Unsere Entwürfe sind dir bekannt . Vor dir hatte ich kein Geheimniß , auch das Wichtigste , das deiner weiblichen Bestimmung Fremdeste besprach ich mit dir , meinem ersten Freunde ! Constantin , mit deinem Werthe bekannt , vertraute dir unbedingt , und du warst mehr als ein Mal Zeugin unserer Verabredungen , oft unsere kluge , sanfte Rathgeberin . Aus das Alles führe ich dich geflissentlich zurück , um dir die Wichtigkeit , die unabänderliche Nothwendigkeit jener Maaßregeln anschaulich darzustellen , an denen du so lebhaften Theil nahmst . Jetzt galt es , entweder ihre segenreiche Erscheinung in der Welt , oder ihre gänzliche Vernichtung . Constantin war gefangen , Galerius hatte seinen Tod geschworen , er konnte ihn nicht leben lassen . Das wußte ich , du , er selbst - und eben so gut wußten wir , daß kein Mittel , als eine glückliche List , ihn befreien konnte . Ein Opfer mußte für das andre untergeschoben , und die Grausamkeit , der Hüter getäuscht werden . Das Alles stand klar vor mir , bei jedem Verzug war Gefahr . Dir entdeckte ich meine Absicht nicht , weil ich theils noch nicht recht über die Ausführung einig war , theils weil ich mein Herz vor dem großen Augenblicke der That nicht zu sehr erweichen wollte . Was hierauf geschah , weißt du . Ich sage dir nichts über meine Empfindungen , als Constantin entfernt , und mein Schicksal unwiderruflich beschlossen war . Ein heißes Gebet , kindliche Unterwerfung , und kindlicher Glaube an Den , der auch freiwillig für seine Brüder starb , bewahrte mich vor Verzweiflung , und ich warf Mich gestärkt und ruhiger auf Constantins Lager , zog seinen Mantel über mich , und schien zu schlafen , als der Wächter kam , das Abendessen zu bringen . Vor dem folgenden Morgen durfte die Täuschung nicht bekannt werden , wenn nicht das Opfer vergeblich , und Constantin mit mir zugleich verloren seyn sollte . Am andern Tage , als ich Gewißheit hoffen konnte , daß Constantin in Sicherheit seyn würde , und keine Möglichkeit war , mich länger zu verbergen , gab ich mich dem Kerkermeister zu erkennen . Er erstarrte . Ein seltsames Gemisch von Schrecken , Bedauern , Zorn und Achtung zeigte sich in seinen finstern Zügen . Er mußte es dem Augustus melden . Ich trieb ihn selbst an , seine Pflicht zu thun . Du bist verloren , sagte er . Ich wußte es ohne dies . Er ging , seitdem habe ich eine Art von Freund oder wenigstens einen innigen Theilnehmer an meinem Schicksal in ihm erworben . Es ist auch Trost - Trost , den der Himmel sendet ! Nun weißt du Alles , und in deine Brust , die ich zerrissen habe , lege ich meine Rechtfertigung . Kannst du wünschen , daß ich anders gehandelt hätte ? Findest du Constantins und des Christenthums Alleinherrschaft zu theuer mit dem Opfer unsers ganzen Erdenglücks erkauft ? Regt sich in deiner Brust ein Unwille , ein Vorwurf gegen mich , der es freiwillig zerstörte ? Was hättest du mir gerathen , wenn es mir möglich gewesen wäre , dich vorher zu befragen ? Ich weiß deine Antwort , und so bin ich ganz ruhig ; ich bitte dich nicht , mir zu vergeben , was du selbst mich thun geheißen hättest , was du in dem Augenblick , wo du dieses liesest , billigest und segnest . Du bist unaussprechlich unglücklich , ich weiß es , dein Leben ist vergiftet , nie wird eine heitre Stunde dich mehr beglücken , die Vergangenheit hat nichts als Qualen für dich , und die Zukunft starrt dich finster an , wie ein Grab . Dir wäre es besser , mit mir zu sterben ; du wünschest es , das weiß ich , und wenn auf dieser Erde mir noch eine Freude erscheinen kann , so wäre es die , in deinen Armen zu vergehen . Dennoch fordere ich dich auf , zu leben . Ich fordere dich auf im Namen unserer Liebe , unserer Kinder , unserer Pflicht , im Namen Gottes , der diese Pflichten von uns heischt . Nicht , weil ich das Leben für ein Gut halte - für dich ist es keines - nicht , weil ich an die Möglichkeit einer Heilung durch die Zeit für dich glaube - ich kenne dich , und weiß , daß deine Liebe und dein Schmerz mit deinem Wesen Eins geworden ist - aber weil es Pflicht ist , weil Gott dir Kinder gegeben hat , und in einem ernsten Augenblick ihr Glück von deiner Hand fordern wird , weil die Religion uns verbeut , den Platz zu verlassen , auf dem wir Gutes wirken können , weil endlich der leidende Christ in diesen Zeiten der Entnervung seinen Brüdern das Beispiel hoher Geduld und standhaften Muthes schuldig ist . Du wirst leben , Theophania ! du wirst Alles anwenden , dein Leben so lange zu fristen , als es möglich ist , um unsern Kindern ihre Mutter zu erhalten , bis sie erzogen sind , und deiner nicht mehr bedürfen . Dann folgst du mir gewiß , ein sanfter Tod löset die morschen Bande der längst erschütterten Hülle , die dein Geist ungern trug , und dein Freund , der dich unsichtbar umschwebte , der dein und unsrer Kinder Schutzgeist war , empfängt dich in den Auen des Friedens . O Augenblick der Wonne , wenn jede Pflicht erfüllt , jedes Opfer , auch das des langen Lebens gebracht ist , und du , zitternd vor Lust , in meine Arme eilst . Er kömmt , er kömmt gewiß , und bis dahin wollen wir ihn nicht beschleunigen , sondern verdienen . Nun lehe wohl , Geliebte ! diese Blätter werden nicht das letzte seyn , was du von mir erhältst . Ich hoffe dir noch einmal schreiben , vielleicht - dich noch einmal umarmen zu können . O mitten in den ernsten