das Boot benutzt worden , und so wird meine Sorge , man könne den Johannes weggeschafft haben , wohl unzutreffend sein . Beruhigten Herzens blieb ich bis zur Abenddämmerung an meinem Platze . Dann kam Zetteritz und hieß seine Leute , einen Verschlag neben der Kajüte für mich mit einem Strohlager versehen . Mich streifte sein scheuer Blick , und da ich wegen Johannes ihn befragte , wehrte er mit düsterm Schweigen ab . Man brachte mir eine Lampe , Speise und Trank . Ohne die Nahrung anzurühren , warf ich mich auf mein Lager , und da ich sehr erschöpft war , erbarmte sich mein der Schlummer . Erwacht , sah ich den Tag durch einen Türspalt in mein Kämmerlein lugen . Da ich keine Ruderschläge mehr vernahm , dachte ich mir , unser Kahn müsse gelandet und also wohl am Ziel sein . Flehend hub ich meine Hände zum Himmel : » Was wirst du heute über uns verhängen ? Darf ich mit meinem lieben Manne heute deine Güte erfahren , oder möchtest du uns noch länger prüfen ? Nun , wie du willst , dein Wille geschehe ! « So sprachen meine Lippen , das Herz wußte nichts von solcher Ergebung . Vielmehr suchten die Gedanken in banger Unrast nach Mitteln , mich und meinen Mann aus den Nöten herauszuwinden . Daß meine Jugendblüte Eindruck auf den Ritter gemacht hatte , konnte ich mir nicht hehlen . Sorgsam richtete ich mein Antlitz , Haar und Gewand für diese eitle Welt her . Wie ich nun aus dem Schlafraum trat , saß Zetteritz schmausend am Tische . Errötend stund er auf , neigte sich und lud mich ein , am Frühstück teilzunehmen . Auf den ersten Blick erkannte ich , daß er eine Schuld auf dem Herzen habe , und dieser Argwohn brachte mich in solche Erregung , daß ich meinen Blick in sein Auge bohrte und wie eine gereizte Tigerin losfuhr : » Wo ist mein Mann ? Was habt Ihr mit ihm getan ? « Da Zetteritz keine Worte fand , brach ich in lautes Weinen aus und schalt ihn ins Gesicht einen wortbrüchigen Kavalier . » Schweige Sie , Jungfer « , herrschte er mich an und stampfte mit dem Fuße : » was ich versprochen , das habe ich gehalten . Habe den Tielsch nicht ersäuft , wie er es verdient hatte , sondern an Land setzen lassen . « » Tückischer Jesuiter ! « schrie ich . » Das nennet Ihr begnadigen ? « Ich wollte noch weiter toben , doch er eilte an Deck , und die Dragoner vertraten mir den Weg , als ich nachstürzen wollte . Wiederum verfiel ich in Schluchzen und Klagen . Da ließ sich auf einmal eine gebieterische Frauenstimme vernehmen , und in die Kajüte hinunter stieg eine Frau in dunklem Sammetkleid , auf dem weißen Haar einen Federhut . Sie blickte groß und mild auf mich , und sprach streng zu Zetteritz : » Tu die Kerle weg ! « Worauf die Soldaten an Deck mußten . Und Zetteritz zog seinen Hut : » Wolle die Jungfer Gräfin hier meine Mutter begrüßen , die Edelfrau Katharina Zetteritz . Meine Mutter hat sich in Mechelnburg aufgehalten , und mit dem Kahn , drauf wir uns befinden , bin ich ihr entgegengeeilt , um sie vor den andrängenden Schweden zu sichern . « » Mein armes Fräulein , « sprach die edle Frau und griff nach meiner Hand ; » mein Sohn hat mir gebeichtet , wie übel er Euch mitgespielt , da bin ich nun resolvieret , kraft meiner Mutterwürde darauf zu halten , daß er seine rauhe Soldatenart zügele und als Edelmann den Willen eines hochedel geborenen Fräuleins erfülle . Euern Vater habe ich verehrt , und wenn er sprechen könnte , so würde er bestätigen , wie gern er sich der Freiin von Smiritzky entsinnt . « Nun herrschte die Edelfrau den Sohn an : » Laß unverzüglich das ganze Ufer absuchen , an dem der Gatte meiner Schutzbefohlenen ausgesetzt worden . Wir müssen alles tun , die voneinander getrennten Gatten wieder zu vereinigen . Seid getrost , Gräfin , harret in Geduld ! Zuvörderst will ich Euch Kleider aus meiner Truhe schicken . « Dankbar warf ich mich vor meiner Retterin auf die Knie und bedeckte ihre Hand mit Küssen . Sie zog mich empor , streichelte mein Haupt , drückte mich sanft auf die Bank und ging , von ihrem Sohne gefolgt . Gleich darauf hörte ich über mir ein Stampfen von Rossen , und durfte nun hoffen , daß Zetteritz dich suchen lassen wolle , teurer Gatte . Es dauerte nicht lange , so kamen Soldaten in die Kajüte und brachten eine Truhe . Dann erschien Frau Zetteritz , grüßte mich abermals , schloß die Truhe auf und suchte eine feine weibliche Tracht aus , worauf sie mich bat , mich einzukleiden und mit ihr einen Gang durch das Städtlein zu tun , damit ich mir die Sorgen aus dem Sinn schlage . Der Kahn sei am Ziel , in Wittenberge ; und nun werde die Rückfahrt nach Magdeburg unverzüglich beginnen , da der Nordwind tüchtig in die Segel blase . Nach meinem Gatten sei man schon auf der Suche . Der Gang durchs Städlein tat mir wohl . Bei unserer Rückkehr zum Kahn war man mit den letzten Zurüstungen zur Abfahrt beschäftigt . Ein Mast war aufgerichtet , bald blähte sich das Segel , und nun stießen Schiffer und Soldaten mit Stangen vom Ufer ab , während Ritter Zetteritz nebst seinem Leutnant Befehle gab . So schnell , wie wir vorher gefahren waren , ging es jetzo nicht , da wir ja gegen den Strom angingen . Immerhin kamen wir bei dem guten Segelwinde zu des Ritters Zufriedenheit vorwärts . Mehrfach wandte ich mich an Zetteritz mit der Frage , ob die Soldaten auch wirklich meinen Gatten ausfindig machen würden , und jedesmal ängstete es mich , daß er seine zuversichtlichen