ich die Hand , schickte ihn hinaus , tat einen Aufblick zur Höhe und wandte das Auge wieder zur Schrift . » Friede sei mit Dir , Johannes ! Ergib Dich drein ! Unser Kind ist ja geborgen - ruhet in des Ewigen Schoße . « - Damals freilich , als das Grausige geschah - als der kleine Johannes der Teufelsmette zum Opfer fiel ... doch das alles sollst du später hören . Einstweilen will ich nur sagen : Eine Mutter , die mit eigenen Augen zuschauen mußte , wie ihres Leibes Frucht dem Flammentode preisgegeben ward von wahnwitzigen Menschen - sie hat mit solchem Leid einen Dämpfer empfangen , der den Trieb ihrer Sinne , falls er hinfüro einmal unbändig werden will , zu beschwichtigen weiß . Nun aber laß mich der Reihe nach erzählen , wie das alles mit mir gekommen ist , seit ich Dich verlor . In Scham und Zittern hatte mich Dein jähzorniger Handel mit dem Ritter Zetteritz versetzt . Als man Dich fesselte und auf Deck schleppte , war ich versucht , hinterdrein zu stürzen und wie ein Raubtier um Dich zu kämpfen . Dann aber drückte ich hilfloses Weib die Hand auf mein wild Herze : » Stille , still ! und nicht den Kopf verloren ! Raserei kann hier nur schaden , Hilfe wird nicht ohne Besonnenheit erlangt . « Ich beobachtete den Zetteritz . Aufgebracht maß er den Schiffsraum mit großen Schritten und zischte mit höhnischem Lachen zwischen den Zähnen : » Hei warte nur , Tielsch , das sollst du mir büßen ! « Gar nicht schildern mag ich , welch wilde Drohungen er ausstieß . Besorgt , man könne Dich töten , sank ich dem Tobenden vor die Füße : » Erbarmen , Herr Ritter ; Ihr werdet edelmütig handeln . Habet mir ja angeboten , meiner Hilflosigkeit beizustehen . Nun erfüllet Euer Versprechen , so Euch wirklich an meinem Wohle gelegen . « Solch Flehen aus Frauenmunde machte den Ritter verwirrt , daß er mich aufhub : » Verzeihe die Jungfer Gräfin meine Wildheit ; aber dieser kecke Rebell ... « Da ich ihn bat , innezuhalten , mäßigte er sich : » Gebiete das Fräulein über mich . Soweit Sie für sich selbst etwas begehrt , bin ich Ihr Kavalier . Den Tielsch aber lasse Sie endlich aus dem Spiele . Danke Sie mir lieber , daß ich Sie befreiet von diesem lästigen Kommißhund . Sakrament , er soll Elbwasser schlucken wie eine versaufende Katze . « Und von neuem lief er wütend umher . Da überfiel mich Verzweiflung . Im Geiste sah ich Dich gefesselt in die Todesflut sinken , hilflos Entsetzen auf Deinem erbleichenden Angesicht . Ich schrie auf , und ein Toben kam über mich , das ich bisher nicht gekannt . Das Messer , so auf dem Tisch gelegen , zückte ich wider meinen Busen . Die Augen aufgerissen , stund Zetteritz vor mir , ohne mir in den Arm zu fallen , da er wohl besorgte , in meiner Raserei möcht ich ihm zuvorkommen und zustoßen . » Halt ! Besinnt Euch ! « rief er heiser . » Mein Blut über Euch ! « entgegnete ich und fühlte des Messers Spitze auf meinem Busen . Zetteritz machte ein ganz entsetztes Gesicht , streckte zitternde Hände aus und rief : » Ich begnadige den Tielsch ! Messer weg ! « » Hebet erst die Hand zum Schwur , bei Eurer Ehre schwöret , daß Ihr ihn nicht tötet ! « Er tat nach meinem Geheiß : » Bei meiner Ehre ! « Nun ließ ich das Messer fallen , atmete tief und sank auf die Bank . Da rief Zetteritz nach seinen Leuten , und ein paar Dragoner kamen von oben . » Tut das Messer weg und verweilet bei der Jungfer Gräfin . Ihr habet sie zu bewachen , daß sie sich kein Leides antut . Mit keinem Schritte darf sie auf Deck , und wenn sie nach dem gefangenen Rebellen fragt , daß mir keiner mit einem Wörtlein antworte ! Sonsten aber sind des Fräuleins Wünsche zu respektieren und mir zu melden , wie denn die Jungfer Gräfin als eine Person von Stand zu behandeln . « Zu mir wandte sich Zetteritz mit den Worten : » Wolle die Jungfer Gräfin bedenken , daß unser Kahn durch unsicheres Gebiet fährt , wo feindliche Parteien herumschweifen , die mit ihren Kugeln auf Deck leicht Schaden anrichten . Hier unten aber ist ein sicherer Ort . Drum hab ich befohlen , Sie solle diesen Raum nicht verlassen . « Höfisch neigte sich Zetteritz und ging . Da saß ich nun , zwar etwas beruhigt , doch sattsam in banger Unsicherheit . Durch Lauschen wollt ich erraten , was auf dem Deck vorging . Vernahm nur die dumpfen Ruderschläge , zuweilen das Wiehern der Pferde . Auf einmal scholl Hornsignal , und die Ruderschläge hörten auf . Über mir stampften die schweren Reiterstiefel , und bald darauf schienen Ruderschläge jenes kleine Boot , mittels dessen unsere Gefangennahme erfolgt war , vom Kahn wegzutreiben . Ich sprang auf und rief : » Was geschiehet meinem Gatten ? ich will es wissen ! « Doch die Dragoner griffen mich bei den Handgelenken , daß ich mich nicht rühren konnte . Hilflos hub ich zu weinen an . Eine Zeitlang blieb alles still . Dann hörte ich die Ruderschläge sich wieder nähern ; das Boot ward am Kahne befestigt , und am Stampfen über mir erkannte ich , daß seine Bemannung an Bord zurückkehre . Auf einmal knallte ein Schuß vom Ufer her . Sogleich hörte ich Zetteritz kommandieren , und dann gab man über mir mehrere Schüsse ab . Das Rudern ward wieder aufgenommen und beschleunigt . Die Dragoner bei mir hatten Worte gewechselt , aus denen ich entnahm , daß eine Partei Schweden auf unsern Kahn geschossen habe . Mir gereichte das Gefecht zum Troste , denn ich sagte mir : Zum Kundschaften ist