nicht ein kleines , goldumsäumtes Wölklein sich am Himmel zeige , um den Durst des Morgenlandes zu stillen , wie einst jenes lang ersehnte , handgroße aber dunkle Wölkchen des Elias auf dem Berge Karmel . Und ich wollte ihm alle , alle Liebe mitgeben , die ich in meinem Herzen für die Menschheit trage , damit alle dort Aufschauenden erfahren möchten , daß wir unsere Augen nicht vor ihnen niederzuschlagen haben . Aber nein ; das ist ja doch nicht möglich ! Warum ? Die Grüße , welche wir ihnen senden , riechen nach Pulver . Aus den Wolken , die von uns zu ihnen gehen , brüllt der Donner der Geschütze . Und das ganze , große Reich der Liebe , welches wir bei ihnen gegründet zu haben behaupten , ist in - - - christliche » Interessen « -Sphären eingeteilt ! Wie begann doch gleich das Gedicht des alten Malaiien ? » O komm , sei wieder Gast auf Erden , du gottgesandter Menschheitschrist ! « Dieser Ruf der gelben Rasse blieb nicht unerhört : Der Christ ist gekommen , in kaukasischer Gestalt und Farbe . Hat er ihnen gebracht , was die Engel bei Christi Geburt der Menschheit verhießen ? Den Frieden auf Erden ? Damals kamen die Könige und Weisen des Morgenlandes , um den Erlöser Anbetung , Gold und Weihrauch darzubringen , freiwillig , unaufgefordert ; es war ihnen nichts so köstlich , daß sie es ihm nicht gern geopfert hätten ! Gegenwärtig aber gibt es Leute , welche behaupten : » Das war damals , vor zweitausend Jahren , als der Christ noch in den Windeln und in der Krippe lag ; da mußte man ihm Alles bringen . Jetzt aber ist er Mann geworden . Da wartet er nicht , bis man zu ihm kommt , sondern er geht , um selbst zu holen , was ihm gebührt : Gold , Gold , Gold ! Und den Weihrauch ? Auch den streut er sich dann selbst ; das ganze Abendland duftet nach diesem ihm doch eigentlich ganz fremden Harze ! « Enthalten diese Behauptungen Wahrheit oder Lüge ? Es ist nicht meine Aufgabe , zu antworten , sondern zu erzählen . Und indem ich nun damit beginne , erklingt da drüben in der Kirche die Orgel von neuem . Der Kantor spielt das » Große Halleluja « von Händel . Ich höre es bis zu Ende . Dann aber ist es , als ob jemand hinter mir stehe , wie auf Seite 389 hinter dem Governor . Lind weht es um mich her , und eine leise Stimme spricht in mir : » Der Habsucht sei das Gold beschieden , Der Weihrauch dem , der Weihrauch liebt , Uns Armen aber gib den Frieden , Den uns kein Fürst , kein Weiser gibt ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die letzten Worte meiner Erzählung waren : Mehr hörte ich nicht , denn ich schlich mich hinaus , schloß möglichst unhörbar die Tür und entfernte mich . Wenn England China in so aufrichtiger und reuevoller Weise segnet , ist Deutschlands Unterstützung überflüssig . Wohin ich ging , das war mir gleich , nur nicht nach meinem Zimmer , weil dies ja neben dem des » uncle « lag . Ich hatte den Korridor noch nicht zur Hälfte durchschritten , da kam mir Raffley entgegen , so schnell , als ob er Eile habe . Als er mich sah , fragte er : » Ihr seid es , Charley ? Habt Ihr vielleicht meine Yin gesehen ? « » Ja , soeben , « antwortete ich . » Wo ? « » Sie ist beim Governor . « Er schien erschrecken zu wollen , wechselte aber rasch den Ausdruck seines Gesichtes , über welches nun ein warmes , frohes Lächeln ging . » Welche Kühnheit von ihr ! « sagte er . » Sie hat mich gar nicht erst gefragt . Aber wenn eine solche Frau dem eigenen Herzen folgt , so darf man ihr sehr gern vertrauen . Es ist also gut , da es nun einmal nicht so geschehen soll , wie ich die erste Zusammenkunft zwischen diesen beiden beabsichtigt hatte ! Gott lasse es gelingen ! Und ich wiederhole : Der Frauen Gefühl ist so unerforschlich richtig , und meine Yin muß immer , immer siegen ! Kommt , Charley ! Will Euch den Garten zeigen . Mir ahnt , daß sie den uncle dann herunterbringt . Sie hat da einen Lieblingsplatz . Da ist sie Blume unter lauter Blumen , und wenn sie fühlt , daß es in ihr zu blühen hat , zur Freude irgend eines anderen Menschen , so führt sie ihn dorthin . Im übrigen aber ist dieses Haus mit seinem Gebiet ihr zwar recht wohl bekannt , doch innerlich fremd . Ihre Heimat ist ja unser Raffley-Castle . « » Raffley-Castle ? « fragte ich , indem wir miteinander weitergingen , der Treppe nach dem Garten zu . » So gibt es hier eine Kopie dieses Stammsitzes Eures Geschlechtes ? « » Das Wort Kopie ist eigentlich falsch , denn mein neues , hiesiges Schloß ist jedenfalls originaler als das alte drüben in der Heimat . Na , Ihr werdet es ja kennen lernen ! « Jetzt traten wir aus dem hintern Tor des Gebäudes in den Garten hinaus . Er war groß , außerordentlich wohlgepflegt und ging in einen Park über , der sich auf der andern Seite den ganzen Berg hinunterzog . Da sah man die hinterasiatische Baum- und Blumenflora in den herrlichsten Exemplaren , aber er war nicht spezifisch chinesisch angelegt , sondern in einem Stile , in welchem auch der europäische Geschmack zur Geltung kam . Sauber gehaltene Wege führten zwischen den verschiedenen Gruppen dahin . Indem wir diesen Wegen folgten , fuhr Raffley fort , zu sprechen