aber mit seiner Bitte um Aufnahme als Bruder abgewiesen sei . Ebenso betroffen als mitleidig liebevoll , wie ihm schien , ließ sie ihr Auge auf ihm ruhen , wie von einem innern Lichte sanft erglänzend , und sagte dann mit leiser und doch wohltönender Stimme , ihm sei mehr die Liebe zum Herrn und Erlöser als irdische Liebe vonnöten ; aber er solle nicht verstoßen werden und möge einen oder zwei Tage noch im Gasthause warten . Hierauf grüßte sie ihn mit mildem Ernste und ging ihren Schwestern nach . Schon am nächsten Morgen wurde Albertus von einem der Vorsteher aufgesucht und nochmals abgehört und geprüft . Sei es nun , daß er durch die träumerischsüße Hoffnung , die ihn von neuem erfüllte , ein etwas andächtigeres Aussehen gewonnen oder daß die Mayluftin einen so bedeutenden Einfluß übte er wurde auf Probe zugelassen und der untersten Klasse von Neulingen beigesellt , immerhin in der Meinung , daß er sich nach Verlauf einiger Zeit dem Entscheide des Loses über seine endgültige Aufnahme zu unterwerfen habe , wie denn dieses Mittel in wichtigeren Angelegenheiten bekanntlich angewendet wurde , um dem unmittelbaren Kundgeben des göttlichen Willens Raum zu gestatten . Er mußte nun auf die rechte Art lesen , beten , singen lernen , bescheiden , still und arbeitsam sein und vor allem aus über sein sündhaftes und elendiges Wesen nachdenken ; da er aber von alledem inwendig nichts fühlte und nur an die , wie er glaubte , von ihm geliebte Afra dachte , so wurde ihm die Sache sehr schwierig , und er verriet sich täglich mit barbarischen Blicken und Worten . Die Geliebte bekam er nur von weitem in den gottesdienstlichen Versammlungen zu sehen , wo sie in den Reihen der Unvermählten saß , während er im Chore der ledigen Mannsbilder seufzte . Sie schien ihn aber jedesmal mit den Augen zu suchen und einen Augenblick zu betrachten , ob er noch da sei , immer mit jenem großen Kinderblick , der ihn zum ersten Mal schon so plötzlich gerührt hatte . Dann faßte er stets wieder Mut und fuhr in seinem Werke der Heiligwerdung fort . Es gelang aber so kümmerlich , daß nach Verfluß einiger Monate , bevor man weitere Mühen an ihn verschwenden wollte , das Befragen des göttlichen Orakels wirklich angeordnet wurde . In feierlicher Versammlung , in welcher eine kleine Zahl ähnlicher Fälle entschieden werden sollte , beim Schimmer geheimnisvoller Kerzen , kniete er abgesondert auf dem Boden , während Gebet und Gesang den Raum erfüllte , bis er an die Urne geführt wurde und in tiefer Stille sein Los zog . Dasselbe war ihm günstig und entschied für seinen Eintritt in eine etwas vorgerücktere Prüfungsklasse . Als er jetzt wieder in den Reihen der Genossen saß , war er so erschüttert , daß er das Singen und Beten versäumte , welches abermals begann , da nun ein angesehener und vielgereister Missionär an der Stelle kniete , welche Albertus Zwiehan vorhin innegehabt . Bei diesem Missionär handelte es sich darum , ob er eine afrikanische Station mit höchst ungesundem Klima übernehmen dürfe , wie er durchaus begehrte , oder ob er sich mit einer gesünderen Luft begnügen solle , wie die Gemeinde seiner etwas erschöpften Kräfte wegen verlangte . Das Orakel entsprach seinem Begehren , worauf er an den alten Ort zurückkehrte und abermals hinkniete ; die Gesänge erschallten von neuem , und Albertus Zwiehan , der sich inzwischen etwas gesammelt , benutzte die wachsende Begeisterung , um den Anblick der Afra Zigonia Mayluft aufzusuchen , die er noch nicht gesehen . Er fand sie nicht an ihrem gewohnten Platze , weil sie still an der Seite des Sendboten kniete , wo das herumschweifende Auge Alberts sie unversehens entdeckte . Denn bei ihr handelte es sich darum , ob es im Willen der Vorsehung liege , daß sie jenem als Ehefrau in die heiße und rauhe Wüste hinaus folgen solle oder ob ihre Person nicht vielmehr zu fein und zart , zu innerlich und vornehm hiefür beschaffen sei . Aber auch ihre Wünsche erfüllte das Los , als sie zur Urne geführt wurde , und wie sie nun mit dem Erwählten Hand in Hand zur sofortigen Verlobung schwebte , leuchteten ihre sonst so ruhigen Augen beinah um ein weniges zu warm und zu hell für eine irdische Angelegenheit . Mit offenem Munde und totenbleich saß Albertus , und nur seine Unfähigkeit , auch nur aufzuatmen oder zu seufzen , verhinderte , daß er eine Aufmerksamkeit erregte . Nachdem alles vorüber , schlich er lautlos auf sein Lager und brachte eine schreckliche Nacht zu ; seine ungeschulte , unwissende Selbstsucht würgte ihm wie eine ringelnde Schlange fast das Herz ab ; dazwischen sah er immer die Afra mit dem Missionär an der Hand davonschweben das war also das Licht , welches sie in jenem trügerischen Traume in der Hand getragen hatte ! Ganz abgemattet und niedergeschlagen kam er andern Tages zum Vorschein , so daß er als zum Durchbruche reif erachtet wurde . Um ihn in eine erfrischende Bewegung und Tätigkeit zu versetzen , wurde er zum dienenden Gehilfen eines andern Missionsbeamten bestimmt , welcher auf dem Punkte war , die Niederlassungen in Grönland , Labrador und der Kalmückei zu bereisen . Ohne jeglichen Widerstand ließ er sich dazu vorbereiten und fuhr mit seinem geistlichen Seelenmeister davon , ohne daß er die Afra wieder zu sehen bekommen hätte . Nur ein schön gebundenes kleines , dickes Büchlein hatte sie ihm zum Andenken gesendet ; es enthielt für jeden Tag im Jahr einen Spruch oder ein Gedicht , und überdies war ein Stäbchen von Elfenbein zum prophetischen Zwischenstechen daran befestigt . Mit dem Büchlein in der Hand saß er einige Monate später eines Tages an einem grönländischen Seestrande in der Nähe von St. Jan ; schwächlicher Sonnenschein beleuchtete die Gewässer , aus denen hie und da ein Seehund emportauchte . In dieser schläfrigen Lage stach er von ungefähr in das Buch ; denn er war von