beginnt , Prondzynski läßt sich noch einmal von Krukowiecki in den Reichstag schicken , Niemojewski und der Marschall erheben sich gegen ihn , der Lärm beginnt von neuem , er erhält aber doch die schriftliche Erlaubnis , mit Rücksicht auf den Geist der früheren Gesetze in Unterhandlung zu treten . Rasch läßt nun Krukowiecki seine Abdankung wieder vom Tische nehmen , und sendet abends um sechs den immer reitenden Prondzynski nochmals ins russische Lager mit jener Bevollmächtigung und mit einem eignen Unterwerfungsbriefe an den Kaiser von Rußland . Unterdessen ist Czysti genommen , und die Russen dringen durch diese eine Lücke in die Vorstädte , die Uminskischen Linien , welche noch unversehrt sind , in der Flanke und im Rücken lassend . Von hier aus greifen nun die Polen an , und es entsteht ein neues entsetzliches Gemetzel , die Nacht bricht ein , der Tod mäht wüst , da fehlen plötzlich überall die polnischen Truppen , wie sie von Malachowski und Uminski beordert waren ; auf Krukowieckis Befehl sind sie in die Stadt und bis nach Praga hinübergezogen worden ; Chrzanowski läßt niemand über die Brücke von Praga flüchten , es ist offenbar darauf abgesehen , Krukowieckis Unterwerfung an die Russen zu bestätigen . Es herrscht die trostloseste Verwirrung , man rennt , man klagt , man schimpft , Truppen ziehen dazwischen ; aus den Vorstädten herein knattert das Gewehrfeuer , braust das Kampfgetümmel - da bringt der Marschall Ostrowski noch einen kleinen Teil der Landboten im Palaste zusammen , Krukowiecki wird von ihnen abgesetzt . Die beiden Ostrowski unterzeichnen es und tragen es selbst zu ihm hin , viele Landboten folgen . » Was wollen Sie ? « schreit er und gerät in schäumende Wut , als ihm die Absetzung mitgeteilt wird - » sagt dem Großfürsten , daß er jetzt die Stadt beschieße , ich nehme die Entlassung nicht an , holla , Ordonnanz , die Gitter vom Reichstagspalaste sollen geschlossen werden , ich will sehen , ob der Reichstag meinen Vertrag ratifizieren wird . « Aber dies war die letzte Wut , er wartete selbst die Rückkehr Prondzynskis nicht ab , ließ alles im Stich und entwich über die Weichselbrücke . Die Verwirrung war nun noch größer , als der russische Parlamentär ankam und nur mit Krukowiecki unterhandeln wollte ; es war mitten in der Nacht , und man mußte Reiter abschicken , um Krukowiecki zurückzuholen . Am 8. September endlich , vormittags gegen 12 Uhr , ward eine militärische Kapitulation abgeschlossen , nach welcher Warschau und Praga übergeben wurden und die polnische Armee mit ihren Effekten nach Plock abmarschieren sollte . Um diese Zeit ritt Valerius zum letzten Male durch die Straßen , am Hause des alten Grafen vorüber , wo er mit Konstantien glücklich gewesen war ; sie stand neben dem alten Herrn am Fenster und sah in das vorübertosende militärische Getümmel , der Graf hatte seine sonstige stille Miene , und man konnte darauf lesen , daß er nicht flüchten , sondern sich mit den Russen abfinden werde . Sie mochten Valerius in dem Wirrwarr nicht erkennen , aber es war diesem ein schneidender Eindruck , der Fürstin Augen lächelnd auf diesem Untergange ruhen zu sehn . » Bist du ein unbedeutender Geist , « sprach sein Gewissen , » ist sie ein so überlegener ? Oder gibt Geburt und Stellung auch in den wichtigsten Fragen soviel richtigere Einsicht ? Sie hat es dir voraus gesagt , daß es so kommen würde , du hast es jetzt zum Schrecken gesehen , was eine Macht , die in strenges Verhältnis , in strenge Einheit gefügt ist , Überlegenes leistet ! Wie gewaltig und ganz ist dir in den letzten Tagen der russische Feldherr entgegengetreten neben diesen aufgelösten Revolutionszuständen ! Hätte er nicht auch siegen müssen , wenn nicht gerade von den Krukowiecki und Chrzanowski hantiert worden wäre ? Täuscht man sich nicht eben weiter , wenn dieser Untergang auf einzelne Persönlichkeiten und Zufälligkeiten geschoben wird ? Was ist alle Frage und Untersuchung und Redensart im Staatsleben , was bleibt der ewige Mittelpunkt ? Kraft und Macht - wo wohnt sie in dieser Verworrenheit ? « Der Zug war just vor des Grafen Hotel ins Stocken geraten , und Valerius mußte dort harren wie im Feuer einer Batterie . Auch Williams sonst so düstres Angesicht sah er am Fenster , und er glaubte die Schadenfreude darauf zu erkennen . Als er endlich bis an die Brücke gekommen war , fand er ein Drängen und ein Gewirr , daß er sein Pferd auf die Seite schieben und sich ruhig im Warten bescheiden mußte . In den Heereszug drängte sich alles , was bisher in Warschau regiert oder mitgesprochen hatte , dieser und jener , der bis daher ein vornehmer Mann gewesen war , trug sein Bündel , sein Kästchen , was er eben zunächst retten wollte ; die ganze letzte Zeit gewann hier das Ansehn eines Mummenschanzes , der plötzlich verboten wird , auf die enge Passage dieser Brücke war mit einem Male alles angewiesen , was bisher agiert hatte . Sieh da , auf einem kleinen Vorsprunge stand Leopold und sah neugierig dem allen zu ; Valerius rief ihn an ; der Kleine bewies sich auch hier wie immer redselig und heiter . » Es ist ein historischer Moment , den muß ich mir betrachten , lieber Alter , sieh , sieh , wie das höchst interessant sich gestaltet hat , ich hab ' mir ' s gedacht , Lieber , es mußte so kommen , eine gestorbene alte Geschichte bleibt eine Leiche , man mag tun , was man will . « Es war ein wunderlich ironischer Eindruck auf Valerius , daß selbst dieser kleine , leichtsinnige Fant sich überlegen fühle , ihn gewissermaßen beschäme oder herausfordere . Er fragte ihn , ob er sich denn nicht retten wolle , daß er hier im dünnen Leibrock mit dem Zuschauen begnügt sei ? » Wovor mich retten ? Ich bin ja kein Revolutionär , bin