Gottlieb freute sich , in Mongo einen erfahrenen Menschen zur Seite zu haben . » Du gehst ja doch schon bald wieder zurück , Robert « , sagte er . Der errötete . » Weshalb , du ? Ich will mit dir in den Minen das Glück suchen « , antwortete er . » Möchtest du es finden , Robert ! « sagte Gottlieb einfach in seiner bescheidenen Art. » Möchten wir alle Glück haben ! « Mongo zog aus der Tasche ein großes Paket Fleisch und Brot sowie eine Korbflasche , die er den beiden jungen Gefährten hinreichte . » Auf die Verwirklichung unserer Hoffnungen ! « sagte er . Und alle drei tranken reihum . Der Eisenbahnzug hatte die Station Bandigo verlassen , und die Landschaft wurde immer schöner . Wälder von Eichen und Buchen , manchmal auch von Tannen , säumten die Strecke . Dann wieder ging es am Ufer eines blauen Sees entlang oder durch eine weite Ebene . Roberts für alles Schöne so empfängliche Herz gab sich den unbekannten Freuden der Fahrt vollständig hin . Während seine beiden Reisegefährten Mittagsruhe hielten , beobachtete er die Landschaft ringsumher und ließ sich nicht die kleinsten Einzelheiten entgehen . Es war alles anders als zu Hause in Deutschland , wo er zwar nur von Pinneberg nach Altona , also gerade zwanzig Minuten gefahren war , wo er aber doch die Bahnanlagen häufig gesehen hatte . Streckenwärterhäuschen gab es nicht , die Stationen waren manchmal nur hölzerne Schuppen mit hochklingenden Namen , aber höchst ärmlicher Einrichtung . » Waterloo-Hotel « oder » Vereinigte-Staaten-Hotel « las er mehr als einmal , beim Aussteigen jedoch sah Robert nur einige Farbige , ein paar spuckende , Tabak kauende und trinkende Yankees , und zu essen konnte man nur ein paar dürre Butterbrote haben , hier Sandwiches genannt , dafür aber überall Branntwein , den er nur ungern trank . Meistens bezahlte er das scharfe Getränk , um dann am Brunnen seine Reiseflasche mit frischem Wasser zu füllen und den Fusel stehen zu lassen . An einer kleinen , ganz am Ausgang eines Waldes liegenden Station sahen die drei eine Menge Menschen stehen . Man sprach und gestikulierte lebhaft , eine Gruppe von Frauen schien in großer Unruhe , und verschiedene Männer fluchten in allen möglichen Ausdrücken . Es mußte irgendein außergewöhnliches Ereignis vorgefallen sein . Robert lief voran , ehe ihm noch Mongo und Gottlieb folgen konnten . Im Augenblick interessierte ihn nur das , was dort passiert war . Aber seine Neugierde sollte wenig Befriedigung finden . Ein paar Kilometer weit oberhalb der Station war ein Zug entgleist , die Schienen aufgewühlt und zum Teil mit Trümmern bedeckt und der Verkehr für die nächsten Stunden unterbrochen . Es blieb jetzt den Reisenden nur die Wahl , entweder bis zum folgenden Morgen in einigen Holzschuppen und leeren Wagen ein Unterkommen zu suchen , oder aber mit der Postkutsche die Fahrt fortzusetzen . Die drei sahen sich an , und Mongo erkannte sofort , worauf Robert hinauswollte . » Hierbleiben ! « neckte er , » hierbleiben , Bob . Nicht wahr , du hast jetzt keine Lust , mit zwanzig anderen Passagieren bei Nacht und Nebel in der engen Kutsche weiterzufahren ? Brr , eine kalte Partie müßte das sein ! « » Und gefährlich ! « warf Gottlieb ein . » Es sollen hier sogar noch Büffelherden vorkommen . « » Und wilde Raubtiere « , fügte der Neger mit besorgtem Gesicht hinzu , » und blutdürstige Indianer ! « Jetzt verstand Robert , was Mongo wollte , und die beiden lachten lustig . » Komm nur ruhig mit « , versicherte der Schwarze dem erstaunten Gottlieb , » es wird uns schon nichts kosten , höchstens etwas Zähneklappern . Aber in diesen luftigen Holzställen wird es kaum angenehmer sein als dort « , fügte er hinzu . » Und außerdem hätten wir eine ganze Nacht unnütz verloren « , warf Robert ein . Das half , den schüchternen jungen Menschen umzustimmen . Alle drei nahmen im Postwagen Platz - Robert auf dem Bock beim Kutscher - und fort ging es mit einem Gespann von sechs kräftigen Pferden in die mondhelle Nacht hinein . Am Wegesrand zeigten sich bald tief ausgetretene Spuren , die alle in einer Richtung dahinliefen und die der Kutscher dem fragenden Robert als Büffelspuren bezeichnete . » Wir werden sehr bald die Herden selbst sehen « , fügte er hinzu . » Ist es das erstemal , daß Ihr die Steppe passiert , Sir ? « Robert bejahte , und nun erzählte ihm der Kutscher , dem offenbar diese Unterhaltung auf seinem einsamen Sitz sehr willkommen war , von den Tieren , die in dieser Gegend vorkommen . » Die Büffel erkennt Ihr von selbst , Sir « , lächelte er , » aber seht Euch auch einmal diese kleinen vierbeinigen Burschen an . Das sind Präriehunde . « Robert beugte sich vom Sitz herab und bemerkte mehrere kleine Tiere von dunkelbrauner Farbe mit weißem Bauchfell . Sie gehören zum Geschlecht der Hamster , wohnen in Erdlöchern und zeigen den Menschen gegenüber nicht die geringste Scheu . Robert wandte sich voll Erstaunen zu dem gesprächigen Kutscher . » Hunde nennt Ihr diese Tiere ? « fragte er . Der Kutscher zuckte die Achseln . » Wish-Ton-Wish , sagen die Indianer , Sir . Ich weiß nicht , wie der Vergleich mit Hunden entstanden ist . « Aber Robert hatte schon wieder eine neue Entdeckung gemacht . » Seht doch , « rief er , » vor jedem dieser Erdlöcher sitzt eine kleine Eule ! « » Well , Sir , die Tiere wohnen beieinander , und außerdem auch noch Klapperschlangen , gehörnte Eidechsen und Landschildkröten . Der Wish-Ton-Wish baut die Höhle , und das andere Völkchen nimmt ungebeten Besitz davon ; der Wish-Ton-Wish schleppt die Wintervorräte zusammen , und die übrigen teilen sich den Raub , - so geht es oftmals im Leben , Sir . «