so lieb wie seine Enkel , für die er mit Herz und Seele sorgt . Er gefiel mir gleich so wohl , wie ich ihn zum erstenmal sah , er zog mich an , und ich scherzte freundlich mit ihm , weil ich ihm wohltun wollte , da ich weiß , daß niemand freundlich mit solchen Leuten ist und nur ihrer spottet - jetzt aber denk ich jedesmal , wenn ich ihn seh , wie hoch er über mir steht , und wie gütevoll und herablassend er gegen mich ist , er auch behandelt mich wie der Meister seinen Zögling , ich fühl jeden Augenblick seine Übermacht . - Während ich mit ihm rede , schreibt er immer kleine Sätze ins mathematische Heft , die er mir noch zuletzt anweist , wie ich sie herausfinden soll , das macht , daß unser Gespräch sich in Pausen einteilt und feierlich und langsam ist , das macht mir auch so viel Freud . - Wenn ich zu Savigny hinunterkomm , da bin ich immer ganz ausgelassen lustig vor heimlicher Freud , daß ich so einen liebenswürdigen Meister hab , dem ich so von Herzen zugetan bin , ich würde für ihn durchs Feuer laufen , - für Dich auch - ich hab immer die Studenten drum beneidet , wenn ich mir dacht , daß sie so ein Verhältnis zu ihrem Professor haben , daß sie so stolz drauf sind , seine Schüler zu sein , und ihm die Stange zu halten ; damit mein ich , daß sie sich ihm widmen mit ihrem ganzen jugendlichen Enthusiasmus . - Es ist nichts Schöneres in der ganzen Welt als dies . Wär ich ein weiser Meister ; wenn mir die Studenten aus vollem Herzen ein freudig Lebehoch brächten , wenn sie im Fackelzug anmarschiert kämen , ja , das wär mir am liebsten von allen Ehrenkränzen . - Der Ephraim hat so einen Charakter , der imponieren und die Schüler anziehen muß , wenn der Philosoph wär , was er doch eigentlich ist , so müßten die Schüler mit Leidenschaft an ihm hängen , - er sagt , meine Schüler lieben mich auch , aber die Vorurteile liegen wie unersteigliche Berge zwischen uns . - Savignys fragen als : » Nun , war dein alter Mathematikus bei dir , hast du wieder Judenweisheit studiert ? - Bist du heut wieder klüger wie die andre Menschheit , hat dich dein Jud eingeweiht ? « - Ich sag ja und lach mit und freu mich , daß ich allein alles weiß von ihm - ich will Dir was sagen , ich hab ihm die Manen vorgelesen und ihn gefragt darüber manches , er hat mit Bleistift drunter geschrieben : » Du solltest Geister rufen und sie sollten deinem Ruf nicht folgen ? - das glaub nimmer . « Wenn ich abends auf den Turm geh , an Tagen , wo er da war , sind die Gedanken , die mir da oben von den Sternen kommen , immer so übereinstimmend mit seinen Reden , daß ich manchmal meinen muß , sie hätten ' s ihm eingegeben für mich . - Solche Gedanken , die mir lieb sind , schreib ich in ein Buch , um die schönsten draus zu wählen und Dir zu schreiben ; am Tag vorher , als ich vom Turm kam - es war spät , ich war müde und schrieb eilig , ohne mich zu besinnen , was mir noch im Kopf schwärmte , von da oben : » Darum ist ' s auch oft , warum das Göttliche nicht in uns haftet , weil wir selbst schlecht werden , indem wir mit dem Bösen streiten ; wir wurden boshaft , indem wir das Böse verfolgten . « - » Gott hat den Adam nicht aus dem Paradies verjagt , der Adam ist ihm von selbst entlaufen . Wo könnt ein Engel eine gottgeschaffne Kreatur aus dem Paradies jagen wollen ? - Alles Göttliche ist Steigen , was nicht mitsteigen kann , das sinkt . « » Wo könnte aber das Göttliche aufsteigen , wenn nicht aus dem Ungöttlichen ? - Wie könnte das Göttliche vom Ungöttlichen sich sondern wollen ? - Nein , es ist recht seine göttliche Natur , sich nicht von ihm zu sondern ; es mischt sich mit ihm und reizt es , des Göttlichen inne zu werden , nur Verachtung löst sich ab vom Göttlichen , nur der Tod löst sich ab , und vieles ist der Tod selbst , wodurch die Menschen sich vom Ungöttlichen absondern wollen , - sich des ewigen Lebens teilhaftig machen wollen . « - » Die Freiheit muß zur Sklavin werden des Sklaven , sie muß sich dem Sklavensinn erobern , wie könnt sie sonst Freiheit sein ? - In was kann Freiheit sich aussprechen als im Gebundensein und unterworfen dem göttlichen Trieb , das Ungöttliche göttlich zu machen ! - Wer ist mächtig die Ketten zu tragen , wenn nicht die Freiheit ? - Und wer kann die ohnmächtigen Sinne beleben als nur das Leben selbst ? « - » Man sagt zwar , das Göttliche vertrage nicht das Ungöttliche , aber es muß alles vertragen können , nur in ewigem Verwandeln in sich besteht das Göttlichsein . « Das hab ich heut auf dem Turm gelernt , und dann hab ich noch gedacht : » Wenn du dich im Geist begegnest mit dem , was du liebst , so trete auf im Schmuck deiner Begeistrung , sonst würde es dich nicht erkennen . « » Daß dich der Geliebte berühre im Geist , kann nur aus Begeistrung geschehen , so kann auch nur Begeistrung zu ihm reden . « - Als ich den Ephraim begleitet hatte , ging ich gleich auf den Turm , obschon das nicht gilt , wenn die Sterne noch nicht am Himmel stehen ; aber ich mochte nicht wieder ins Haus , es war mir zu behaglich in freier Luft . Fühlst Du das auch