des Abgrunds . Es betrifft meine Familie , Sie sind mir die Aufschlüsse , welche ich begehre , schuldig . « » Ungestümer Mensch ! Hätten Sie meinen Schlaf nicht belauscht , so erführen Sie doch nichts . - Hören Sie denn ; die Arbeiter haben Feierabend gemacht , wir sind allein . Ihr Oheim tut nicht wohl , sich an dieser Stelle mit seiner Familienehre zu brüsten , und lächerlich ist es , daß er hier , hier oben ein Monument ehelicher Liebe und Treue mit so vielem Aufwande in Erz und Marmor prunken lassen will , denn hier , gerade hier war es , wo die zärtliche Gattin in linder lauer Mondnacht mit meinem Bruder die ersten leidenschaftlichen Schwüre wechselte , und deshalb hatte die Frau den Ort so lieb ; er erinnerte sie an die glühende Stunde , welche die verbotne Wonne ihres sonst armen und traurigen Lebens schuf . « Hermann lag mit dem Gesichte auf der Lehne des Stuhls . Theophilie fuhr fort : » Die Tante hatte in halber Kindheit den Oheim heiraten müssen . Sie war ein lebhaftes Mädchen voll Feuer und Einbildungskraft gewesen . Nun , was einem solchen Geschöpfe dieser Herr Gemahl bieten konnte , vermögen Sie so einzusehn . Sie hat mir nachmals , als ich ihre und ihres Verhältnisses Vertraute geworden war , gestanden , daß sie unter den Comptoirbüchern und Zählbrettern des rechnenden Eheherrn oft dem Selbstmorde nahe gewesen sei . Mein Bruder trat mit Ihrem Oheim in Verbindung , er bemerkte die junge , in ihrem Darben anziehende Frau , und von dem Augenblicke an war die Sache zwischen ihnen entschieden . Ihm widerstand zu seiner Zeit kein weibliches Herz , er gab ihren Lippen freilich eine andre Speise als der gute Kommerzienrat , und rührend ist mir gewesen , wie sie mir noch auf ihrem Sterbebette , ungeachtet aller Gewissensskrupel , die ich ihr nicht ausreden konnte , klagte , sie werde , wenn sie noch einmal anfinge zu leben , dieser Liebe sich dennoch wieder ergeben müssen . Mein Bruder widmete ihr die heftigste Leidenschaft ; es war das letzte Auflodern seiner Natur , die sich noch einmal in ihrer ganzen Flammenpracht zeigen wollte , bevor sie erlosch . Er dachte auf Entführung , sie sollte sich scheiden lassen , und als diese Wünsche an den Bedenken der Tante , welche ihren Ruf über alles schätzte , scheiterten , stürmte er seinen Kummer und Verdruß in der unbändigsten Verschwendung aus . Der Oheim mochte mit stiller Schadenfreude zusehn , wie mein Bruder sich ihm rücksichtslos in den gefährlichsten Verschreibungen hingab , er wußte nicht , welch eine Unruhe es war , die seinen Schuldner trieb , die unerschwinglichsten Zinsen zuzusagen , und wie der Graf sich denn doch anderweit im Hause des Bürgers entschädigte . So gewann