ist die Seele der Natur . Gedanken sind in der geistigen Welt , was Empfindung in der sinnlichen Welt ist ; es ist Sinnenlust meines Geistes , der mich an Dich fesselt , daß ich an Dich denke ; es bewegt mich tief , daß Du bist , in diese sinnliche Welt geboren bist . Daß Deine sinnliche Erscheinung Zeugnis gibt von der Ahnung , von der Offenbarung , die ich von Dir habe . Liebe ist Erkenntnis ; ich kann Dich nur genießen im Denken , das Dich verstehen , empfinden lernt ; wenn ich Dich aber einmal ganz verstehe , gehörst Du dann mein ? - Kannst Du irgendwem gehören , der Dich nicht verstände ? Ist Verstehen nicht süßes , sinnliches Übergehen in den Geliebten ? - Eine einzige Grenze ist ; sie trennt das Endliche vom Unendlichen ; Verstehn hebt die Grenze auf ; zwei , die einander verstehen , sind ineinander unendlich ; - Verstehen ist lieben ; was wir nicht lieben , das verstehen wir nicht ; was wir nicht verstehen , ist nicht für uns da . Da ich Dich aber haben möchte , so denke ich an Dich , weil Denken Dich verstehen lernt . * * * Wenn ich nicht ganz bin , wie Du mich lieben müßtest , so ist mein Bewußtsein von Dir vernichtet . Das aber fördert mich , bringt mich Dir näher , wenn auch mein sinnliches Handeln , mein äußeres Leben sich im Rhythmus der Liebe bewegt ; wenn nichts Einfluß auf mich hat als das Gefühl , daß ich Dein gehöre , durch eignen freien Willen Dir gewidmet bin . Ich hab Dich nicht in diesem äußeren Leben ; andere rühmen sich Deiner Treue , Deines Vertrauens , Deiner Hingebung ; ergehen sich mit Dir im Labyrinth Deiner Brust ; die Deines Besitzes gewiß sind , die Deiner Lust genügen . Ich bin nichts , ich habe nichts , dessen Du begehrst ; kein Morgen weckt Dich , um nach mir zu fragen ; kein Abend leitet Dich heim zu mir ; Du bist nicht bei mir daheim . Aber Vertrauen und Hingebung hab ich in dieser Innenwelt zu Dir ; alle wunderbaren Wege meines Geistes führen zu Dir ; ja sie sind durch Deine Vermittlung gebahnt . * * * Am frühsten Morgen auf dem Johannisberg Das Sonnenlicht stiehlt sich durch diese Büsche in meinen Schoß und spielt unter dem Schatten der bewegten Blätter . Warum kam ich denn heute schon vor Tag hier herauf ? Hier , wo die Ferne sich vor mir auftürmt und ins Unendliche verliert . Ja , so geht es weiter und immer weiter ; die Länder steigen hintereinander am Horizont auf , und wir glauben auf Bergeshöhen am Himmelsrand zu steigen ; da breiten sich fruchtbeladne Tale vor uns aus , von dunklen Hügelwänden umschlossen , und die Lämmer weiden hier wie dort . Und wie die Berge hintereinander aufsteigen , so die Tage , und keiner ist der letzte vor dem , der eine Ewigkeit entfaltet . Wo ist der Tag , die Stunde , die mich aufnimmt , wie ich dich , spielender Sonnenschein ? - Wiedersehn , nimm mich auf ! - Du ! auf meines Lebens Höhen gelagert , von himmelreinen Lüften umwebt , nimm mich auf in Deinen Schoß ; laß den Strahl der Liebe , der aus meinem Aug hervorbricht , in Deinem Busen spielen , wie dieser Morgensonnenstrahl in meinem Aug . * * * Gestern hab ich mich gesehnt ; ich dachte jeden Augenblick , er sei mir verloren , weil ich Dich nicht hatte . Dich haben einen Augenblick , wie selig könnte mich das machen . Wie reich bist Du , da Du so beseligen kannst , Ewigkeiten hindurch mit jedem Augenblick ! Gestern war es früher Morgen , da ich Dir schrieb ; ich hatte Buch und Schreibzeug mit und ging noch vor Tag dem Tal entlang , das von beiden Seiten eng in Bergwände eingelagert ist ; da rieseln die Bäche nieder ins sanfte Gras und lallen wie Wiegenkindchen . Was sollt ich machen ? Es war mir im Herzen , auf der Lippe und im tränenschwellenden Auge ; ich mußte Dir ' s klagen , ich mußte Dir ' s wehmütig vorhalten , daß ich Dich nicht habe , und da war die Sonne so freundlich ; da rauschte es , da bewegte sich ' s hinter mir ; - war es ein Wild ? War ' s ein Anklang aus der Ferne ? Ich stieg rasch aufwärts , ich wollte Dich ereilen , und auf der Höhe da öffnete sich dem Blick die weite Ferne ; die Nebel teilten sich , es war mir , als trätest Du meinen Bitten entgegen geheimnisvoll , schautest mich an und nähmst mich auf an Deinem mir unerforschten Busen . Jeder ewige Trieb , er wirbt und erreicht , er ist außer der Zeit . - Was hab ich zu fürchten ? - Diese Sehnsucht , ist sie vergänglich , so wirst Du mit ihr verschwinden ; ist sie es nicht , so wird sie erreichen , wonach sie strebt , und schon jetzt hab ich ihr eine Innenwelt , mannigfaltig und eigentümlich , zu verdanken ; Wahrnehmungen und Gedanken nähren mich , und ich fühle mich in einem innig lebendigen Einverständnis mit Deinem Geist . Die Natur ist kindlich , sie will verstanden sein , und das ist ihre Weisheit , daß sie solche Bilder malt , die der Spiegel unserer inneren Welt sind , und wer sie anschaut , in ihre Tiefen eingeht , dem wird sie die Fragen innerer Rätsel lösen ; wer sich ihr anschmiegt , der wird sich in ihr verstanden fühlen ; sie sagt jedem die Wahrheit , dem Verzweifelnden wie dem Glücklichen . Sie beleuchtet die Seele und bietet ihren Reichtum dem Bedürftigen ; sie reizt die Sinne und entzückt den Geist durch übereinstimmende Bedeutung . Ich glaube auch von Dir