haben , einen Mord auf ihre Seele zu laden . War sie nun die unschuldig Schuldige ? hatte sie statt an Elisabeth , an Scheurl die Wirkung ihres Pulvers versucht , und war diese eine so plötzlich tödtende gewesen ? Was hätte Jacobea darum gegeben , mit Katharinen reden zu können , die nun in den Händen der Gerichte war ! Wenn nun die Folterknechte Katharinen , die mehr schwach als schlecht war , zum ganzen Geständniß der Wahrheit brachten - wenn sie sagte , wer ihr das Pulver gegeben , und Jacobea selbst mit in Untersuchung kam ? Wenn sie selbst gefangen würde in der Schlinge , die sie für andere gelegt , wie es eigentlich Katharinen schon ergangen war ? Oder umgekehrt : wenn es gelinge , Elisabeth als Giftmischerin und Gattenmörderin zu verderben ; wenn die schöne Patrizierin auch auf der Folter , wenn auch nur aus Scham oder Schmerz gleich Andern , sich als schuldig bekennen würde , auch wenn sie es nicht war ? Wenn sie gerichtet würde zum Schauspiel für ganz Nürnberg ? - Konnte sich Jacobea doch noch des Tages erinnern , wo man den Nikolaus Muffel nicht geschont , sondern öffentlich enthauptet hatte , trotzdem daß er Loosunger war und mithin aus den edelsten Geschlechtern stammte , und trotzdem daß Kaiser Friedrich sich für ihn verwendet hatte - konnte nicht Elisabeth ein gleiches Schicksal haben ? Gab es doch genug Feinde für sie in den Mitgliedern des großen Rathes , und noch mehr Feindinnen unter deren Angehörigen . Der alte Loosunger Tucher hatte es ihr gewiß noch nicht vergessen , daß sie ganz allein durch den König Max ihm die für unebenbürtig gehaltene Schwiegertochter in ' s Haus gebracht , noch weniger aber die Hallerin , die ihren Gatten ganz zu lenken wußte , daß ihr Elisabeth beim König und bei allen Festen den Rang abgelaufen - und so gab es außer jenen noch Rathsherren genug , die ihr grollten , entweder weil sie einen Haß auf jedes Frauenzimmer warfen , das aus der gewöhnlichen engen Sphäre einer Art von Hörigkeit heraustrat , oder die selbst früher für sich selbst oder ihre Söhne vergeblich um Elisabeth geworben - und wieder gab es außer der Hallerin noch genug Frauen , die auf Elisabeth ' s geistige und körperliche Vorzüge eifersüchtig waren , ihr eine Demüthigung recht vom Herzen gönnten und ihrer Hoffart immer ein unglückliches Ende prophezeit hatten . Bei solchen Verhältnissen konnte es vielleicht gelingen , wenn man die Gelegenheit zu benutzen verstand , Elisabeth als schuldig erscheinen zu lassen , auch wenn sie es nicht war , noch selbst gestand . Ja , selbst wenn Katharina so schwach sein sollte , auf der Tortur über sich selbst die Wahrheit zu gestehen , so würde sie doch gewiß nicht zugeben , daß sie den Mord vorsätzlich vollführt , da sie ja in der That nicht die Wirkung des Pulvers gekannt hatte , und es war sehr wahrscheinlich , daß sie ihre Geständnisse in der Art machen konnte , daß Elisabeth zum wenigsten als ihre Mitschuldige erschien , wie es gerade damals und namentlich auch in den angrenzenden Ländern bei den Hexenprocessen häufig vorkam , daß niedrigstehende Personen hochstehende als ihre Mitschuldigen nannten , um vielleicht um diese Willen mit ihnen frei auszugehen . Freilich war es auch wahrscheinlich , daß Katharina nicht verschwieg , wie sie zu dem Gift gekommen , und die Schuld auf Jacobea zu wälzen suchte - und wenn diese nun auch entschlossen war , standhaft zu leugnen und gewiß war , daß Katharina keine Beweise für ihre Aussage finden konnte , so erschien ihr doch selbst die Aussicht auf die Tortur , die im Hintergrund drohte , schrecklich genug . Aber fast gleichzeitig mit dieser Nachricht empfing sie auch die , daß Weyspriach ' s Burg gefallen und zerstört worden sei , und daß der Burgherr selbst mit gefangen genommen . Martin Behaim war selbst in Irrthum gewesen , als er Elisabeth erzählt hatte , daß Weyspriach entkommen sei und Streitberg gefangen nach Nürnberg geführt ; es war gerade umgekehrt - aber wie es leicht bei solchen Ereignissen und Nachrichten und dem Erringen eines plötzlichen Sieges erging : im Triumph , der ihm folgte , waren Namen und Personen verwechselt worden . Jacobea war mehr als einmal die Helfershelferin dieser Ritter gewesen , und ihr Sturz war auch für sie ein Schlag . Wer weiß , ob nicht auch Weyspriach Geständnisse machte , die gefahrbringend für sie waren . Aber sie kannte Streitberg . Wie schlecht er auch war und keine List oder Gewaltthat scheute zur Erreichung seiner Zwecke , Furcht oder Feigheit waren ihm fremd , und wo er jetzt auch hingeflohen sein mochte , wie sehr er auch Ursache haben möge , Nürnberg und die über ihn verhängte Reichsacht zu scheuen , so würde er nun nur um so wüthender Rache an Elisabeth zu nehmen suchen , der er alles Ueble zuschrieb , was ihm und damit auch seinem Freund widerfahren . Streitberg war noch niemals der Herr seiner Leidenschaft gewesen , aber er war nicht so niederträchtig , einen Freund und Waffenbruder in der Gefahr zu verlassen , in die er selbst ihn mitgebracht , und wenn er jetzt sein Heil in der Flucht gesucht hatte , so war es entweder in der Meinung geschehen , daß auch Weyspriach dasselbe thun könne , oder in der Absicht , ihn dann noch aus derselben helfen zu können . Jacobea erdachte und verwarf einen Plan nach dem andern , und endlich beschloß sie , zu dem Juden Ezechiel zu gehen und mit ihm sich zu berathschlagen . Ezechiel hatte endlich zu der Ueberzeugung gelangen müssen , daß es seine eigene Tochter gewesen war , welche ihm den indianischen Raben , den er in Verwahrung genommen , entführt und mit ihm Elisabeth oder die Behaim von dem Ort in Kenntniß gesetzt hatte , wohin die geraubten indianischen Schätze gekommen wären - ja er konnte ihr kaum darüber zürnen