der Arbeit in Magazin und Schreibstube ein wenig ermüdet und träumte noch so hin , als er eine wunderliche Liederstrophe las : In einem Gärtlein , wo du weißt , Da blüht der Seelen Paradeis , Da bad ' t im Brunn der Heilig Geist Die Taubenflüglein silberweiß . Da riecht der himmlische Jasmin , Die Seel ' spazieret süß erbaut In Zimmetröslein her und hin , Da küßt der Bräutigam die Braut . Durch die letzteren Zeilen wurde er zuerst halb und dann ganz munter ; plötzlich sah er den Garten hinter seinem Hause und in demselben die schlanke Nachbarin Cornelia durch die Jasminbüsche schlüpfen , und obgleich das Büchlein , das er in der Hand hielt , schon seit manchem Jahre gedruckt war , hielt er doch den Liedervers sogleich für eine unmittelbare Eingebung oder vielmehr für einen durch die Afra wunderbar bewirkten Aufruf zur Heimkehr und Heirat mit der Cornelia , die ihm mit jedem Augenblicke , den er darüber nachdachte , wieder wünschenswerter erschien . Aber auch gegen Afra Zigonia empfand er , zum ersten Male seit dem Abenteuer des Losziehens , ein dankbares Wohlwollen , überzeugt , daß sie weiser sei als er und ihn schließlich auf den Weg geleitet habe , den er nie hätte verlassen sollen . Das sei der Sinn ihres Wegganges im Traume und des Lichtes , das sie ihm aufgesteckt . Er packte in der Nacht seine Habseligkeiten zusammen , lief seinen Vorgesetzten davon , fuhr mit einem Walfischfänger südwärts und strebte unaufhaltsam der Heimat zu , wo er an seinem Hause eines Abends anschellte , gerade als er die einst mitgenommene Barschaft gänzlich aufgezehrt hatte ; denn er war jetzt schon im zehnten Monat von Hause abwesend Er überlegte soeben , ob er , bei anbrechender Dämmerung , noch heute durch das Gartenpförtchen gehen und die verlassene Freundin wohltätig überraschen solle , als die Haustüre sich öffnete und ein fremdartiger Mensch vor ihm stand , ein blatternarbiger , gelbbrauner Mann mit gebogener Nase , starkem Schnurrbarte und runden Augen , der als Haustracht türkische Pantoffeln an den Füßen und eine lang herabhängende rote Kappe auf dem Kopfe trug , wie sie in den Ländern des Mittelländischen Meeres und weiterhin häufig bei Seeleuten gesehen wird . Der fragte nach dem Begehren desjenigen , der geläutet habe . » In mein Haus will ich ! « antwortete dieser verwundert , » ich bin der Herr Hieronymus Zwiehan ! « » Der bin ich selbst « , sagte jener barsch und schlug die Türe zu . Noch einige Minuten stand Albertus , bis ihm einfiel , er wolle den Notar aufsuchen , der wohl wissen werde , von welchem Insassen sein Haus besetzt sei . Allein der öffentliche Schreiber , der an seinem Abendessen gestört wurde , sah ihn groß an und rief ob er sich endlich sehen lasse , nachdem er so lang nichts von sich habe hören lassen ? ( Denn damals gab es noch nicht die vielen Publikationsmittel , um einen unbekannt Abwesenden aufzurufen . ) Im Hause sitze kein anderer als der Adoptivsohn und einzige Erbe des verstorbenen Zwiehan , oder wenigstens einer , der sich gleichmäßig dafür ausgebe wie Albertus und ganz die gleichen Schriften besitze . Bereits habe die Mamsell Cornelia Soundso , die man für die Verlobte des letztern gehalten , gerichtlich bezeugt , daß sie von Albertus selbst auf dem Wege des Vertrauens das Geheimnis erfahren habe , wie er nicht sein Halbbruder , der ertrunkene Hieronymus , sondern der eigene natürliche Sohn des alten Zwiehans sei . Auf dieses Zeugnis hin habe man dem unvermutet angekommenen Hieronymus einstweilen den Aufenthalt in dem Hause gestattet ; denn wenn es sich so verhalte , so sei nach hiesigem Erbrecht nicht der natürliche Sohn Albertus , sondern der Adoptivsohn rechtmäßiger Erbe , und jener könne gehen , wo er wolle , das heißt , insofern er nicht etwa wegen Fälschung des Familienstandes eingesperrt werde . Was er nun dazu sage ? Albertus hatte zwar wenig Ursache mehr , auf seine Träume zu bauen ; allein die grimmige Notwendigkeit zwang ihn , diesmal noch den Hieronymus für ertrunken zu halten ; verwirrt und aufgebracht stotterte er , das sei alles nicht wahr und nicht möglich und werde sich leicht aufklären ; aber der Notar zuckte die Achseln und ließ sich kaum herbei , dem Unglücklichen aus dem ihm anvertrauten Vermögen etwas weniges an Geld zu verabreichen , damit er eine Herberge suchen konnte . In der Tat war der verschollen gewesene Bruder bald nach der Abreise des Albertus in Ostindien unversehens erschienen und den Spuren des letztern nach der Schweiz gefolgt . Wo er die vielen Jahre sich umgetrieben , wurde nie völlig klar , unterderhand aber behauptet , er sei bei den Piraten gewesen und habe einen ordentlichen Beutel voll Dukaten zusammengerafft . Es kam nun zum gerichtlichen Austrag des Streites , welcher von den beiden Halbbrüdern und Bastarden der Adoptivsohn des leichtsinnigen toten Vaters sei . Jeder von ihnen hatte einen Advokaten , der sich um die zu erhoffende Beute tüchtig wehrte , und eine Zeitlang schien bei der Entfernung des ursprünglichen Schauplatzes und dem Mangel an Zeugen der Kampf innezustehen , bis der Advokat des Hieronymus , nach Anleitung der Cornelia , einige ältere Männer herbeibrachte , welche den alten Zwiehan in seinen jüngeren Jahren , vor der Zeit der Auswanderung , noch wohl gekannt hatten . Diese Männer bezeugten , daß Albertus der eigene Sohn des Alten sein müsse , weil er demselben ihrer deutlichen Erinnerung nach so ähnlich sehe wie ein Ei dem andern , wodurch der Streit zugunsten des wahren Hieronymus entschieden und dieser in das ganze Erbe , wie Albertus es hergeschleppt hatte , eingesetzt , der letztere aber wegen seines betrüglichen Vorgebens , zwar mit Annahme mildernder Umstände , für ein Jahr ins Gefängnis geworfen wurde . So war Albertus Zwiehan um sein natürliches Recht gekommen und sah den Abkömmling eines wildfremden Abenteurers , der selbst ein solcher war