zu Herzen genommen . Keinesfalls trägt sie ewige Trauer . Im Gegenteile : diesmal ist sie mit granatrotem Brocat und brillantenem Geschmeide angethan . Sie ist gerade so oberflächlich geblieben , wie sie es in ihrer Jugend war . Toilletenfragen , ein paar französische und englische Moderomane , Gesellschaftsklatsch : das genügt noch immer , ihren Horizont zu füllen . Selbst das Kokettieren hat sie nicht ganz gelassen . Auf junge Leute hat sie es zwar nicht mehr abgesehen , aber ältere , hohen Rang oder hohes Amt bekleidende Persönlichkeiten sind vor ihren Eroberungsgelüsten nicht sicher . Gegenwärtig , scheint mir , hat sie Minister Allerdings aufs Korn genommen . Dieser hat übrigens seinen Namen gewechselt : wir nennen ihn jetzt , eines neu angenommenen Ausdruckes halber » Minister Andererseits . « » Ich muß Dir ein Geständnis machen , « sagte mir Lori , nachdem ich mit ihr auf des Täuflings Gesundheit angestoßen . » Bei dieser feierlichen Gelegenheit , da wir unseren beiderseitigen Enkel getauft haben , muß ich Dir gegenüber mein Gewissen entlasten . Ich war ganz ernstlich in Deinen Mann verliebt . « » Das hast Du mir schon öfters gestanden , liebe Lori . « » Er blieb aber stets ganz gleichgültig . « » Auch das ist mir bekannt . « » Du hattest doch einen goldtreuen Mann , Martha ! Dasselbe kann ich von dem meinigen nicht behaupten . Aber nichtsdestoweniger : es hat mir sehr leid gethan um Griesbach . Nun - er starb eines glorreichen Todes , das ist mein Trost ... Freilich ist das eine langweilige Existenz als Witwe . Besonders , wenn man älter wird ... so lange man Freier und Kourmacher hat , ist die Witwenschaft nicht ohne ... aber jetzt , ich versichere Dich , es wird einem in der Einsamkeit ganz melachonisch ... Bei Dir ist das etwas Anderes : Du lebst bei Deinem Sohn - aber ich verlange mir gar nicht , bei der Beatrix zu bleiben ... Sie verlangt es sich übrigens auch nicht : Schwiegermutter im Haus , das thut nicht gut ; denn man will doch im Hause die Herrin sein ... Zwar ärgert man sich mit den Dienstboten , das ist schon wahr ; aber wenigstens kann man über sie befehlen . Du darfst es mir glauben : ich wäre gar nicht abgeneigt , noch einmal zu heiraten . Natürlich eine Vernunftheirat mit irgend einem gesetzten - « » Minister oder so etwas - « unterbrach ich lächelnd . » O Du Schlau - Du durchblickst mich schon wieder ! Du - schau dorthin : bemerkst Du denn nicht , wie der Toni Delnitzky in Deine Sylvia hineinredet ? Das ist ja kompromettant . « » Laß gut sein . Die Beiden sind auf dem Wege von der Kirche hierher einig geworden . Sylvia hat es mir anvertraut - morgen wird der junge Mann bei mir um ihre Hand anhalten . « » Was Du nicht sagst ? Nun , dann kann man ja gratulieren ! Soll zwar mitunter ein leichter Vogel gewesen sein , der schöne Toni ... aber das sind sie ja Alle - das geht schon nicht anders und wenn man bedenkt , welche prächtige Partie er ist « ... » Das hat meine Sylvia nicht bedacht : sie liebt ihn . « Nun , desto besser - das ist eine schöne Zugabe in die Ehe . « » Zugabe ? Es ist das Um und Auf . « Einer der Gäste , ein k. u. k. Oberst a. D. , klopfte an sein Glas und : » oh weh - ein Toast ! « dachten wohl die meisten , indem sie ihre Sondergespräche unterbrachen und sich seufzend anschickten , dem Redner zu lauschen . Es war aber auch zum seufzen ; dreimal blieb der Unglückliche stecken und die Wahl seiner vorgebrachten Wünsche war nicht minder unglücklich . Der Täufling wurde gepriesen , in einer Zeit geboren worden zu sein , in der das Vaterland bald Söhne brauchen werde ... » Möge er einst ruhmreich wie sein mütterlicher Urgroßvater , wie sein väterlicher Großvater das Schwert führen ... möge er selbst viele Söhne zeugen , die ihrerseits dem Vater und den Vätern Ehre machen , und wie so viele der auf den Feldern der Ehre gebliebenen Väter ... Väter - für die Ehre des Landes ihrer Väter - ihrer Väter und Vatersväter siegen oder - kurz : Friedrich Dotzky lebe hoch ! « Die Gläser klirrten , aber die Rede hatte nicht gezündet . Daß dieses kaum ins Dasein getretene Leben jetzt schon auf die Totenliste kommender Schlachten gesetzt wurde , machte keinen freundlichen Eindruck . Um dieses düstere Bild zu verscheuchen , fühlte sich einer der Anwesenden veranlaßt , die tröstliche Bemerkung vorzubringen , daß die gegenwärtigen Konjunkturen einen längeren Frieden verbürgten , daß der Dreibund - Damit war das allgemeine Gespräch wieder glücklich auf das politische Gebiet gebracht und Minister Andererseits ergriff das Wort . » In der That ( Lori Griesbach hing an seinem Munde ) , es liegt zu Tage : die Wehrtüchtigkeit , welche wir erreicht haben , ist etwas Großartiges und dürfte alle Friedensbrecher abschrecken . Das Landsturmgesetz , welches alle tauglichen Staatsbürger vom 19. bis 42. , die einstigen Offiziere sogar bis zum 60 - Lebensjahre zum Kriegsdienst verpflichtet , erlaubt uns , beim ersten Aufgebot allein 4 800 000 Soldaten aufzustellen . Andererseits läßt sich nicht leugnen , daß das wachsende Mehrerfordernis , welches von der Heeresverwaltung in Anspruch genommen wird , schwer auf der Bevölkerung lastet , und daß die zur ausgiebigen Schlagfertigkeit des Reiches erforderlichen Maßnahmen im umgekehrten Verhältnis zur Frage der Regelung der Finanzlage stehen ; es ist aber andererseits erhebend , mit welchem opferfreudigen Patriotismus die Volksvertreter stets und allerorts die von dem Kriegsministerium geforderte Mehrbelastung bewilligen ; sie erkennen die von allen einsichtigen Politikern zugegebene , durch die Wehrhaftigkeitsentfaltung der Nachbarstaaten und durch die politische Situation bedingte Notwendigkeit , alle anderen Rücksichten dem eisernen Zwang