leuchteten , wie stolz und kühn seine Haltung , wie elastisch sein Schritt war ; wenn sie seine Stimme hörten , die bald so weich war , wie ferner Gesang , bald in der Aufregung des Spiels , oder wenn sonst etwas seine Energie herausforderte , klar und scharf und machtvoll wie Drommetenton . Und wenn es wirklich manchmal schien , als ob Bruno nur seiner schönen Cousine zu Liebe dem Einsiedlerleben entsagt habe , so konnte dies um so weniger auffallen , als Alle mehr oder weniger seit der Reise sich verändert hatten , und Alle mehr oder weniger dem neu aufgegangenen glänzenden Stern huldigten . Oder weshalb war die Baronin jetzt ganz Freundlichkeit und Güte ? Weshalb erschien sie bei Tisch jetzt stets mit einem lächelnden Gesicht und bemühte sich , die Unterhaltung während der Mahlzeit nicht in ' s Stocken gerathen zu lassen ? weshalb ließ der Baron , zum großen Aerger des schweigsamen Kutschers , sobald nur der Wunsch ausgesprochen war , diesen oder jenen weiter gelegenen Punkt zu besuchen , die schwerfälligen Braunen anspannen - während so Etwas vor der Reise geradezu ein Ereigniß hatte genannt werden müssen ? weshalb hatte Herr Timm jetzt zum ersten Male seinen Frack aus der Ecke des melancholischen Koffers hervorgesucht und mit dem Frack , wie es schien , eine etwas weniger nachlässige Haltung und eine etwas weniger burschikose Sprache ? Weshalb klang der Ton von Mademoiselle Marguerite ' s Stimme jetzt etwas weniger scharf , wie sonst ? und weshalb hatte sie sich gerade jetzt darauf besonnen , daß sie ein paar recht hübsche seidene Schleifen besitze , die schon seit Jahren in ihrer Commode müßig gelegen hatten ? weshalb gab sich jetzt selbst Malte beim Reifenspiel Mühe , die Spielregeln zu beobachten und den ihm zugeschleuderten Reifen womöglich aufzufangen ? Ob Fräulein Helene wußte , daß sie die Ursache aller dieser großen und kleinen Veränderungen war ? Es war sehr schwer , zu sagen , ob Fräulein Helene etwas bemerkt hatte oder nicht ; ja , ob sie sich über etwas freute oder nicht ; ob sie heiter war oder nicht ; ob Jemand in der Gesellschaft für sie vorhanden war oder nicht . Ihre stolze ruhige Miene veränderte sich sehr selten , und das Lächeln , zu dem sie sich gelegentlich herabließ , war , obgleich außerordentlich reizend , doch so flüchtig , daß man nicht wohl den Antheil , den ihr Herz etwa dabei hatte , bestimmen konnte . Sie war gegen ihre Eltern ganz die gehorsame , aufmerksame Tochter , gegen ihren Bruder die ältere Schwester , die , wenn sie die Schwächen des Bruders schonen soll , auch ihrerseits respectirt zu werden wünscht ; gegen Mademoiselle Marguerite ganz die freundliche Herrin , die sich in jedem Augenblicke des Unterschiedes der Stellung bewußt bleibt ; gegen Oswald und Albert ganz die vornehme junge Dame , welche von der Pension her noch sehr gut weiß , wie tief die Verbeugung vor Herren in niedrigen Lebensstellungen sein muß , und nur für Bruno schien sie eine herzliche Zuneigung zu haben , nur ihm gegenüber ließ sie ein wenig von der ruhig vornehmen Haltung nach , die sie im Uebrigen so wenig ablegen zu können schien , wie die dunkle Farbe ihres reichen Haares , oder den tiefen Glanz ihrer großen grauschwarzen Augen . Aber wenn selbst die Baronin sich gegen ihren Gemahl über Helene ' s fast allzu schroffes Wesen beklagte , wenn sie die Bemerkung machte , die lange Abwesenheit scheine denn doch Helene ihrer Familie etwas entfremdet zu haben , so war dies freilich nur zu wahr , aber die Schuld daran traf weniger die junge Dame , als die Baronin selbst . Sie war es gewesen , auf deren Wunsch Helene so lange Jahre fern von ihrem elterlichen Hause gewesen war ; sie hatte dem schwachen Gemahl , wenn er sich nach der geliebten Tochter sehnte , auseinandergesetzt , wie vortheilhaft für die äußere und innere Bildung einer jungen Dame es sei , wenn sie so früh wie möglich in die strenge Schule eines Musterpensionats komme und so lange wie möglich dort bleibe ; sie hatte schon vorher , wenn die Kleine sich liebevoll an sie schmiegen wollte , nur eine kalte Miene und ein paar kühle französische Redensarten für sie gehabt , bis das Kind , größer geworden , die Hoffnungslosigkeit des Versuchs , einen Weg zum Mutterherzen zu finden , einsah und sie fortan mit Liebkosungen , die nicht erwidert wurden , verschonte . Die arme Kleine mußte das Unrecht , kein Knabe zu sein und nichts zur Sicherung des Majorats in der Familie thun zu können , schwer büßen , und sie hätte wohl noch lange , von der Mutter halb vergessen , in der Verbannung leben können , wenn diese nicht endlich auf den Gedanken gekommen wäre , ob Helene durch eine Heirath mit ihrem Cousin Felix , dem Majoratserben der Grenwitz ' schen Güter nach Malte ' s Tode , nicht doch vielleicht mittelbar zur Erhaltung der Herrschaft beitragen könne . Daß dieser Gedanke sich würde ausführen lassen , daran zweifelte die energische Frau nicht . Felix hatte nicht nur das Projekt höchlichst gebilligt , sondern schon alle Schritte gethan , die ihm die Baronin als nothwendige Vorbereitungen zum abzuschließenden Heirathscontract bezeichnete . Er hatte seinen Abschied genommen ; er hatte die Garnisonsstadt , den Schauplatz seiner Heldenthaten , verlassen und sich auf seine Güter begeben , vermuthlich , um sich die Stellen anzusehen , wo einst die schönen Waldungen standen , die er erbarmungslos hatte umhauen lassen , die dringendsten Gläubiger zu befriedigen . Baron Felix hatte die Gewohnheit , Jedem , der ihm Geld lieh , Alles zu versprechen , was man verlangte - warum sollte er nicht der Baronin versprechen , ihre Tochter zu heirathen , wenn sie sich anheischig machte , seine Schulden , die drückendsten wenigstens , zu bezahlen und ihm zu helfen , die in Grund und Boden gewirthschafteten Güter wieder nutzbar