Nähe des Herdes zurückgelangt . Ein Topf , welchen die Mägde zu tief in die Gluten geschoben , war im Überkochen begriffen und drohte , seinen Inhalt zu verschütten . Schon war ein Teil des letzteren in das Feuer gewallt , welches sich zischend gegen diesen Feind wehrte . Von den Mägden und Knechten war eben zufällig niemand im Flur , da sie im Baumgarten sich mit der Tafel beschäftigten . Der Hofschulze hätte nun allerdings dem Fortschritte des Unheils durch Abrücken mit eigener Hand Einhalt tun können , aber er war weit entfernt , so die Haltung des Brautvaters , welche ihm verbot , irgend etwas an diesem Tage selbst anzufassen , zu verlieren . Vielmehr stand er ruhig neben dem überkochenden Topfe , ruhig wie jener spanische König , welcher die glühende Kohle lieber seinen Fuß versengen ließ , als daß er sie etikettewidrig selbst weggenommen hätte . Er begnügte sich damit : » Gitta ! « zu rufen , auch nicht hastig und leidenschaftlich , sondern langsam und ruhig . Es dauerte daher einige Zeit , bevor die Magd Gitta herbeikam , und als sie endlich gekommen war , erschien die Hülfe zu spät , denn der Topf hatte nichts mehr zu verschütten . Der Hofschulze ließ sich diesen Verlust nicht kümmern , die Magd mußte ihm einen Stuhl vor das Haus setzen , er nahm dort , dem Eichenkampe gegenüber , Platz , und erwartete , die Schenkel gerade vor sich hingestreckt , Hut und Stock in der Hand , von der goldenen Sonne prächtig beleuchtet , still und wacker den weiteren Fortgang der Dinge . Inzwischen schmückten zwei Brautjungfern die Braut auf ihrer Kammer . Rings um sie her standen bunt mit Blumen bemalte Laden und Packen in Leinwand , welche die Ausstattung an Gebild , Betten , Garn , Wäsche und Flachs enthielten . Selbst in der Türe und bis weit auf den Gang hinaus war alles besetzt . Inmitten dieser Reichtümer saß die Braut vor einem kleinen Spiegel , hochrot und ernsthaft . Die erste Brautjungfer legte ihr die blauen Strümpfe mit roten Zwickeln an , die zweite warf ihr den Rock von schwarzem , feinem Tuche über , und ließ diesem Stücke die Jacke gleichen Stoffes und gleicher Farbe folgen . Darauf beschäftigten sich beide mit dem Haare , welches zurückgestrichen und hinten in einer Art von Rad zusammengeflochten wurde . Während dieser Zurüstungen sagte die Braut kein Wort . Desto gesprächiger waren ihre Freundinnen . Sie lobten den Putz , priesen die aufgestapelten Schätze , und hin und wieder ließ ein verstohlener Seufzer ahnen , daß sie lieber Geschmückte als Schmückende gewesen wären . Unerschöpflich waren sie in Hochzeitsgeschichten , welche jedoch sämtlich darauf hinausliefen , daß die und die dasselbe angezogen habe , was nun auch die Tochter vom Oberhofe der Landessitte gemäß zu tragen hatte . Als diese Erzählungen endlich doch versiegten , kam das Ausbleiben der dritten Brautjungfer an die Reihe . Sie hatte sich unpaß melden , jedoch zugleich sagen lassen , sie werde wohl noch imstande sein , zu kommen , wenn auch später als die andern . Nun war es aber schon zehn Uhr vormittags , in einer halben Stunde mußte die Glocke anfangen zur Trauung zu läuten , es war die höchste Zeit , daß die dritte erschien , ohne welche die Braut für nicht gehörig begleitet gelten konnte . » Sie kommt gewiß « , sagte die zweite Brautjungfer , » an so einem Tage macht sich ja kein Mensch etwas daraus , wenn ihm auch etwas schlimm ist . « - » Und was wollt ihr mit mir wetten « , rief die erste , » daß sie nicht kommt ? Ich weiß , was ich weiß , weiß , mit den Schmerzen ist es so weit nicht her , aber der Verdruß ist zu groß , und sie kann sich nicht zwingen ; das hat ihr von jeher gefehlt . « » Ei Gott « , sagte die Braut , welche hier zum ersten Male ihre Sprache fand , ängstlich , » das wäre ja ein erschreckliches Unglück , und wenn sie ausbliebe , so würde aus der ganzen Hochzeit nichts . « - Sie würde lieber den Bräutigam gemißt , als die dritte Brautjungfer entbehrt haben . » Wenn du mir folgen willst , Kordelchen , so laß uns auf den Notfall denken « , sprach die zweite Brautjungfer , ein flinkes , anstelliges Mädchen . » Ich pack ' deinen zweiten Feiertagsanzug aus , wir warten noch ein Stückchen , und wenn die Sibyll ' dann nicht da ist , so kleid ' ich die Stellvertreterin für sie ein . « Ohne die Antwort der Braut abzuwarten , hatte das Mädchen eine der Laden aufgetan und aus derselben den saubern neuen Staat mit allem Zubehör an Bändern und Krausen genommen . Ihre Gefährtin stieß währenddessen durch das Radgeflecht der Haare einen silbernen Pfeil , und dann brachten beide Mädchen mit feierlichen Mienen der Braut die Krone zugetragen . Denn die Mädchen der dortigen Gegend tragen an ihrem Ehrentage keinen Kranz , sondern eine Krone von goldenen und silbernen Flittern . Der Kaufmann , welcher ihren Putz liefert , leiht die Krone nur dar und nimmt sie nach dem Hochzeitstage zurück . So wandert sie von einem bräutlichen Haupte zum andern . Es liegt etwas Schönes und Wahres in diesem Gebrauche und ich müßte mich sehr irren , wenn er nicht aus dem göttlichen Instinkte des Volkes entsprungen wäre , der freilich darin , wie in allem , worin er schöpferisch hervortritt , nur unbewußt gewaltet hat . Das Höchste , Einzige , was nur einmal das Leben zieren kann , soll nie als Eigentum in Besitz genommen werden , soll stets nur leihweise die Stirn des Glücklichen berühren . So darf der Lorbeerkranz um die Scheitel des Helden und Dichters , so darf das Blatt , welches sich , wann Vater und Mutter weinend segnen , durch die Locke