Herr Heinrich nickte : » Gold , wenn ich weiß , von wem die Botschaft kommt . « Er ging mit flinkem Schritt auf den Laitzinger zu . » Hast du Kenntnis von dem Inhalt dieses Blattes ? « Der Bote schüttelte den Kopf . » Wer hat dich geschickt ? « » Herr , ich hab auf das heilige Brot geschworen , daß ich schweig . « Da lächelte Nikodemus . » Als Priester sag ich dir : Erzwungener Eid ist keiner , Reden aus Zwang ist Schweigen . Ich absolviere dich . « » Und bleibst du schweigsam « , fiel Herr Heinrich ein , » so laß ich dich auf die spanische Bank legen und schicke dich morgen mit diesem Blatt nach Ingolstadt zu meinem Vetter Loys . Dann wird der dich fragen . « Der Bote schloß die Augen und wankte , daß man ihn stützen mußte . » Redest du aber , so sollst du leben bei mir wie einer , der mich beschenkte mit einer unbezahlbaren Kostbarkeit . « Laitzinger tat die verstörten Augen auf und kämpfte in seiner verlorenen Seele einen langen , stummen Kampf . Dann keuchte er : » Laßt mich leben , Herr ! Ich will es Euch ins Ohr sagen . « Gierig streckte Herr Heinrich den Hals . Und Laitzinger flüsterte am Ohr des Herzogs . Ein paar Worte nur . Erschrocken wich Herr Heinrich zurück . Und während er sprachlos stand , war Entsetzen in seinen Augen . Den Arm des Kahlköpfigen umklammernd , stammelte er : » Nikodemus ! Ich bin nicht der übelste der Menschen . Es gibt noch Dinge , die auch mich empören . « Mit jagendem Schritt verließ er die Stube . Und eilte durch den kahlen Gang zu einer Türe , vor der zwei Harnischer auf Wache standen . Als er im Geklirr seines Stahlkleides den kleinen dämmerigen Raum betrat , der von einer verschleierten Ampel nur matt erleuchtet war , erwachte der schlafende Knabe . Der Herzog riß ihn aus den Kissen und schüttelte heftig das feste , gesunde Körperchen . » Du ! Du ! Wirst du mich auch einmal verraten ? « Er sah nicht das blasse Gesicht der Wärterin , sah nicht die Herzogin in ihrem Schreck . Nur immer die Augen seines Kindes sah er an , diese noch schlaftrunkenen und doch schon neugierigen Knabenaugen . Der kleine Hemdschütz wollte unter dem harten Griff der gepanzerten Fäuste ein bißchen greinen . Aber da erkannte er den Vater , lachte , schlang die Ärmchen um Herrn Heinrichs Halsberge und sagte munter : » Gut Nacht , Vatti ! Denk des Lllloys ! « » Ich denke ! « Herr Heinrich hielt an seiner eisernen Brust das Kind umschlungen . » Gott ! Schicke mir alles Üble , ich hab ' s verdient . Nur dieses Eine nicht ! Dieses Fürchterliche ! Daß mein eigen Kind mich verrät ! « Nun war er ruhig . Er küßte und , herzte den Knaben , schwatzte lustig mit ihm , huschelte ihn auf die Kissen hin und deckte ihn sorglich zu . » Schlaf , mein Jung ! Schlaf nur wieder ! Ich arbeite für dich . « Ohne der bleichen , zitternden Frau einen Blick zu gönnen , verließ er die Kammer . Als er wieder in die große Stube kam , legte er den Helm , das Schwert und den Mantel ab und ließ sich von Malimmes die Wehrstücke herunterschnallen . Dabei sagte er zum Laitzinger , der zitternd auf einem der dreibeinigen Stühle saß , weil ihn , seine Knie nicht trugen : » Deine Botschaft ist Gold geworden . Aber du hast nur halb geredet . Jetzt rede ganz ! Wieviel Helme kann der Vetter zu Ingolstadt noch aufbringen ? Wer steht noch zu ihm ? Wer ist in Ingolstadt ? « Der Laitzinger schätzte den Rest von Herzog Ludwigs Macht auf dreitausend Helme . Und zählte die Namen der fremden Herren auf , die nach Ingolstadt gekommen waren , um Ritterschaft zu suchen . Und nannte die Verbündeten , die dem Herzog mit Hilfstruppen zugezogen waren , nannte den Kaspar von Törring , den Hochenecher von Salzburg , den Bischof Engelmar und den Chorherrn Hartneid Aschacher von Chiemsee , den Fürstpropst Pienzenauer und den Ritter Lampert Someiner von Berchtesgaden . Der Herzog nickte heiter vor sich hin . Dann sah er ein bißchen verwundert den Runotter und den jungen Harnischer an . Doch um Erregung und Sturm in den Gesichtern seiner Leute pflegte sich Herr Heinrich nicht viel zu kümmern . Und was er in den Augen dieser beiden sah und im brennenden Gesicht des Malimmes , das deutete er als kriegsmännische Ahnung der Dinge , die jetzt kommen würden . » Ja , Leut ! « In seiner Stimme war ein fröhlicher Hohn . » Arbeit kommt . Die letzte . Dann wollen wir uns als friedsame Seelen des schönen Lebens freuen ! « Er wurde ernst und betrachtete den Laitzinger . » Du ! Man wird dich speisen und kleiden , wird dich ruhen lassen , bis du nimmer zitterst . Ich schenke dir als Botenlohn einen Waldhof im Innviertel , mit Knechten , Vieh und Feldern . Morgen wird man dich hinbringen . Dort lebe ! Ich mag dich nimmer sehen . Fort mit ihm ! « Er wandte sich von den Harnischern , die den Laitzinger aus der Stube führten . Und lachend faßte er den Kahlköpfigen an der Schulter . » Nikodemus ! Dieser andere ist der Starke . Ich bin der Kleine , bin seine Laus . Aber bei ihm ist Verrat und Dummheit . Bei mir das Glück . « Herr Heinrich und Nikodemus arbeiteten bis zum Morgen . Als die Sonne kam , jagten sieben berittene Boten davon . Und während der folgenden Wochen verließ an jedem Abend ein kleiner Trupp von Harnischern , die den Landfrieden bewachen sollten , oder ein Häuflein von Spießknechten mit Armbrustern