geschäftiger Diener schlichen noch umher , um am frühen Morgen dem Ganzen die letzte Politur zu geben , und Gärtner tränkten die kostbaren Blumen und Pflanzen , die einzelne Räume zu feenartigen Tempeln umschufen . Die Schloßkapelle , in welcher der Bischof von Noailles die Taufhandlung vollziehen sollte , war durch eine kostbar drapirte Gallerie mit den übrigen Zimmern für diesen Tag verbunden , und das Meer von Licht , welches den Altar und die Kapelle erfüllte , war um so überraschender , da die Gäste bei der vorgerückten Jahreszeit , trotz des nahenden Abends , noch im hellen Tageslichte empfangen werden mußten . Wie glanzvoll diese Versammlung war , brauchen wir nicht weiter zu erwähnen . Wer hätte es nicht für eine Gunst gehalten , sich einem Feste anschließen zu dürfen , das der König besonders ehren wollte ? Auch blieb der Marschallin kein Wunsch unbefriedigt . Sie mußte sich trotz ihrer hohen Ansprüche gestehen , daß , außer am Hofe der Königin , wohl schwerlich eine glänzendere Versammlung zu denken sei , und - was nicht ohne Werth war , sie konnte sich sagen , daß sie der Mittelpunkt geblieben , daß Keiner der Gäste daran dachte , einem Andern , als ihr , die Ehrenbezeigungen der Begrüßung zu machen . So vollkommen zufrieden sie jedoch mit diesem Ehrenplatze war , so unerträglich war es ihr , daß Leonin , wie sie glaubte , in seiner gewöhnlichen träumerischen Weise die Stunde vergessen habe . Denn er , der anscheinend seine Gäste empfangen sollte , ließ sich noch immer nicht sehen ; ja , er war sogar im Palaste nicht zu finden , wie sein Kammerdiener meldete . Im Ankleidezimmer lagen seine Staatskleider bereit ; aber obwol man ihn eine Stunde früher in dem Zimmer seiner Gemahlin gesehen hatte , war er jetzt verschwunden . Schon hatte der Marschall , von den Umständen gedrängt , umgeben von den vornehmsten Herren der Versammlung , im äußersten Vorzimmer Platz genommen , da jeden Augenblick die Ankunft der stellvertretenden hohen Herrschaften zu erwarten war , und noch immer kamen die nach allen Richtungen versendeten Diener mit der Botschaft zurück , daß der junge Graf an keinem Orte zu finden sei . Wie viel Fassung bedurfte die Marschallin , um die Qualen ihres Inneren zu verbergen , die anfänglich bloß dem ungemessensten Zorne angehörten , später durch die Besorgniß um ein Unglück verstärkt wurden , die immer wahrscheinlicher , immer drohender in ihr aufstieg und den Triumph ihres stolzen Herzens anfing zu entkräften . Der letzte Augenblick nahte - die Kammerherren des Herzogs von Orleans erschienen - jetzt mußten die hohen Herrschaften folgen - und der Herr vom Hause , der sie an der Schwelle des Palastes empfangen mußte , war nicht zu finden ! - Die Marschallin fühlte eine der Ohnmacht ähnliche Schwäche , die nicht gehoben ward , als ihr der Marschall sagen ließ , er begebe sich hinunter . Maschinenmäßig bewegte sie sich vorwärts , und kaum hatte sie ihren vorschriftsmäßigen Platz eingenommen , da fuhren die Karossen der Herrschaften unter das Portal des Schlosses . Beinahe verzweifelnd blickte die Marschallin noch ein Mal nach ihrem Sohne umher - er blieb verschwunden . Die Gewohnheit besiegte jetzt auf kurze Zeit den Tumult ihres Innern . Der glänzende Zug , an dessen Spitze die reizende Henriette von England an der Seite ihres Gemahls , des Herzogs von Orleans , erschien , übte die Macht eines Lethe-Tropfens über die Marschallin aus . Ihr in den Hofformen wohl erzogenes Herz durfte ihr Nichts , als die Entzückungen der Ehre senden . » Ah , Madame , « sagte der Herzog von Orleans - » Seine Majestät der König haben uns versichert , wir dürften uns als Ersatz seiner geheiligten Person darbieten . Können wir auf Ihre Zustimmung rechnen ? « Die Marschallin versenkte sich einige Male vor Beiden und küßte den Rock von Madame , die sie alsdann freundlich umarmte . » Seine Majestät , « stammelte sie dabei , » weiß jede seiner Gnadenbezeigungen durch die Weise , wie er sie ertheilt , zu Ehren zu erheben , die das Herz des Empfängers fast mit ihrer Größe erliegen machen . « » O , « sagte Madame , naiv lächelnd - » ich meines Theils , habe mich recht gefreut , das schöne Palais Soubise zu sehen , von dessen prachtvoller Ausstattung ich so Vieles hörte . « » Madame , « erwiederte die Marschallin - » heute gerade , schien es mir , besaßen wir Nichts , es seinem Zwecke gemäß würdig auszustatten ! « » Davon wollen wir uns selbst überzeugen , « sagte die schöne Fürstin - und schritt nun durch das Spalier der glänzenden Versammlung in die prachtvolle Zimmerreihe , die ihre Voraussetzungen rechtfertigte . Die Herrschaften hatten unter dem Thronhimmel Platz genommen und ließen einzelne Personen heranrufen , denen sie einige der gewöhnlichen Fragen schuldig zu sein glaubten . Die Marschallin mußte , an der Seite von Madame stehend , ohne Bewegung ausharren , obwol sie jetzt Ruhe erhielt , ihren wieder auflebenden qualvollen Gedanken nachzugehen . Jeden Augenblick mußte sie eine Frage der Prinzessin in Bezug auf dieses räthselhafte Ausbleiben erwarten , oder die Wirkungen dieser beleidigenden Nachläßigkeit von den Umgebungen gerügt fürchten ; denn auch Souvré , den sie zuletzt abgeschickt , war nicht wiedergekommen . Es war dabei gegen die Etikette , nach dem Erscheinen der hohen Gäste die Taufhandlung aufzuschieben ; man durfte nicht annehmen , daß ihre Gegenwart einen geselligen Zweck habe , man mußte dies wenigstens von ihrer Herablassung erwarten und jedenfalls die Veranlassung ihrer Gegenwart nur auf die Sendung des Königs beziehen . Die Marschallin wußte das zu ihrer unendlichen Qual besser , wie einer der Anwesenden es ihr sagen konnte ; - aber wie sollte sie das Zeichen zur Taufhandlung geben , da der Vater des Kindes fehlte ! Einen Augenblick hielt Madame jetzt in ihren freundlichen Begrüßungen inne . So wenig stolz sie war , sah man ihr