über die Behauptung anzustellen , welche hier soeben gemacht worden ist . Ich muß untersuchen , ob es Lüge oder Wahrheit gewesen . « » Die Ceremonie der Trauung hat hier ein Ende , « entgegnete die Stimme hinter uns . » Ich bin in der Lage beweisen zu können , daß das , was ich behaupte , auf Wahrheit beruht . Es existiert ein unüberwindliches Hindernis für diese Ehe . « Mr. Rochester hörte wohl , aber er achtete auf nichts ; steif und starr stand er da . Er machte keine Bewegung , nur meine Hand faßte er noch fester . Welch ein starker , mächtiger , heißer Griff das war ! – Und wie marmorgleich war seine blasse , festgewölbte , starke Stirn in diesem Augenblick ! Wie sein Auge blitzte , wie ruhig , wie wachsam und doch wie feurig es glänzte ! Mr. Wood schien in diesem Moment nicht zu wissen , was er thun solle . » Und welcher Art ist dieses von Ihnen erwähnte Hindernis ? « fragte er endlich , » Vielleicht ließe es sich hinwegräumen – erklären – überwinden ? « » Wohl kaum , « lautete die Antwort . » Ich habe es unüberwindlich genannt und ich spreche mit Überlegung . « Der Sprecher trat vor und lehnte sich über das Gitter des Altarplatzes , Dann fuhr er fort , deutlich , ruhig , ohne inne zu halten , aber nicht laut . » Es besteht einfach in einer bereits früher geschlossnen Ehe . Mr. Rochester hat eine Gattin , welche noch am Leben ist . « Diese leise und ruhig gesprochenen Worte machten meine Nerven erbeben , wie ein Donnerschlag es nicht vermocht hätte zu thun – mein Blut empfand ihre listige Gewalttätigkeit , wie es niemals Frost oder Hitze empfunden hatte . Aber ich war gefaßt , grausam gefaßt , und die Gefahr des Ohnmächtigwerdens drohte mir nicht . Ich blickte Mr. Rochester an – und ich zwang ihn , mich anzusehen . Sein ganzes Gesicht erschien mir in diesem Augenblick wie ein farbloser Felsen . Sein Auge war Funke und Feuerstein zugleich . Er leugnete nichts . Er sah nur aus , als sei er bereit , allen Dingen der Erde und des Himmels Trotz zu bieten . Er sprach nicht ; er lächelte nicht ; er schien in mir kein lebendes Wesen mehr zu erkennen . Nun umschlang er meine Taille mit seinem Mannesarm und hielt mich so an seiner Seite fest . » Wer seid Ihr ? « fragte er den Störer , » Mein Name ist Briggs – ich bin Advokat in Regentstreet , London . « » Und Sie wollen mir eine Gattin imputieren ? « » Nein Sir , ich wollte Sie nur an die Existenz Ihrer Gemahlin erinnern ! Das Gesetz erkennt Ihre erste Ehe an , wenn auch Sie selbst nicht gesonnen scheinen , dies zu thun . « » Beglücken Sie mich doch mit einer Beschreibung dieser Dame – mit ihrem Namen – ihrem Herkommen – ihren Verwandten – ihrem Wohnsitz . « » Gewiß , Sir , ich stehe ganz zu Diensten . « Hier zog Mr. Briggs ruhig ein Papier aus seiner Tasche und las mit einer gewissermaßen geschäftsmäßigen und nasalen Stimme folgendes : » Ich bestätige und kann beweisen , daß am zwanzigsten Oktober anno domini , ( hier folgte eine Jahreszahl , die um fünfzehn Jahre zurück datierte ) Edward Fairfax Rochester von Thornfield-Hall , in der Grafschaft – , und von Ferndean-Manor in – shire , England , mit meiner Schwester Bertha Antoinette Mason , Tochter von Jonas Mason , Kaufmann , und seiner Gattin Antoinette , einer Kreolin , in der Kirche Allerheiligen zu Spanish Town auf Jamaika getraut wurde . Das Protokoll über jene Trauung steht in den Kirchenbüchern der genannten Kirche verzeichnet – eine Kopie desselben befindet sich zur Zeit in meinen Händen . gez . Richard Mason . « » Das mag beweisen – wenn es übrigens ein echtes Dokument ist , daß ich einmal verheiratet war , aber es beweist nicht , daß jenes Weib , welches darin als meine Gattin bezeichnet wird , noch am Leben ist . « » Wenigstens lebte sie vor drei Monaten noch , « entgegnete der Advokat , » das ist bewiesen . « » Woher wissen Sie das ? « » Ich habe einen Zeugen für jenes Faktum , Sir ; einen Zeugen , Sir , dessen Aussagen selbst Sie nicht bestreiten oder entkräften können . « » Bringen Sie ihn zur Stelle – – oder fahren Sie zum Teufel ! « » Vorerst will ich ihn zur Stelle bringen – er befindet sich in nächster Nähe . Mr. Mason , haben Sie doch die Güte vorzutreten . « Als Mr. Rochester diesen Namen hörte , knirschte er mit den Zähnen ; ein starkes convulsivisches Zittern machte seinen ganzen Körper erbeben ; er hielt mich so fest an sich gedrückt , daß ich das krampfhafte Beben der Wut und der Verzweiflung , das seine ganze Gestalt durchfuhr , mit empfinden mußte . Der zweite Fremde , welcher sich bis jetzt im Hintergrunde gehalten hatte , trat jetzt ebenfalls näher . Ein bleiches Gesicht blickte über die Schulter des Rechtsgelehrten – ja – es war Mr. Mason in eigener Person . Mr. Rochester wandte sich um und starrte ihn an . Wie ich schon oft erwähnt habe , war sein Auge schwarz – jetzt aber hatte es einen rotbraunen , nein , einen blutigen Glanz in seiner Düsterkeit ; – sein Antlitz färbte sich – die olivefarbenen Wangen , die bleiche Stirn wurden von einer Glut überzogen , die wie ein Feuer aus dem gemarterten Herzen emporzusteigen schien . Dann machte er eine Bewegung , erhob seinen starken Arm – er war im Begriff , Mason niederzuschlagen , ihn auf den Boden der Kirche hinzustrecken , schonungslos sein Leben zu zerstören – aber Mason zuckte zurück und schrie hilflos » Allmächtiger Gott !