Sehr wohl , Sir . « » Jane , bist du bereit ? « Ich erhob mich . Wir hatten keine Brautführer , keine Brautjungfern ; keine Angehörigen , die uns begleiteten oder uns erwarteten . Niemand , niemand außer Mr. Rochester und mir . Mrs. Fairfax stand in der Halle , als wir diese durchschritten . Ich hätte so gern mit ihr gesprochen , aber er hielt meine Hand mit eisernem Griffe fest . Er zog mich mit sich und schritt so schnell vorwärts , daß ich kaum folgen konnte ; und als ich Mr. Rochester ins Antlitz blickte , da empfand ich deutlich , daß er mir um keinen Preis der Welt und unter keiner Bedingung auch nur eine Minute des Aufschubs gewähren würde . Ich möchte wissen , ob je ein Bräutigam seit Anbeginn der Welt so ausgesehen hat , wie er – so grimmig entschlossen , so energisch entschlossen zu handeln . Oder ob jemals die Augen eines Mannes auf seinem Wege zur Trauung unter hartnäckig gerunzelten Brauen so gefunkelt und geblitzt haben ! Ich weiß nicht , ob es ein schöner , klarer oder ein stürmisch regnerischer Tag war ; als ich den großen Fahrweg hinunterschritt , blickte ich weder zum Himmel empor noch zur Erde hinab ; meine Augen waren bei meinem Herzen , und beide weilten jetzt bei Mr. Rochester . Ich wollte jenes unsichtbare Etwas sehen , auf das er während unseres Weges seinen wilden ungestümen Blick zu heften schien . Ich wollte jene Gedanken kennen , nachempfinden , mit denen er rang und kämpfte . An der Kirchhofspforte hielt er inne ; jetzt erst entdeckte er , daß ich vollständig außer Atem war . » Bin ich grausam in meiner Liebe ? « fragte er . » Warten wir einen Augenblick . Stütze dich auf mich , Jane . « Und jetzt sehe ich wieder das Bild jenes grauen , alten Gotteshauses vor mir , wie es still und mächtig emporragte in den rosigen Morgenhimmel . Ein Raubvogel umkreiste den Kirchturm . Ich hege auch noch eine Erinnerung an die grünen Grabhügel ; und ich habe ebensowenig jene beiden fremden Gestalten vergessen , welche zwischen den niedrigen Gräbern umhergingen und die Inschriften lasen , welche auf den wenigen moosbewachsenen Denksteinen zu entziffern waren . Ich bemerkte sie , weil sie augenblicklich hinter die Kirche traten , als sie unserer ansichtig wurden , und ich zweifelte nicht einen Augenblick daran , daß sie durch die Thür des Seitenflügels in das Gotteshaus eintreten würden , um der Trauungsceremonie beizuwohnen . Von Mr. Rochester wurden sie nicht bemerkt ; er blickte mir ernst ins Antlitz , aus dem für den Augenblick alles Blut gewichen war ; denn ich fühlte , wie ein kalter Angstschweiß meine Stirn bedeckte und meine Wangen und meine Lippen eisig kalt wurden . Als ich mich erholt hatte , was sehr bald geschah , ging er langsam und fürsorglich den Pfad zum Kirchenportal mit mir hinauf . Wir traten in den stillen , bescheidenen Tempel . Der Priester stand in seinem weißen Chorrock an dem niedrigen Altar und wartete . Neben ihm der Küster . Tiefe , heilige Ruhe überall . In einem entfernten Winkel bewegten sich zwei Schatten . Meine Vermutung war die richtige gewesen : die Fremden waren vor uns in die Kirche geschlüpft und jetzt standen sie an dem Grabgewölbe der Rochesters . Sie hatten uns den Rücken zugewendet und blickten durch die Gitterstäbe auf den alten , von der Zeit geschwärzten Marmorstein , wo ein knieender Engel die irdischen Überreste des Damer de Rochester hütete , welcher zur Zeit der Bürgerkriege auf Marston Moor den Tod gefunden hatte . Neben ihm ruhte Elizabeth , seine Gemahlin . Wir hatten uns am Abendmahlstische aufgestellt . Als ich einen vorsichtigen Schritt hinter mir hörte , blickte ich über meine Schulter : einer der beiden Fremden – augenscheinlich ein Gentleman – näherte sich dem Altarplatz . Der Gottesdienst begann . Die Erklärung des Endzwecks der Ehe wurde durchgenommen . Dann trat der Geistliche um einen Schritt vorwärts und indem er sich leicht zu Mr. Rochester herabbeugte , fuhr er fort : » Und so bitte und verlange ich denn von euch beiden ( da ihr am furchtbaren Tage des jüngsten Gerichts , wenn das Geheimnis aller Herzen enthüllt sein wird , dafür werdet Rechenschaft ablegen müssen ) , daß wenn einem von euch ein Hindernis bekannt ist , weshalb ihr nicht gesetzmäßig in die Ehe treten könnet , ihr es jetzt bekennet . Denn das sollt ihr wissen , daß so viele da beieinander leben anders als durch Gottes Wort verbunden , so viele sind nicht durch Gott verbunden und ihre Ehe bedeutet nichts nach dem Gesetz . « Hier hielt er inne , wie es der Brauch ist . Wann wird die Pause nach jener Frage jemals durch eine Antwort unterbrochen ? Vielleicht nicht ein einziges Mal in einem ganzen Jahrhundert . Und der Geistliche , welcher die Blicke nicht von seinem Buche erhoben und den Atem nur für einen Augenblick angehalten hatte , fuhr jetzt fort . Seine Hand war schon gegen Mr. Rochester ausgestreckt und er öffnete die Lippen um zu fragen : » Willst du dieses Mädchen hier zu deinem Weibe nehmen « – als eine Stimme deutlich und klar sagte : » Die Trauung kann nicht vollzogen werden . Ich erkläre hiermit , daß ein Hindernis existiert . « Der Prediger blickte auf und sah den Sprecher an – sprachlos stand er da . Ebenso der Küster . Mr. Rochester machte eine leise Bewegung , als spüre er ein Erdbeben unter seinen Füßen . Dann faßte er wieder festeren Fuß und indem er weder das Haupt noch den Blick wandte , sagte er mit gebieterischer Stimme : » Fahren Sie fort ! « Als er diese Worte gesprochen hatte , herrschte tiefe Stille . Leise aber fest waren sie erklungen . Dann sagte Mr. Wood : » Ich kann nicht fortfahren , ohne Nachforschungen