unbestimmte Sehnsucht ihres reinen Herzens .... Sie nennen ihr Herz rein ? Und ich selbst , ich selbst , Caplan , unterbrach ihn der Baron , habe von ihrem Munde , ohne all mein Zuthun , ja , fast ohne meine Frage , hören müssen - er trat an den Geistlichen heran und sagte leise , seinen Zorn gewaltsam niederkämpfend - daß sie diesen Herbert liebe , daß sie ihn geliebt habe , seit er in mein Haus getreten , daß Herbert und Sie und die Herzogin und wer sonst noch diese schmähliche Verirrung kennen ! - Und das nennen Sie reines Herzens sein ? Das nennen Sie schuldlos und ohne Makel sein ? - Sie sind sehr nachsichtig , mein Freund ! Ihre Moral ist wenigstens nicht unerbittlich ! Er ging heftig im Zimmer umher . Des Caplans Miene wurde immer sanfter , sein Ton noch milder . Es war nicht der junge Mann , auf den ich hinwies , sagte er , als ich die Ueberzeugung aussprach , es wäre diesem Hause besser gewesen , wäre kein Fremder zwischen Sie und Ihre Frau getreten , es war die Frau Herzogin , an die ich dabei dachte ! Der Baron blieb vor ihm stehen . Die Frau Herzogin ? wiederholte er . Sehen Sie , wie Ihre Voreingenommenheiten Sie bis zur Ungerechtigkeit verblenden ! Die Herzogin ist es gewesen , die mir Nachsicht mit der Baronin anempfohlen , die .... Die die Frau Baronin gelehrt hat , nahm der Caplan das Wort , Nachsicht mit der flüchtigen Aufwallung ihres Herzens zu haben , als jene den ersten Kampf mit einer augenblicklichen Verirrung ihrer Phantasie mit Strenge gegen sich selbst zu kämpfen dachte . O , mein verehrter Freund , rief der Geistliche , indem er sich erhob und an den Freiherrn herantrat , nur dieses Eine Mal hören Sie mich , mich allein , und glauben Sie mir ! - Ich bin ein einsamer Mann . Kein Band der Blutsverwandtschaft , kein persönliches Verlangen , kein Ehrgeiz , kein Begehren knüpft mich an die Welt ! Mein Wünschen habe ich früh begraben . All mein Wollen und Hoffen hatte ich an Ihr Haus geknüpft , und es gab eine Zeit , in welcher ich mit froher Zuversicht auf dessen Gedeihen und Bestehen blicken konnte , denn diejenigen , die es trugen und stützten , hatten sich in Liebe vereinigt und standen fest zusammen . Jetzt , wo der Geist einer wilden , neuen Zeit überall drohend seine Hand gegen das Bestehende erhebt , wo die alten Geschlechter durch Würde und Selbstvollendung das andringende neue Geschlecht mit sich versöhnen , wo ihr innerer Adel es darthun müßte , daß sie die Vorzüge verdienen , welche man ihnen mißgönnt und streitig macht , jetzt , wo das ganze Leben des deutschen Adels darauf hin gerichtet sein müßte , es darzuthun , wie er nichts gemein hat mit jener französischen Adelskaste , deren Sittenlosigkeit und Hochmuth sie ihrem Volke mit Recht verächtlich gemacht haben , und wo das Bestreben aller Wohlmeinenden das Band zu erhalten trachten sollte , das die alten eingeborenen Familien mit dem Bürgerstande und den Insassen der Güter verbindet , jetzt muß ich hier von allem dem das Gegentheil erfolgen sehen , und es ist Niemand da , Niemand außer mir allein , der Ihnen zuruft : halten Sie ein , versöhnen Sie , stellen Sie her um jeden Preis - da es noch Zeit ist ! Des Freiherrn Aufregung hatte einem tiefen Nachdenken Platz gemacht . Er ging gesenkten Hauptes , die Hände auf den Rücken gelegt , mit langsamem Schritte in dem großen Zimmer auf und nieder . Dieses Nachdenken ermuthigte den Geistlichen . Denken Sie des Abends , sprach er , da Sie mir hier an derselben Stelle den Schmuck zeigten , den Sie der Frau Baronin zur Morgengabe bestimmten . Es ist Sitte unter uns , daß für jede neue Baronin von Arten der Schmuck vergrößert werde ! sagten Sie mir damals , und ich dachte in meinem Innern : das ist in der Ordnung , sind doch auch das Ansehen und die Liebe , welche das Geschlecht derer von Arten hier im Lande genießt , von Geschlecht zu Geschlecht gewachsen ! - Und mit welchem Zutrauen , mit welcher Liebe empfing man Sie und die Frau Baronin hier bei Ihrem ersten Kommen ! Keinem Königspaare wurde mehr verehrende Neigung entgegen gebracht - keine Frau der Welt war mehr geeignet , mehr gewillt , diese Liebe zu verdienen - bis .... Er hielt inne und zuckte die Schultern . Sprechen Sie es aus , rief der Freiherr , da ich ja doch weiß , was Sie denken ! Aber der Caplan gab dieser Aufforderung nicht Folge . Er wußte , daß nicht immer der nächste Weg der beste ist , und sich vorläufig von dem Gegenstande , der ihn hieher geführt , anscheinend zurückziehend , sprach er : Ich habe Sie oftmals und mit Recht über jenes Verlangen nach Neuerungen klagen hören , das jetzt in den Geistern rege ist . Sie aber , Herr Baron , befinden sich ja in der glücklichen Lage , daß man von Ihnen nur die Erhaltung der früheren Zustände begehrt . Es ist gut , daß ein mir unbekannter Anlaß den Herrn Marquis entfernte , die Leute freuen sich darüber und wären gern bereit , es als eine ihnen gewährte Gunst zu betrachten , wenn Sie daneben nur den Amtmann in seiner Stelle lassen wollten . Die Steinerts gehören für die Vorstellung der Leute hier zum Grund und Boden . Es ist ihnen also , als ob der Boden unter ihnen wanke , seit es heißt , daß Steinert fort soll , und da im Laufe der Jahre im Schlosse einige der Domestiken durch Franzosen ersetzt worden sind , so fürchten die Leute .... Die Leute und immer die Leute , fuhr der Freiherr auf , das ist ' s ja eben ! Was kümmert es die Leute ,