wieder ein Gefühl von Anbetung . Du schlichter Mann , Du verstehst mich , Du hast Nachsicht für mich , während Alle mich verkennen und verdammen , Du bist zu mir gestanden im Augenblick der Gefahr und hast Dich dessen mit keinem Worte überhoben , — o , Du bist ein edler , ein echter Mensch . Komm zu mir , laß mich ausruhen au Deinem Vaterherzen , laß mich Dir eine Heimat bereiten und für Deines Sohnes Zukunft sorgen ! “ „ Ich danke , ich danke Ihnen für Alles , mein liebes Kind , aber solche Großmut kann ich nicht annehmen , und Gott sei Dank , ich bedarf ihrer auch nicht . Mein Sohn hat sich bereit erklärt , die Medizin aufzugeben und für mich als Lehrer einzutreten . So ist für unsere Zukunft gesorgt , wir brauchen das alte liebe Schulhaus nicht zu verlassen ; ich darf sterben auf der Scholle , wo ich mein ganzes Leben zugebracht ! “ „ Ist der Gedanke so wert für Dich ? “ fragte Ernestine kopfschüttelnd . „ O ja — es ist Alles , was ich mir noch wünsche . Wer so , wie Sie , mein Kind , mit vollen Segeln in das Leben steuert , der kann sich wohl keinen Begriff machen von der Bescheidung , die wir armen Handlanger der Zivilisation allmählich lernen müssen , um nicht zu verzweifeln . Aber in dieser Bescheidung , in diesem Verharren auf dem engen Plätzchen , das uns angewiesen ist , liegt dock auch ein Glück : die Zufriedenheit der Gewohnheit . Wohl können Sie sagen , Gewohnheit stumpfe ab , — das ist aber meistens nur nach außen der Fall . Eine innerlich starke Natur wird mit derselben Kraft , mit der sie das All umfaßt hätte , ihre Wurzeln in die Tiefe der Scholle senken , an die sie gebannt ist — und wenn man sie im Alter davon losreißen würde , so risse man ihr halbes Leben los ! Ich liebe den kleinen Fleck Erde , das kleine Haus , das mir die Welt war , — ich glaube , ich würde sterben , wenn ich es verlassen müßte . “ Ernestine hörte ihm sinnend zu . „ Nun denn , wenn ich Dir keine Unterstützung bieten kann , so biete ich Deinem Sohne wenigstens das Material , um seine Studien fortzusetzen ; meine Bibliothek , meine Apparate stehen ihm zur Verfügung , ich hoffe , er wird es nicht verschmähen , sie in seinen Freistunden zu benutzen . “ „ O das ist eine Wohltat , die ich annehmen darf , wenn ich sie auch niemals werde lohnen können ! Ich danke Ihnen im Namen meines Sohnes ! Sie werden es einst fühlen , welches Glück darin liegt , einem Menschen das Beste gerettet zu haben , was er besitzt , seine Hoffnung auf die Zukunft ! “ „ Ich höre Dir staunend zu , merkwürdiger Mann ! Ich sehe immer mehr , welch tiefer , gebildeter Geist in Dir wohnt , “ sagte Ernestine warm . „ Welche Überwindung muß es Dich gekostet haben , mit diesen Wilden hier zu leben ? “ Der Greis lächelte . „ Ei nun , man verbauert allmählich selbst , dann fühlt man den Abstand nicht mehr so . Im Anfang war ich wohl auch dünkelhaft und wähnte mich zu gut für diese Menschen . Aber mein Glaube lehrte mich bald , daß Niemand zu gut ist für den Platz , auf den ihn Gott stellt . Als Student interessierte ich mich für das Theater und besuchte es mitunter . Da hörte ich einmal beim hinausgehen den Direktor über Widerspenstigkeit eines Mitgliedes klagen : < < Er will keine Episoden übernehmen , kein Gott , sie können doch nicht Alle erste Rollen spielen ! > > Der Mann ahnte wohl nicht , welch ernste Lehre er mir gegeben hatte : < < Nicht Alle können erste Rollen spielen ! > > sagte ich mir , so oft mir der Hochmut zuraunen wollte , ich hätte ein besseres Los verdient — und ich ergab mich darein , allen Fleiß und alle Kraft auf die Episode zu verwenden , die mir auf der Bühne des Lebens zugeteilt worden . Ich begehrte mir bald keinen besseren Lohn mehr , als daß der Herr einst zu mir spreche : „ , Du warst ein fleißiges , williges Mitglied ! ’ “ „ Nicht Alle können erste Rollen spielen , “ murmelte Ernestine , „ Vater Leonhardt , über dieses Wort werde auch ich noch nachdenken ! “ Sie schwieg eine Weile , dann fuhr sie sich mit der Hand über die Stirn . „ Nein — nichts sein als eine Episode , eine Nebenfigur , die auftaucht , um wieder zu verschwinden , die einen Moment lang vielleicht das Interesse fesselt , aber eben so gut wegbleiben könnte — nein , das ertrüge ich nicht . “ Sie sprang auf und ging im Zimmer hin und her . „ O liebes Fräulein ... “ , ,Vater , sag doch Du zu mir , es ist so schön , sich < < Du > > zu nennen , wenn man sich wert ist , “ unterbrach ihn Ernestine . „ Ich begreife nicht , wie mir so lange das kalte < < Sie > > genügen konnte . Alle Menschen , die sich nahe treten , sollten sich < < Du > > nennen ! “ „ Nun denn , wenn Du es mir erlaubst , von ganzer Seele gern ! Also , mein liebes Kind , ich wollte nur das noch auf Deine Bemerkung erwidern , daß kein Mensch , der seine Pflichten erfüllt , < < eben so gut wegbleiben > > könnte . Für die Welt — ja ! Aber man muß auch nicht die ganze Welt zum Publikum haben wollen und in dem Beifall derselben die einzige Lebensbefriedigung suchen . Es ist nicht bescheiden , sich für eine