erlauchte Zuchtmeister und Erzieher von Gottes Gnaden - dieser rohe , freche , knechtische Charakter der zugleich in unsere reine , preußische Luft den moskowitischen Wohlgeruch einer staatlich tolerirten , groben Bestechlichkeit hineinträgt . Wahrlich , ein staunenswerthes Denkmal unserer Triumphe ! Sollen sich diese von Jedermann privatim vertretenen , aber aus guten Gründen öffentlich nur in flagranten Fällen von Rohheit besprochenen Ansichten etwa gegen die allgemeine Dienstpflicht richten ? Mit Nichten . Es wäre komisch , so lange Europa sich in Waffen gegenübersteht , daran rütteln zu wollen . Die stets mit jeder neuen Session neu auftretenden Forderungen der Liberalen zielen einfach auf gänzliche Reducirung der Dienstzeit hin , bis dieselbe auf das gebührende Maß von Bürger-Aufopferung herabgeschraubt werden wird - d.h. auf die Hälfte der bisherigen . Vor allem aber wird und soll einmal Ernst gemacht werden gegen den unerhörten Schandfleck der Armee , gegen das in ein unzerbrechliches System gebrachte Unteroffizierthum . Denn nicht in den Mißhandlungen , die solcher Auswurf sich gegen den Bürger erlaubt und nachher , wenn als Schutzleute in den Polizeidienst übergegangen , fortsetzt , liegt das eigentlich Gefährliche dieser Landplage . Nein , sondern die Betrachtung , daß ein auf der untersten Stufe des Geistes und der Moral stehendes Individuum die staatlich patentirte Berechtigung haben soll , die bestialischen Neigungen seiner gemeinen Seele jahrelang an der Blüthe des Volkes üben zu können , mit einer Unverletzlichkeit , die sich bei der späteren Metamorphose in den » Schutzmann « durch die bei uns sprüchwörtlichen Dienst-Meineide fortsetzen darf , - diese Betrachtung selbst wirkt empörend und entsittlichend : Es ist eine feierliche Erklärung der Menschen-Nichtrechte , der brutalen Gewalt . Alle Beispiele von Tyrannei wirken stets demoralisirend auf die Schwachen und Gedankenlosen . » Militarismus ! « Hat man denn wohl bedacht , daß von einem solchen überhaupt erst bei der allgemeinen Wehrpflicht die Rede sein kann ? Wer eine Armee von Miethlingen mit der Peitsche drillt wie die Engländer , hat dazu das völlige Recht . Wer sich als Vieh verkauft , mag so gehalten werden . Daß allerdings die Miethlingsarmee Napoleons III. ohne solch entehrende » Disciplin « eine unvergleichlich bessere wurde , ist auch ein Factum . Aber von einem entehrenden Militairzwang kann doch überhaupt erst geredet werden , wo Freiwillige , die höchstgebildeten Elemente des Landes , sich derselben entehrenden Behandlung unterziehen müssen . Aber lassen wir diesen braven Handlanger der Autoritätssclaverei , den Unteroffizier mit seinen Ohrfeigen und Bestechungen , den Polizisten mit seinen Ohrfeigen und amtlich patentirten Meineiden ! Unsre ganze Aufmerksamkeit wollen wir jetzt einem viel gefährlicheren Feinde gesunder Entwickelung , einem viel berühmteren Eckpfeiler des Deutschthums zuwenden . Dieser Charakter ist ein wesentlich verschiedener . Denn obwohl die eigenthümlichen socialen Verhältnisse es mit sich brachten , daß in diesem hochgeachteten Stande sich das niedrige Streberthum mit besonderer Ueppigkeit entfalten konnte , so wird man im Allgemeinen den deutschen Schullehrer wohl für einen höchst pflichttreuen , und mit Geist und Wissen wohlversehenen Mann ansehen dürfen , der in mancher Hinsicht eine Zierde der Nation repräsentirt . Nicht er ist es , dessen verderblichen Einfluß wir hier signaliren möchten , sondern sein System . Wir verschmähen es , in boshaft satirischer Weise zu zergliedern , wie dies ohnehin verderbliche System durch pädagogische Unfähigkeit nur zu oft verschlimmert wird . Wir verzichten ebenso auf Illustrirung des berühmten Schubart ' schen Verses : » Als Dionys von Syrakus aufhören muß Tyrann zu sein , da ward er ein Schulmeisterlein . « Wir lassen alle und jede Rancune gegen die oft unlautern Elemente dieses Standes bei Seite , welchem sich bei uns die Meisten nur darum widmen , weil er zuerst zu Brod verhilft . Denn während Juristen erst mit dreißig Jahren Besoldung erzielen können , ist dies als Schullehrer zu Beginn der zwanziger Jahre möglich . Wir wollen nicht näher auf die Thatsache eingehen , daß dieser Beruf wie kein andrer dummdreiste Arroganz ausbildet . Noch wollen wir das bekannte Faktum erörtern , daß bei uns die gräulichsten Streber , sei es als reactionäre Speichellecker , sei es als fortschrittliche Spekulanten , sich aus diesen Kreisen recrutiren . - Uns selbst ist der Beruf des Pädagogen der höchste und heiligste , aber darum auch verantwortlichste . Und gerade darum sei es erlaubt , ein wenig über die berühmte deutsche Erziehung zu plaudern . Erziehung kann , soll und muß zwei Ziele erreichen : Ausbildung des Geistes durch wohlverdautes Wissen und moralische Ausrüstung für den Kampf des Lebens . Sehen wir zu , wie die berühmte deutsche Schule diesen Aufgaben gerecht wird . Was macht im Leben den gebildeten Mann , der zu höheren Gesichtspunkten Stellung zu nehmen weiß ? Kenntniß der Geschichte und Litteratur . Ebenso nothwendig , wenn auch nicht so bündig verlangt , sind geographische und Sprachkenntnisse , wovon Englisch und Französisch fast unerläßlich . Die Kenntniß der eignen Sprache , ein erträglich guter Stil , wird als selbstverständlich angenommen . Wohlan , welche dieser landläufigen Vorstellungen von Bildung erfüllt ein deutscher Student ? Keine . Seine Kenntnisse in ethnographischer Völkerkunde sind miserabel . Begreiflich . Wer hat ihm je die für die moderne Weltbildung unerläßliche Kenntniß der nationalen Eigenarten und Unterschiede beizubringen gewußt ? Dies banausische und profane Wissen zu erlernen , überläßt die Schule halt dem Leben , das denn allmählich , durch Reisen , durch Lectüre , ( oft aber auch gar nicht ) den wüsten Unrath traditioneller Vorurtheile aus dem Schädel entfernt . Die Ströme in Hinterindien hat er freilich auswendig gelernt . Ja , ich schwärme heute noch für Bramaputra und Irawaddie - von der Ethnographie , von der Flora und Zoologie jener Tropenländer habe ich freilich auf der Schule nie das Geringste erfahren . Wenn ich nur die Nebenflüsse des Ganges kenne ! Um kurz zu sein , der Unterricht in der Erdkunde nach jeder nützlichen Richtung hin ist gleich Null . Wenn der Schüler nur nach dem Leitfaden hübsch auswendig lernt und der Lehrer auf dem Katheder schlafen kann - das