erhebt , bedarf Deines bestätigenden Geständnisses . Bekenne , daß Du Diether ' s Mörder seyn wolltest , angereizt und besoldet von seinem treulosen Weibe . Gestehe ohne Scheu . Eine gnädige Behandlung , ein leichter Tod sey Dein Lohn dafür . « - » Heer ! « erwiederte Ben David ohne Bedenken : » Wär ' ich allein in das Gewebe verflochten , das mich Unschuldigen droht zu erwürgen , so sagte ich ohne Wahl und Furcht ein lautes : Ja ! Zu glücklich , um damit zu erkaufen Linderung der Kerkerqual , und einen schnellen , beschleunigten Tod unter den Fittigen des Boten der Barmherzigkeit , Gabriel , welcher die Seelen der unschuldig Sterbenden hinüberführt gen Canaan . Aber es ist wider das Gebot , eine fremde , schuldlose Seele mit zu tödten durch falsches Zeugniß . Ich kenne die Ehewirthin des Altbürgers nicht . « - » Du lügst ; « entgegnete der Oberstrichter gereizt : » Du warst oft in ihrem Hause ; ich habe Zeugen . « - » Gehandelt hab ' ich mit der ehrsamen Frau ; « gab David zu : » Doch soll mir Gott helfen , kenn ' ich sie weiter . « - » Du lügst ! « zürnte der Oberstrichter heftig : » Man hat Dich zur dunkeln Nachtzeit aus dem Hause schleichen sehen , in welches Du hineingekommen warst , unbemerkt , von Niemand geachtet . Du warst in fremder Tracht , beladen mit Geld , wie es schien , und doch wurde von einem Diebstahl nichts gehört . Also hast Du damals den Lohn des blutigen Werks im Voraus empfangen , und den Handel geschlossen . « - » Gestrenger Herr ! « entgegnete Ben David , seine Betroffenheit künstlich verbergend : » Da Meister Diether Frosch angefallen wurde , war ich zu Costnitz , und geträumt hat dem , der mich vermummt gesehen haben will . « » Du ermüdest meine Langmuth ! « schalt der Oberstrichter : » In der Folterkammer wirst Du geschmeidiger werden , sage ich Dir indessen voraus . Denk an mich ! « » Ich will es erwarten , Herr ; « antwortete Ben David ruhig , und ließ sich geduldig die Ketten wieder anlegen , und in sein trauriges Verließ zurückbringen . Achtes Kapitel . Ich bin ein leibeigner Bauer , Mein Leben wird mir sauer ; Ich steige auf den Birkenbaum , Davon haue ich mir Sattel und Zaum ; Ich bind meine Schuhe mit Bast , Ich füll ' meinem Junker den Kast , Leiste dem Pfarrherrn die Pflicht Und weiß von Gott und seinem Worte nicht . Liefländisches Volkslied . » Wohin ? « fragte Diether , im Begriff , sein Haus zu verlassen , um in seinem Garten Zerstreuung zu suchen , einen Mann in bäurischer Tracht , der , einen Tragkorb auf dem Rücken , die Treppe hinanstieg . Der Mann hielt auf diese rasche , unvermuthete Frage still , sah mit offnem Munde hinauf , strich sich die Haare von der Stirne , und fragte , die Mütze in der Hand , entgegen , ob hier die Frau Altbürgerin Margarethe Frosch wohnhaft sey . Diether bejahte , und winkte dem Zaudernden näher zu kommen . » Was soll denn die ehrsame Frau ? « begann er , dessen Mißtrauen durch die scheu umherschweifenden Blicke des Bauern erregt wurde . - » Ich muß selbst mit ihr reden ; « meinte hierauf der Letztere , und die liebe Dummheit sprach sich in seinen Zügen und Worten aus : » Der Herr soll nichts davon erfahren , hat mein Weib gesagt ; oder - seyd Ihr vielleicht der Herr ? « - » Nicht doch ; « erwiederte Diether kurz : » Ich bin Frau Margarethens vertrautester Freund , und Du kannst nichts Besseres thun , als auch mir Dein Gewerb vertrauen , weil die ehrsame Frau verreist ist , und unter einigen Tagen nicht wiederkehrt . « - » So ? « sprach der Bauer , auf den Stock gelehnt : » Das ist einfältig , guter Freund . Wer wird mir denn abnehmen , was ich in meinem Kober trage ? « - » Tritt hier herein ! « befahl Diether , die Thüre seiner Stube öffnend : » Ich will Dir Botschaft und Werth abnehmen , Deine Zunge und Deinen Rücken ledig machen . « - Der Bauer sah sich verwundert in der Stube um , und wußte nicht recht , ob er niedersetzen oder fortgehen sollte . Diether gebot ihm hingegen nachdrücklich , den Inhalt des Korbes vorzuweisen ; und mit einer dummpfiffigen Miene gehorchte endlich der Mensch . Mit einem verstockten Lächeln zog er die grobe Leinwand von dem Korbe , in welchem ein kleines Mägdlein saß , das seine Händchen bittend dem Alten entgegenstreckte . Diether nahm das holde Kind schnell aus dem unbequemen Versteck , und maß staunend bald den Träger , bald seine Bürde . » Was soll das ? « fragte er : » Ein Kind ? « - Der Bauer lachte , und wiederholte : » Mein Seel , Herr , es ist ein Kind . « - » Wessen Kind ? Sag an ? « - » Hm ! « versetzte der Bauer langsam , und kratzte sich auf dem Wirbel : » Herr , wenn ich das wüßte , mein Seel , ich wollt ' s Euch sagen . « - » Ist der Mann hier Dein Vater ? « sagte Diether zu dem Kinde , das sein Köpfchen an des Alten Brust legte . Es schüttelte aber auf diese Frage das Haupt , und antwortete mit kindischem Lallen : » Nein , nein , Vater weit , Mutter weit , Agnes ganz allein gelassen ! « - Diether begütigte das Mägdlein , so gut er es vermochte , und wendete sich wieder zu dem dämischen Boten , der mit eingebogenen Knieen und vorgestrecktem Halse da stand , ein gleichgültiger Zuschauer . - »