daß er zur Zeit der Sündflut dort König gewesen sei ? Hatte er das Nahen der Flut geahnt und baute höher , um sich vor ihr zu schützen ? Oder ging der Geist des ersten Brudermordes , Kains Gespenst , im Lande um ? Mußte der Mensch sich von den Menschen durch Mauern trennen , die selbst für Giganten unersteigbar waren ? Denn die Riesenquader , welche ich auf Gottes Fundament an- und übereinandergefügt sah , hatten wenigstens dieselben Dimensionen , wie die weltberühmten Mauersteine , welche die Umfassungsmauer von Baalbeck bildeten . Ich selbst bin , um ihn auszuschreiten , dort auf einen Block gestiegen , den man Chadschar el Hubla nennt , und habe ihn über einundzwanzig Meter lang , mehr als vier Meter hoch und genau vier Meter breit gefunden . Und hier am » hohen Hause « zählte ich sechs Lagen solcher Steine . Sie waren nicht durch Mörtel , sondern durch ihre eigene Schwere miteinander verbunden und hatten so fein und genau geschliffene Seiten , daß von da aus , wo ich stand , selbst nach verflossenen Jahrtausenden die Fugen nicht überall deutlich zu erkennen waren . In gleicher Höhe mit ihnen lagen in den Seiten des Berges die Brüche , denen man diese Kolosse entnommen hatte . Sie waren dunkel , fast schwarz gefärbt . Welche Art von Gestein , das konnte ich natürlich von so weit aus nicht bestimmen . Was für Innenräume waren durch diese Quader wohl nach außen abgeschlossen worden ? Es gab in gewissen Zwischenräumen Oeffnungen , um Luft und Licht den Zutritt zu gestatten . Ich war sehr wißbegierig , zu erfahren , ob man noch heut von oben da hinuntersteigen könne . Da die Treppe eine spätere Erfindung ist , so hatte früher wohl ein steinerner Gangweg hinaufgeführt . War ein solcher doch sogar bis fast auf die Spitze des babylonischen Turmes , natürlich in Spiralen , angelegt gewesen ! Jene Zeit verwendete kolossale Kräfte auf den Gebrauch kolossaler Mittel . Waren die Zwecke entsprechend groß ? Wer will und kann die Antwort übernehmen ? Diese Riesenquadermauer erreichte nicht die volle Breite des Felsenfundamentes . Es war überhaupt jedes folgende Stockwerk schmäler als das vorhergehende gebaut , dafür aber mehr artikuliert . Je mehr der Geist den Stoff beherrscht , desto weniger ist von dem letzteren zu gleichem Zwecke nötig . Die obere Lage der Steine war etwas vorgerückt , vielleicht den sechsten Teil von ihrer Breite . Dadurch war der Abschluß erreicht worden , der zugleich als Brüstung für das jedenfalls glatte Dach gedient hatte . Welchem Zwecke hatte dieser cyklopische Bau gedient ? Der Verehrung des großen , einzig-einen El , dessen Name in so vielen Gottesnamen wiederklingt ? Warum ihm , dem » Allanwesenden « und » Nieverschwindenden « diese unzerstörbaren Felsenblöcke auf unwandelbarer , von der Natur selbst hergestellter Unterlage ? Wie lange wohl hatte das obere Dach dieses Souterrain , wie ich es nennen will , das Sonnenlicht geschaut ? Wer kann es sagen ! Dann waren Andere gekommen und hatten weitergebaut . Die folgende Etage war , wie bereits erwähnt , schmäler ; auch trat sie etwas zurück , um eine Vorhalle bilden zu können . Auch sie bestand aus schweren Werkstücken , welche teils dem schon angegebenen , teils den darüberliegenden Brüchen entnommen waren . Das Material der letzteren hatte hellere Farbe . Darum schaute die Etage nicht so sehr tiefernst , fast drohend wie das Erdgeschoß , zu mir herüber . Sie war nicht hoch , zeigte dafür aber schon das Bestreben der Gliederung und des figurenbildenden Meißels . Die vordere Seite wurde nicht von einer kompakten Mauer gebildet , sondern von starken , breiten , ungemein tragfähigen Pfeilern , deren Zwischenräume dem Sonnenlicht direkten Zutritt gewährten . Der Abschluß über ihnen ließ schon den Versuch zur Bogenlinie sehen . Die beiden Pfeiler , welche den Haupteingang bildeten , fielen mir ganz besonders auf . Es traten aus ihnen zwei höchst eigenartige Hochreliefs hervor , welche sitzende Figuren bildeten , an denen die Zeit leider nicht schonend vorübergegangen war . Doch konnte man noch recht wohl erkennen , daß es sich um die Darstellung eines Wesens handelte , dessen Personifizierung vier Gesichter hatte . Durfte ich diese Figuren nur als Andeutung der Himmelsrichtung , der vier Winde betrachten ? Ganz gewiß nicht . Wer wurde mit vier Gesichtern abgebildet ? Brahma . Aber ihm direkt war doch nie ein Tempel geweiht ! Und die Reste , welche von der einstigen Vorhalle noch übrig waren , deuteten auf das alte Persien , nicht aber nach Indien hin . Sie war von einem auf leichteren Pfeilern ruhenden Dach überdeckt gewesen . Wahrscheinlich hatte es den Himmel darstellen sollen . Es war längst eingefallen , und von den Pfeilern standen nur noch zwei , deren Knäufe menschlichen Köpfen mit Hals und Schultern glichen . Von den letzteren gingen nach den Seiten Flügel aus , um das Architrav zu bilden . Geflügelte Wesen ! Sollte diese Meißelarbeit auf die Strahlenflügel schlagenden Amschaspands deuten , welche nach altiranischem Glauben den Himmel bevölkerten und im Sonnenlichte zur Erde niederschwebten , um die Wünsche der Menschen im Gebete zu Gott emporzutragen ? Man darf heutzutage kaum mehr von den Engeln reden , obgleich sogar in der Bibel zu wiederholten Malen und deutlich genug von ihnen erzählt und gesprochen wird . Warum ? Der Eine versteht unter ihnen wirklich existierende Geschöpfe Gottes ; der Andere läßt sie nur als Personifikationen gewisser Kräfte oder Eigenschaften gelten . Welcher von Beiden hat recht ? Aber wer gab dem Anderen die Erlaubnis , über den beglückenden Kindesglauben des Einen zu zürnen ? Und von wem wurde diesem Einen der Auftrag , dem Anderen zu verbieten , die Ursachen und Wirkungen im Bereiche der irdischen Natur zu poetischen Gestalten zu verklären ? Die heilige Schrift bedient sich beider Anschauungsweisen . Sie erzählt von persönlich auftretenden Engeln , und sie spricht von Winden und Feuerflammen , die sie Engel nennt . Nur der