, fast lächerlich , und so fühlte heimlich auch die Fürstin den Zwang , der sie von dem Grafen trennte , als ein junger Pater ihr in einem Kloster erzählte , wie leichtsinnig solche Übertretungen der Treue da abgebeichtet und für das Abbeten eines Rosenkranzes vergeben würden . Der Graf und der Schreiber waren inzwischen mit den tiefsten antiquarischen Nachforschungen über einige alte Inschriften in dem Kloster beschäftigt , aus denen die Fürstin , die sich wieder ins Freie sehnte , sie nur mit Mühe herausriß . Sie machten diese Reise in kleinen Tagemärschen zu Fuß ; ihre Diener blieben in bestimmter Entfernung von ihnen , um nur im Notfalle ihnen nützlich zu werden ; in jedem Wirtshause , wo sie aber verweilen wollten , war alles Bequeme und Erquickende im Überfluß voraus angeordnet ; der Graf hatte sich in einen Zauberer verwandelt , der auf jeden Wink der Fürstin einen gedeckten Tisch , ein Ruhebett herbeischaffen konnte . Einige Tage solcher Reisen machen vertraulicher mit einander bekannt , als jahrelanger Umgang , es ist deswegen die Gewohnheit der Neuverheirateten in England sehr lobenswert aus der Kirche in die Welt ganz einsam mit einander zu fahren , um in ein paar Wochen mit dem ersten Vergnügen auch alle die störenden Gewohnheiten an einander kennen zu lernen , die sich sonst wohl verbergen und späterhin zu ungelegener Zeit hervortreten . Wie oft bedauerte die Fürstin , daß sie den Schreiber mitgenommen ; es lag ihr in den wenigen Tagen ein langes Leben , überall behinderte er ihre Äußerungen , daß sie dadurch in einen wunderlich gereizten Zustand versetzt wurde . Sie schlief ungeachtet der Ermüdung wenig und nie sehr fest ; die Träume hielten immer noch einen Laden auf , wo das Weltlicht störend in die alles vergessende Dunkelheit einblickte ; besonders früh war sie an dem Morgen auf , wo sie auf den ersten Anhöhen des Ätna geschlafen hatten . Es schauderte ihr , als sie den fröhlich bebauten Bergrücken verließen , um durch ein Aschenmeer zu dringen , über welchem die Raubvögel wild seufzten ; sie glaubte sich selbst in der Leidenschaftlichkeit bei ihrem Alter , das schon manches Haar ihr grau gefärbt hatte , darin zu erkennen und hinter sich in dem fröhlichen Grafen das reichbebaute Land ; sie blieb lange stille . Einige Wolken lagerten sich um sie her ; es wurde kalt , aber ihre Neigung glühte mit dem Fieber , das in ihr begann ; sie ließ sich fast von dem Grafen tragen , so lehnte sie sich an ihn . Zufällig und sehr natürlich erzählte hier der Graf Petrarchs wunderbares Ereignis , als er mit großer Beschwerde einen hohen Berg bestiegen und in den » Bekenntnissen « des heiligen Augustinus mit überraschender Rührung die Worte aufgeschlagen habe : » Die Menschen gehen hin , die Höhen der Berge , die Wellen des Meeres , die gewaltigen Ströme , den weiten Umfang des Ozeans und die Kraft der Sterne zu bewundern , und verlassen sich selbst . « - Diese Geschichte machte einen tiefen Eindruck auf die Fürstin ; sie wollte sich nicht verlassen , so schwor sie in sich und doch konnte sie nicht vom Grafen lassen , der Kopf ging ihr herum . Sie war so erschöpft , als sie durch die Schneegegend in die Nähe des Kraters kamen , daß sie einige Stärkungsmittel nehmen mußte ; nachher als der Schreiber umherging allerlei Laven abzuschlagen , drängte sie sich mit vieler Kühnheit immer weiter vor , durch die schwarzen Steinmassen und den lockeren beschneiten Boden , bei den rauchenden Schornsteinen vorbei , nach dem Krater . Der Graf rief ihr zu , sie möchte sich doch in acht nehmen , und sprang ihr nach , sie aber fragte ihn heftig vorschreitend : » Sind Sie mein Freund , mein bester Freund ? « - Der Graf begriff sie nicht ; er glaubte , das starke Getränk habe sie in der dünnen Luft berauscht , sprang ganz zu ihr hin , hielt sie heftig und sagte bestürzt : » Und Sie glauben nicht an mich ? « - Die Fürstin suchte sich loszureißen und flehete : » Lassen Sie mich , mit der Überzeugung , einziger Freund , will ich unten bei den erschlagenen Himmelsstürmern Ruhe suchen . « - In dem Augenblicke machte sie einen Versuch sich herabzustürzen , aber der Graf hielt sie kräftig und gefaßt , trug sie fort und sagte : » Gut , daß ich dabei war , das ist ganz die Art des Schwindels , wie ich gehört habe , aus Furcht vor dem Fallen stürzen sich die Schwindelnden meist hinab . « - Die Fürstin ließ sich jetzt ruhig hinunterführen ; es war nur eine Anwandlung in ihr gewesen , diese Sterbelust , die sich wieder ganz in Zärtlichkeiten gegen den Grafen auflöste , der sie davon errettet , ausströmend in stillen Blicken zu ihm . Sie kamen spät und sehr ermüdet nach einem Wirtshause am Fuße des Berges , wo alles auf sie wartete ; der Schreiber war ganz verschlossen , der Graf noch immer verwundert , die Fürstin fing an leichtsinnig beredter zu werden , seit dem gefährlichen Ereignisse , über das sie spottete . So verging das Abendessen , wobei sehr stark getrunken wurde , denn der Wein war vortrefflich und allesamt sehr durstig geworden ; alle glühten von der scharfen Luft , die sie durchstrichen hatten . Der Schreiber verließ zuerst die Gesellschaft , um nicht durch sein Einschlafen das Lachen immer wieder zu erwecken . Bald stand auch die Fürstin auf ; sie wankte von Müdigkeit und der Wirt und der Graf begleiteten sie bis vor ihr Schlafzimmer . Im Vorbeigehen sagte der Wirt : » Hier Herr Graf ist Ihr Zimmer . « - Die Fürstin drückte dem Grafen die Hand zum Nachtgruße , er drückte ihre Hand freundlich wieder , sie sang : » Nein dieses Tages Feuer nimmer , o nimmer vergeht ! « Der Graf fiel ein :