, Faustschützen und Troßwagen die Mauern von Burghausen . Alle Leute erfuhren es : Das waren Hilfstruppen , die der Herzog Heinrich über Mühldorf , Landshut und Kehlheim nach Nürnberg schickte , um das Reichsheer mehren zu helfen , das der deutsche König wider die Hussiten in Böhmen rüstete . Als Führer dieser getrennt und auf verschiedenen Wegen marschierenden Kriegshäuflein wählte Herr Heinrich seine Verläßlichsten ; sie beschworen auf das Kruzifix die geheime Order , sich bis zum 12. September in der Nähe von Landshut zu halten , dann in Nachtmärschen auf versteckten Wegen an Freising vorbeizuziehen und sich zwei Tage vor Matthäi , am Abend des 18. September , in den Wäldern zwischen Dachau und dem Webelsbach zu sammeln . - - - König Sigismund war zu Nürnberg eingetroffen , erließ unter Androhung der Reichsacht ein neues Friedensgebot an die kriegführenden Herzöge von Bayern und beschied sie auf den 1. Oktober zu einem Fürstentag nach Regensburg . Hier sollten alle Gegner sich versöhnen und einen heilsamen Frieden beschwören , um Gott , der Kirche , dem Reich und dem König als deutsche Herren und fromme Christen zu dienen . Hundert Königsboten trugen dieses Geheiß durch die fränkischen , pfälzischen und bayerischen Lande , trugen es durch verödete Gebiete , an Verwüstung und Elend vorbei , an Brandschutt und Ruinen vorüber , zu allen Herzögen , Grafen , Baronen und Kirchenfürsten , zu Lehensherren und freien Städten , zu Burgen und Klöstern . Wie beim Sieben des Getreides der Staub und die Spelten durch das Gitter fallen , so rieselte eine kleingewordene Kunde dieser Königsbotschaft aus den Schlössern , Klöstern , Burgen und städtischen Ratsstuben herunter in die Bürgerhäuser , in die der Vernichtung entronnenen Hütten des Volkes . Durch jene Dörfer , die halb entseelt waren , aber doch mit unverbrannten Häusern noch auf der bayerischen Erde standen , ging ein Aufatmen der Hoffnung , ein froher Schrei des Glaubens an die Rettung . » Der deutsche König ist kommen und hilft den Bauren . « Um die Mitte dieses schönen , in milder Sonne leuchtenden September , in dem gar manche , mit Blut , Verwesungssäften und Asche gedüngte Blume ein zweitesmal blühen wollte , sah man viele , viele von diesen Königsgläubigen gegen die Donau wandern . Es waren Hunderte und Tausende , die den hilfreichen König sehen , zum deutschen König einen Schrei ihres Elends tragen wollten . Darbend , in Durst und Hunger , auf dem Rücken den mageren Binkel der Armut , in zermürbten Kleidern , die Gesichter von Not und Gram zerfressen , wanderten sie auf versteckten Wegen oder hielten sich aus Furcht vor den ritterlichen und gemeinen Straßenräubern am Tage verborgen und sprangen um so flinker in den milden , sternschönen Septembernächten . Wo zwei und drei und mehr von ihnen zusammentrafen , redeten sie unermüdlich vom deutschen König , wie hochgewachsen und schön er wäre , wie freundlich , leutselig und hilfreich , wie gerecht und stark ! Doch ein lützel ginge es auch dem König so wie den Bauern . Auch bei ihm wäre das bare Geld ein mageres Ding . Weil ihm die Fürsten und Pfaffen alles nehmen , was er hat . Wenn diese heimlich Wandernden so redeten , sagten sie nur selten : König . Fast immer sagten sie : Kaiser . Deutsch und König und Kaiser - das sind drei Worte , die zusammengehören . Mag der römische Papst Herrn Sigismund die Krönung verweigern und noch zehn Jahre lang seinen feilschenden Handel um die Kaiserkrone treiben ! Der deutsche König trägt sie . Ob der Papst sie ihm aufsetzt oder nicht . Als in einem Schwärme der Wandernden dieses Wort gesprochen wurde , nickte ein langer , magerer Bergbauer und sagte : » Was denn sonst ! « Seit dem Tode des Seppi Ruechsam hatte der Fischbauer von Hintersee diese drei kostbaren Weisheitsworte sich angeeignet , gleichsam als unverliehene Krone seiner Albmeisterwürde . Neben diesen Wanderzügen des Elends und der Sehnsucht sah man auch andere Schwärme reisen . Gauner , Gaukler und käufliche Weiber taten sich zu Erwerbsgenossenschaften zusammen , um unter dem Sonnenglanz des königlichen Hofes ihre Ernte zu halten . Die vornehmen Herren , die auf guten Gäulen ein flinkes Reisen hatten , brauchten sich nicht so frühzeitig auf den Weg zu machen . Dennoch brach Herr Heinrich schon am Abend des 14. September , sechs Tage vor Matthäi , von Burghausen auf . Er tat es leider den Rat seiner Ärzte . Die Erregung , die in ihm wühlte , hatte sein rätselhaftes Leiden , von dem er vor kurzer Zeit erst genesen war , wieder wach gemacht . Der Leibarzt beschwor ihn , seiner kostbaren Gesundheit zu gedenken und die Reise zu verschieben . Mit schnatternden Zähnen sagte der Herzog : » Wär ich du , so blieb ich im Bette . Wärst du ich , so würdest du reiten . « Am Morgen vor seiner Reise lag er in der Schloßkapelle drei Stunden im Gebet auf den Knien . Und erhob sich mit den Worten : » Gott soll ' s wollen ! « Er stiftete an diesem Tage drei ewige Messen : eine für die Schloßkapelle , eine für die Pfarrkirche von Burghausen , eine für das Münster von Raitenhaslach , wo seine zierliche Mutter Maddalena Visconti begraben lag . Und dieser Sparsame , der bei Feinden und Freunden den Namen der Filz hatte , verschenkte an diesem gleichen Tag erschreckende Geldsummen und kostbare Kleinode an Kirchen und Klöster seines Landes und an den römischen Stuhl . Am Abend , beim Anbruch der Dämmerung , begann er die Reise , als sein Stern , der Mars , wie eine feine , rötlich blitzende Nadelspitze schon am wolkenlosen Himmel stand . Sein Leibarzt und vier Diener begleiteten ihn . Zweihundert Harnischer und hundert berittene Faustschützen waren ihm Schutz und Gefolge . Kein Troßwagen ging mit . Pulver , Blei , Geldsäcke , Ersatz an Waffen , Zehrung , Zeltbedarf und Kleider