gewandte und umsichtige Führung der Offiziere selbst , sodann die Leitung des Generalstabs , die allgemeine vortreffliche Ausrüstung der Armee ; endlich der Wille der Vorsehung , die das zu erstrebende Ziel längst vorgesteckt hatte . » Den Zufall giebt die Vorsehung « , bemerkt Marquis Posa , » zum Zwecke « - muß halt der Mensch dabei sein . Und da helfen z.B. im Kriege Unteroffiziere und Offiziere durchaus nichts , falls nicht die angeborene Tüchtigkeit und Energie und Tapferkeit des Soldatenmenschen , des sogenannten » Kerls « , dahinter sitzt . Jeder , der ein wenig mit militairischen Dingen vertraut ist , wird wissen , daß die ewig neu erhobene Behauptung jedes Reservisten : er habe genau die Hälfte seiner drei Jahre rein für Nichts vertrödeln müssen , ja das Alles in weniger als einem Jahr lernen können , - stets belächelnswerth bleibt , da ja interne Kasernenfragen und Commiß-Gewohnheiten gerade die drei Jahre vom Mark und Schweiß des Bürgers bedingen . Mit weniger wird halt die Drehung des regelrechten Zopfes nicht erreicht , der dem ganzen modernen Heerwesen noch immer im Nacken baumelt . Kann man mit einem Jahr Ausbildung einen Gemeinen erzielen , der vor dem Feind seinen Mann steht ? - O pah , dazu braucht ' s nur eines Halbjahrs - wie bei den Einjährig-Freiwilligen , die ja ihr zweites Gefreiter-Halbjahr auch eigentlich nicht brauchten . Im Grunde taugen sogar auch die eben erst Eingezogenen dazu , wenn sie nur von gutem Geist beseelt sind . Aber , mein Verehrtester , was gilt das uns ? Wir wollen nicht gute Vaterlandsvertheidiger , wir wollen Soldaten mit allem Gamaschen-Zubehör . Wir spielen halt gern Soldätles und dazu brauchen wir drei Jahre . Sehr gut . Wer kann einen so rührenden Geschmack anfechten ! Spielt ihr nur fort - aber wie ? Die allgemeine Dienstpflicht ist es , d.h. das Vaterland und Volk ist es , mit dem ihr zu spielen wagt ? » Patriotische Pflichterfüllung « nennt ihr es , wenn dem Vaterlande der ungeheuerste Verlust in national-ökonomischer Hinsicht dadurch erwächst , daß man die besten Kräfte in der schönsten Zeit für Parade-Exercitien vergeudet ? So kauft euch eine Söldner-Armee . Dies aber erinnert an den hessischen Menschenverkauf . Denn nur mit dem , den man gekauft hat , darf man wie mit einem Heloten wirthschaften - freilich thut ' s im bürgerlichen Leben kein anständiger Mensch . Die fortwährend zunehmenden Unteroffizier-Prozesse , welche die monstruösesten Details enthüllen , die Selbstmord-Epidemie unter den Gemeinen , weil sie » die ewige Angst und grausame Behandlung nicht mehr ertragen könnten « , haben denn doch in letzter Zeit nicht nur in gebildeten Kreisen und in der Presse einen Sturm der Entrüstung entfesselt , sondern sogar in Offizierkreisen haben sich die ernstesten Bedenken geäußert , ob dieser Eckpfeiler des Preußenthums , der Unteroffizier , noch länger als eine solche Bestie zu dulden sei . Man hat sogar aus den Garde-Dragonern zwei Wachtmeister , welche es bis 2000 Thaler pro Jahr an Bestechungen brachten ( dort dienen nur die reichsten Freiwilligen ) , endlich ausgestoßen . Aber der dreijährige Missethäter an Leib und Seele des armen Rekruten wird noch lange seinen Unfug treiben und , das leicht erlernbare Pensum eines halben Jahres endlos durch tausend Mätzchen hindehnend , den ohnehin beschränkten Bauern das Lernen redlich erschweren . Bei dem intelligenten Freiwilligen wirkt er freilich nicht direkt verderblich , weil derselbe das Pensum ohnehin in ein paar Wochen übersieht . » Der Rest « seiner Dienstzeit » ist Schweigen « - und zwar in wörtlicher Beziehung , nämlich » Maulhalten « vor ' m Vorgesetzten . Außerdem ganz nutzlose Strapazen erdulden , wohl auch vier Wochen im Lazareth liegen , und zahllose Brutalitäten hinnehmen . Das ist die Ueberfracht von elf Monaten , außer dem einen , der ihn im Kriegsfall als durchgebildeten Soldaten vor den Feind gebracht hätte . Mit einem Worte , der wahre Nutzen der dreijährigen Dienstpflicht besteht in der Ausbildung der Dulderfähigkeit des Menschen . Wer das überstanden , kann Alles überstehn . Der Soldat hat gelernt , wie schwer und sauer das menschliche Leben gemacht werden kann . Das ist schon ein großer Vorzug vom ethischen Standpunkt aus . Und unsere Moralisten des » kategorischen Imperativs « lobpreisen diesen erhabenen Zweck hinter ' m warmen Ofen mit sinnigem Behagen . Aber seltsam ! Der heimkehrende Reservist , der drei kostbare Jahre seines Lebens dem Erlernen dieser spartanischen Moral geopfert hat , zeigt sich in der nächsten Zeit nach seiner Entlassung nicht pflichteifriger , sondern weit arbeitsunlustiger wie früher : Er hat für die Gewerbe des bürgerlichen Lebens , also für seinen Beruf und Unterhalt den Geschmack verloren . Sogar bei den Einjährigen zeigt sich nach übereinstimmenden Aussagen nach ihrem Zurücktritt ins Civil zuerst eine unüberwindliche Arbeitsscheu und Hang zum Bummeln . Ganz auffallend aber ist die durchgängige Verrohung der Sitten , Gewaltthätigkeit und Brutalität in Wort und That , bei dem sonst ruhigen Charakter des Deutschen , welche nach jedem Krieg in der Masse , nach jedem Erfüllen der Dienstpflicht bei den Reservisten hervortrit . Begreiflich ! In welcher moralischen Sphäre hat der Soldat sich so lange bewegt ! Rechtes Arbeiten , d.h. geistiges oder handwerkliches , hat er total verlernt . Dafür ist er gewöhnt , auf lauter Aeußerliches zu achten , und empfindliches Ehrgefühl als gar nicht vorhanden anzusehen , da die pöbelhafte Rohheit in Worten und Thaten seine tägliche Umgangs-Nahrung war . Während der Krieg selbst die männlichsten und hehrsten Gefühle und zugleich alles Bestialische der Menschennatur erweckt , impft der Soldatendienst im Frieden der Seele nur die schändlichsten Empfindungen und Gesinnungen ein : Knechtssinn , mit all seinen Abzweigungen ( allerdings eine würdige Vorbereitung für manche amtliche Abstumpfung des Ehrgefühls ) , Gleichgültigkeit gegen das physische und moralische Kränken des Nebenmenschen , allgemeine Brutalität der Gesinnung . - Verzeihe man diese erneute Betonung des schon früher Gesagten ! Der Vertreter dieser herrlichen Schule echtdeutscher Gesinnung ist eben der Unteroffizier , dieser