der militärischen Kräftigung unterzuordnen . « » Der leibhaftige Leitartikel ! « bemerkte Jemand halblaut . » Andererseits « fuhr aber fort : » Umsomehr , als dadurch ja eine Bürgschaft geschaffen wird für die Erhaltung des Friedens . Denn , indem wir in traditionellem Patriotismus zur Sicherung der Grenzen es der unausgesetzten Steigerung der Wehrkraft unserer Nachbarstaaten gleichthun , erfüllen wir eine erhabene Pflicht und hoffen , etwa drohende Gefahren auch fernerhin zu bannen . So erhebe ich denn dieses Glas auf dasjenige Prinzip , welches , wie ich weiß , unserer Baronin Martha so sehr am Herzen liegt - ein Prinzip , das auch die Signatarmächte der mitteleuropäischen Friedensliga hochhalten , und ich fordere Sie auf , mit mir anzustoßen : Es lebe der Frieden ! Möge seine Wohlthat uns noch recht lange erhalten bleiben ! « » Darauf trinke ich nicht , « sagte ich . » Der bewaffnete Friede ist keine Wohlthat ... und nicht lange soll uns der Krieg verhütet bleiben , sondern immer . Wenn man sich auf die Meerfahrt macht , soll die Zusicherung nicht genügen , daß recht lange das Schiff an keiner Klippe zerschelle . Daß die ganze Fahrt glücklich überstanden werden , darnach wird der ehrliche Kapitän trachten . « Doktor Bresser , noch immer unser bester Hausfreund , kam mir zu Hilfe : » In der That , Excellenz , können Sie an den ehrlichen , aufrichtigen Friedenswillen Jener glauben , die mit Leidenschaft , mit Begeisterung - Soldaten sind ? Die Alles , was den Krieg gefährdet - nämlich Abrüstung , Staatenbund , Schiedsgericht - nicht nennen hören wollen ? Könnte denn die Freude an Arsenalen und Festungen und Manövern und dergleichen bestehen , wenn diese Dinge wirklich nur als das betrachtet würden , wofür man sie ausgibt : als Vogelscheuchen ? Also , damit man sie niemals brauche , der ganze Kostenaufwand ihrer Herstellung ! Die Völker müssen ihr ganzes Geld hergeben , um an den Grenzen Befestigungen zu machen , in der Absicht , sich über die Grenzen hin Kußhändchen zuzuwerfen ? Zu einer bloßen Friedens-Aufrechterhaltungs-Gendarmerie läßt sich das Militär nicht herabdrücken - der oberste Kriegsherr wird doch nicht einem Heer von ewigen Kriegsvermeidern vorstehen sollen ? Hinter dieser Maske - der » si vis pacem « -Maske - blinzeln die einverständlichen Blicke , und die jedes Kriegsbudget bewilligenden Abgeordneten blinzeln mit . « » Die Volksvertreter ? « unterbrach der Minister . » Man kann den Opfermut doch nur loben , dessen diese in ernsten Zeiten niemals ermangeln und welcher in der einhelligen Votierung der entsprechenden Gesetze erhebenden Ausdruck findet . « » Verzeihen Sie , Excellenz , diesen einhelligen Stimmabgebern wollte ich einem nach dem andern zurufen : Dein Ja wird jener Mutter ihr einziges Kind rauben ; - deines bohrt jenem armen Wicht die Augen aus ; - deines schießt eine unersetzliche Bücherei in Brand ; - deines zerstampft das Hirn eines Dichters , der deines Landes Ruhm gewesen wäre ... Aber ihr habt dieses » Ja « votiert , um nur ja nicht feige zu scheinen - als ob man gerade nur für sich die Assentierung fürchten müßte . - Seid ihr denn nicht da , um des Volkes Willen zur Geltung zu bringen ? Und das Volk will die produktive Arbeit , will die Entlastung , will den Frieden ... « » Ich hoffe , lieber Doktor , « bemerkte der Oberst bitter , » daß Sie niemals Abgeordneter werden ; das ganze Haus würde Sie auspfeifen . « » Mich dem auszusetzen , würde schon beweisen , daß ich nicht feige bin . Gegen den Strom zu schwimmen erfordert die stählerne Kraft . « » Wenn aber der Ernstfall einträte und man stände unvorbereitet da ? « » Man bereite einen Rechtszustand vor , der den Eintritt des Ernstfalles unmöglich mache . Denn was dieser Fall sein wird , Herr Oberst , von dem kann heutzutage kein Mensch einen klaren Begriff fassen . Bei der Furchtbarkeit der gegenwärtig erreichten und noch immer steigenden Waffentechnik , bei der Massenhaftigkeit der Streitkräfte wird der nächste Krieg wahrlich kein ernster , sondern ein - es gibt gar kein Wort dafür - ein Riesenjammer-Fall sein ... Hilfe und Verpflegung unmöglich ... Die Sanitätsvorkehrungen und Proviantvorkehrungen werden den Anforderungen gegenüber als die reine Ironie sich erweisen ; der nächste Krieg , von welchem die Leute so geläufig und gleichmütig reden , der wird nicht Gewinn für die Einen und Verlust für die Anderen bedeuten , sondern Untergang für Alle . Wer hier unter uns stimmt für diesen Ernstfall ? « » Ich allerdings nicht , « sagte der Minister ; » Sie auch nicht , lieber Doktor - aber die Menschen im Allgemeinen ... Auch unsere Regierung nicht , dafür kann ich gutstehen - aber die anderen Staaten . « ... » Mit welchem Rechte halten Sie andere Leute für schlechter und unvernünftiger als sich und mich ? Da will ich Ihnen ein kleines Märchen erzählen : Vor der geschlossenen Pforte eines schönen Gartens , gar sehnsüchtig hineinschauend , stand ein Haufen Menschen , tausendundeiner an der Zahl . Der Pförtner hatte den Auftrag , die Leute hereinzulassen , falls die Mehrzahl unter ihnen den Einlaß wünschte . - Er rief den Einen herbei : Sag ' - aber aufrichtig - möchtest Du herein ? - O ja , ich schon , aber die andern Tausend sicher nicht . Diese Antwort schrieb der kluge Pförtner in sein Notizbuch . Dann rief er einen Zweiten . Der sagte dasselbe . Wieder trug der Kluge unter die Rubrik ja die Ziffer 1 , unter die Rubrik nein die Ziffer 1000 ein . Das ging so bis zum letzten Mann . Dann addierte er die Zahlen . Das Ergebnis war : 1001 ja , über eine Million nein . So blieb das Thor verschlossen , denn das nein hatte eine erdrückende Majorität . Und das kam daher , weil Jeder , statt nur für sich , auch für