der nicht sagen kann , wie wohl ihm zumute ist Da , Herr Kandidatus , da habt Ihr Euer Mädchen ; ich wünsche Euch fröhliche Feiertage und viel Pläsier damit . « Hand in Hand gingen Hans und Fränzchen mit den andern Leuten von Grunzenow in die kleine Kirche , wo der Küster bereits vor der Orgel saß . Auf dem kurzen Wege konnte Franziska dem verlobten und Hans der Braut wirklich nicht sagen , wie ihnen zumute sei ; aber beide wußten es doch . Den schönsten Gruß von Onkel Rudolf bestellte jedoch das Fränzchen ; unter dem Christbaum im Kastell saß der Onkel mit seiner Pfeife und hatte seine Weihnachtsgedanken so gut wie alle andern . Wohl hundert Lichter erhellten die kleine Kirche ; niemand hatte sein Lämpchen beim Eintritt ausgeblasen , und wunderbar feierlich erschien die Versammlung dieser Gemeinde am Ufer der See . Auf einer der vordersten Bänke dicht vor dem Altar und der Kanzel saß der Kandidat Unwirrsch neben seiner Braut und dem Obersten von Bullau nieder und sang im rauhen Chor der Fischer das alte Weihnachtslied mit bis zum Ende ; bis unter den letzten Klängen der Orgel und des Gesanges Ehrn Josias Tillenius auf seine Kanzel trat , um seine Weihnachtspredigt zu halten ; bis alle die von der Sonne gebräunten , vom Sturm und Wetter zerbissenen Gesichter der Männer , bis alle die ernsten Gesichter der Frauen , bis alle Kinderaugen sich zu dem alten , treuen Berater und Tröster emporhoben . Und keiner der berühmten und beliebten Redner , die Hans in der großen Stadt gehört hatte , keiner der berühmten Professoren , die ihm auf der Universität so viele gute Lehren gaben , hätte eine trefflichere Rede halten können als der Greis von der Hungerpfarre zu Grunzenow , der sich in der Bibliothek seiner Vorgänger nicht zurechtfinden konnte und dem die moderne Wissenschaft der Theologie ein Buch mit sieben Siegeln geblieben war . Mit jenem Gruß der Engel , über welchen kein anderer in der Welt geht , grüßte er seine Gemeinde : » Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen ! « Dann wünschte er allen Glück zu dem hohen Feste , den Jungen wie den Alten , den Greisen wie den Kindern ; und er hatte recht , als er einst zu Hans Unwirrsch sagte , daß es ein seltsam Ding sei , wenn einem Pastor das Meer in seine Worte klinge . Er sprach von dem Guten und Bösen , was geschehen sei , seit man vor einem Jahre diesen Tag feierte ; er sprach von dem , was werden könne bis zu dem nächsten Weihnachtsglockenklang . Er hatte ein Wort für die Trauernden und für die , welchen Freude gegeben worden war . Seine Vergleiche konnte er nicht wie seine Amtsbrüder weiter im Lande , die jetzt auch auf ihren Kanzeln standen , der Arbeit des Ackermanns entnehmen ; er konnte nicht sprechen vom Säen , Blühen , Fruchtbringen und Verwelken - das Meer rauschte in seine Worte . Er sprach von den Angehörigen seiner Gemeinde , die jetzt in der Fremde schifften , von denen man nicht wußte , ob sie lebten oder ob sie tot seien : die Erde vom Nordpol bis zum Südpol mußte Raum finden in seiner Predigt . Er sprach von den Verschollenen , deren Platz am Herde seit Jahren leer war , nannte zwei weinende Mütter bei ihren Namen und tröstete sie mit der Verheißung , daß niemand , niemand verlorengehen könne , so weit die Welt auch sei , da geschrieben stehe , daß Gott die Meere in der hohlen Hand halte . Er sprach von dem großen Weihnachtsbaum der Ewigkeit , unter welchem einst alle , alle versammelt sein würden . Hans Unwirrsch dachte an die Hungerpredigten , welche er in der Grinsegasse hatte schreiben wollen , um durch ihren Druck einen Namen zu erwerben und Tausende dadurch zu rühren und zu erheben . Er ließ das Haupt sinken vor der Rede dieses Greises , die gewiß nicht druckfähig war und doch den Hörern bis ins tiefste Herz drang . Das Fränzchen weinte ihm zur Seite , der Oberst von Bullau räusperte sich von Zeit zu Zeit sehr vernehmlich und murrte in den grauen Bart ; das Volk der Fischer seufzte und schluchzte ; - der Kandidat Unwirrsch hatte keine Zeit , die Erinnerung an sein Manuskript und die Grinsegasse weiterzuverfolgen . Ehrn Josias Tillenius war an den Weihnachtsbaum jeder Hütte seines Dorfes getreten ; nun stand er plötzlich im Schatten des Baumes der Weltgeschichte , durch dessen Gezweig der Stern der Verkündigung auf die Krippe zu Bethlehem niederleuchtete . In einfach-ergreifender Art erzählte er seiner Gemeinde , wie es aussah auf Erden , als die Engel ihren Gruß vom Himmel niederbrachten . Von der Stadt Rom erzählte er und von dem römischen Kaiser Augustus , von den stolzen Tempeln , den stolzen Weisen . Kriegern und Poeten . Er sprach , davon , wie die Sonne , der Mond und alle Gestirne damals so segensreich ihren Weg gingen als wie heute , wie die Erde ihre Früchte trug , wie das Meer seine Schätze ebenso gutwillig hergab als jetzt . Er erzählte , wie die Menschen sich damals wie jetzt in ihrer Zeit eingerichtet hatten : wie Zoll gefordert und gegeben wurde , wie die Seen und Flüsse und das Meer voll Schiffe wie die Landstraßen voll Wanderer und die Märkte voll Kaufleute waren . Er berichtete , wie die Schätze der Nationen wie heute hin und her getragen wurden , und dann - dann sprach er von dem großen Hunger der Welt . Die schönen Götterbilder in den herrlichen Tempeln waren Masken , die kein Leben hatten . Die Priester , welche ihnen dienten , spotteten ihrer und des Volkes , das vor ihnen kniete ; die Weisen und Klugen aber schämten sich der Götter und der Priester . Die Welt war zu einem Durcheinander geworden , in