» Nein , dieser Töne Feier nimmer , o nimmer verweht . « So schieden sie . Der Graf ging in sein Zimmer , fand aber , daß sich der Schreiber aus Versehen schon darin festgelegt habe und fest eingeschlafen sei ; ohne Verdruß machte er die Türe leise zu , und nahm dessen schlechteres Zimmer und Bett ein ; es gab auf der Welt keinen wohlwollendern Mann gegen die Jugend . Die Fürstin befand sich von der Anstrengung , von dem Wachen , von der Gemütsbewegung in einem fieberhaften Zustande ; sie legte sich mit dem Vorsatze ins Bett , alles zu verschlafen , aber sie konnte es nicht aushalten , es quälte sie ein Gedanke wie ein eingebrannter Buchstabe , was der Graf jetzt von dem Vorfalle denken möchte . Sie mußte dem Grafen alles erklären ; sie schlich in sein Zimmer , das ihr vom Wirte bezeichnet war . In der Dunkelheit konnte sie es nicht bemerken , daß sie ihn verfehlt hatte ; der , den sie traf , beschwichtigte so bald ihren Mund , sie fühlte sich so ganz beglückt und sie ließ ihr Bild in einer goldnen Fassung dem Freunde zurück , daß er seines Traumes Gewißheit erkenne . Am andern Morgen war sie sehr heiter , sie empfing den Grafen so vertraulich , daß dieser meinte , alles ängstlich Gezwungene , was ihn in den letzten Tagen an ihr geängstet , sei in dem Krampfe des vorigen Tages untergegangen . Der Schreiber , der sonst immer zuerst von allen wach war , und im Hause anordnete , kam diesmal später zum Vorschein und entschuldigte sich damit , daß er vor den Wanzen nicht ruhig habe schlafen können ; der Graf vermied es ihm seine Zimmerwechselung vorzuhalten , um ihn nicht noch mehr zu beschämen , da er schon jetzt wegen der Verspätung sehr verlegen erschien . Die Rückreise wurde nach dem Wunsche der Fürstin sehr eilfertig im Wagen gemacht ; der ausgezeichnete Punkt der Ätna , der sie immer zum ruhigen Ertragen aller Beschwerden angemahnt hatte , war nun erstiegen , sie hatte ihr Ziel erreicht . Befremdend war es ihr , während dieser Rückreise den Grafen ganz unverändert in jedem Blicke , in jedem Worte wie den Tag vorher zu finden , während sich in ihr alles vorhergehende Leben so froh erloschen zeigte ; ununterbrochen war er beschäftigt , alles zu ordnen , was er seiner Frau an mancherlei Merkwürdigkeiten zusammengesucht hatte . Der Graf und die Fürstin wurden auf dem Schlosse mit vielen Küssen empfangen ; die Obristin war schon verreist , hatte aber noch ein Blatt Knittelverse für die Reisenden zurückgelassen . Merkwürdig ist es , daß weder jetzt noch früher die Herzogin irgend etwas von der Leidenschaft der Fürstin bemerkte ; teils war sie zuviel beschäftigt , teils zu unbekannt mit den verschiedenen Äußerungen der Liebe . Dem Blicke der Gräfin war diese Leidenschaft der Fürstin für ihren Mann nicht entgangen , aber ihr Zutrauen zu ihm blieb unwandelbar ; sie glaubte es eine notwendige Buße für ihre frühere Verwirrung von ihren Besorgnissen niemand sagen zu dürfen ; was er auch tun mochte , sie war nicht berechtigt ihm Vorwürfe zu machen . Mit hoher Festigkeit verschwieg sie jedem ihre Qual , als sie beide der Versuchung einer Reise sich so unbesorgt aussetzen sah ; sie verschwieg es , als sie den Äußerungen der Fürstin zu entahnden meinte , daß sie mit ihrem Manne in enger Vertraulichkeit lebe . Gebet war ihr Trost ; sie mochte nicht beichten , was ihrem Manne nachteilig , und damit ihr Beten nicht auffallend sein könnte den alles bemerkenden Kindern , so gewöhnte sie sich ein stilles Gebet an , das keinem hörbar , keinem sichtbar , durch die gewöhnlichen Beschäftigungen nicht gestört wurde , wobei sie sich nur zuweilen vertiefte , als habe sie geschlafen . Während dieses Gebets glaubte sie eines Morgens die Stimme des verstorbenen Bedienten zu hören , der sie ängstlich gerufen ; sie ging verwundert nach dem Vorsaale , woher der Ton zu kommen schien , und sah eins ihrer Kinder , die kleine Magdalena , die sich über ein Treppengeländer übergelehnt hatte , und im Herabstürzen zu sein schien . Sie ergriff das Kind am Kleide und erhielt es mit leichter Mühe , und von diesem Augenblicke an durchdrang sie eine Zuversicht , daß Gott sie nicht verlasse , daß ihr Mann ihr nimmermehr untreu werde . Doch erschütterte ein andrer Vorfall zwei Tage darauf ihr ganzes Gemüt . Bei einer Meerfahrt , die der Graf zu Ehren der Fürstin auf purpurnen Böten , mit Musik besetzt , von vergoldeten Rudern getrieben , an einem sonnigen stillen Tage veranstaltet hatte , wo sich jedes in Erzählungen vergangener Geschichten ausließ , zeigte der Graf der Fürstin den Ring der Apostel , in deren Mitte Christus , den Dolores noch immer an ihrem Finger trug . Die Fürstin erbat ihn sich ; Dolores verwunderte sich , daß er diesmal von ihrem Finger ließ , da er sonst nur sehr schwer abzustreifen war . Die Fürstin glaubte in dem Ringe einen besondern Talisman für die Treue des Grafen zu erkennen ; sie wünschte ihn vernichtet und gleich begünstigte ein Zufall ihren Wunsch : ein paar Kinder traten lebhaft nach einer Seite , das Boot schwankte , die Fürstin schrie auf , und der Ring schnellte aus ihrer Hand ins Meer . Die Gräfin war untröstlich , aber der Graf , der den Unfall nicht minder tief empfand , hatte mehr Gewalt über sich ; er wollte nicht die verehrte Freundin durch Vorwürfe kränken ; er bat seine Frau sehr zärtlich , dies kleine Zeichen ihrer Liebe nicht so zu beweinen , da ihnen so viel größere übrig blieben . Diese scheinbare Gleichgültigkeit deutete Dolores auf ein Erkalten seiner Liebe , so wie den Verlust des Ringes auf den Untergang ihrer glücklichen Ehe ; aber in stiller Buße sagte sie davon kein Wort , nur mit heimlichen Gebeten suchte sie ihr