. « Graf Egge ließ den Brief sinken und sah zur Zimmerdecke hinauf , an der die ausgestopften Adler hingen . Sorge und Ärger sprachen aus dem unruhigen Spiel seiner Züge . Die Stirn in wulstige Falten gelegt , erhob er sich und wanderte mit langen Schritten um den Tisch . Vor einem Fenster blieb er stehen und drückte die Hand an den Hinterkopf , als hätte er Schmerzen im Genick . » Die arme Geiß ! Reise ich morgen früh , so kann ich übermorgen bei ihr sein ! « Er zog die Finger durch den Bart und wandte sich dem Jäger zu . » Seit wann , sagst du , streichen die beiden Adler wieder ? « » Seit fürgestern , Herr Graf ! « » Dann sind schon die Jungen im Horst ! Die könnten flügg sein , bevor ich wiederkäme ! « Überlegend sah Graf Egge durch das Fenster gegen die Berge und schüttelte den Kopf . » Es geht nicht . Mit dem besten Willen nicht ! « Er ging zum Tisch , riß von Tante Gundis Brief ein unbeschriebenes Blatt ab und kritzelte mit Bleistift die Depesche : » Gundi Kleesberg , Schloß Eggeberg . Willige in alles , da sehr in Sorge um arme Geiß . Reisen Sie sofort und senden Sie wöchentlich ausführliche Nachricht . Gruß und Kuß für Kitty . Wäre selbst gekommen , doch leider dringend abgehalten . Reisegeld telegraphisch angewiesen - Egge . « Bedächtig überlas er das Geschriebene , strich die überflüssigen Worte und schrieb die telegraphische Anweisung an das Bankhaus . » Hornegger ! Trag die beiden Depeschen auf die Post ! Eil ' dich ! Bis du zurückkommst , bin ich fertig für den Berg . Und bin ich einmal droben , so wird der Horst bald gefunden sein . Also weiter ! « Franzl machte lange Füße . Als er durch die Ulmenallee rannte , erschien im Parktor ein Leiterwagen , beladen mit sieben riesigen Elchgeweihen und vier großen Kisten , in denen sich die von Graf Egge auf der Winterreise erbeuteten Bärenfelle und Vogelbälge befanden . Neben dem Kutscher , auf einem über die Leitern gelegten Brett , saß Schipper in der durch die lange Reise übel mitgenommenen Büchsenspanner- das Lederfutteral mit Graf Egges Lieblingsbüchse über den Knien . Als er den Jäger gewahrte , machte er die grauen Augen klein und verzog den Mund . Wie eine Flamme schlug es über Franzls Gesicht , dann erblaßte er wieder . Zögernd griff er an den Hut und ging vorüber . Während er im Postbureau vor dem Schalter stand , hinter dem der junge Beamte die Worte der beiden Depeschen zählte , kam der Pointner-Andres mit einem dich gesiegelten Geldbrief in der klobigen Hand , die Kleider bedeckt vom Staub des Steinbruches . » Grüß Gott , Andres ! « sagte Franzl zerstreut . » Hast auch was zum Fortschicken ? « » Ja ! Wieder an Schüppel voll Avakatengelder ! Noch allweil Hochzeitskosten ! « Die Augen des ungeschlachten Menschen funkelten zornig in den Postschalter hinein . » Der Spaß , Brüderl , is teuer gwesen ! Und ich mein ' schier , er kostet mich noch mehr als Geld ! « » Drei Mark vierzig ! « sagte der Beamte verdrießlich . Franzl bezahlte und sah den jungen Bauer an . » Was is denn , Andres ? Hast an Verdruß ? « » Ich ? Gott bewahr ! « Der Pointner-Andres lachte . » Ich sitz drin im Glück wie der Kuchelschwab in der Zuckerbüx ! Hab Haus und Hof und die allerschönste Bäuerin . Ja , die allerschönste ! Hab ich net recht , Herr Praktikant ? « Der Beamte hinter dem Schalter zuckte die Achseln und brummte ein paar unverständliche Worte . » So reden S ' doch , Herr Praktikant , schenieren S ' Ihnen net ! « Die Stimme des Pointner-Andres wurde heiser . » Sie müssen doch wissen , wie schön mein Lieserl is ! Wie d ' Leut sagen , kommen S ' oft auf Bsuch zu mir . Schad , daß ich nie daheim bin . Es tät mich freuen , wenn wir zwei amal zammtreffen möchten ! « Der Praktikant fuhr auf : » Ich verbitte mir diese Redereien ! Hier ist Amtsstunde ! Geben Sie Ihren Brief her ! « Der Pointner-Andres warf den Brief auf das Zahlbrett und lachte . » Bhüt dich Gott , Andres ! « wollte Franzl sagen , aber es verschlug ihm die Rede . Den Kopf schüttelnd ging er davon . In Schloß Hubertus fand er den ganzen Flur mit den halbausgepackten Kisten verstellt . Moser sortierte die Vogelbälge , deren bunte Federn den Boden des Flurs mit leuchtenden Farben bedeckten . Graf Egge , schon für die Bergfahrt gerüstet und mit der Büchse auf dem Rücken , diktierte dem Diener die Adressen der Präparatoren , an die man die Bälge zum Ausstopfen schicken sollte . Dann sagte er zu Franzl : » Komm ! Mir brennt die Ungeduld in allen Knochen . Ich will die Adler heute noch streichen sehen . « Einige Minuten später wanderten sie durch die Ulmenallee . Graf Egge legte die Hand auf Franzls Schulter . » Du bleibst bei mir ! Der andere soll wieder seinen Bezirk übernehmen . Der Kerl hat mich während der Reise grün und blau geärgert und hat mir das Geld aus der Tasche geholt wie mit dem Stopselzieher . « Eine Weile folgten sie der Straße , dann lenkte Graf Egge in die Wiesen ein und suchte auf einem Umweg die Kirche . Fast eine Viertelstunde blieb er im Friedhof , während Franzl vor dem Gitter warten mußte . Als die beiden ihren Weg wieder aufnahmen , rannte ein derbknochiges Weibsbild an ihnen vorüber . Es war die Magd des Bruckner . Sie lief , daß ihre Röcke flatterten ; und als sie die Wohnung des Doktors erreichte , riß sie an der Glücke , daß