aus der Tiefe kommen , das Land fruchtbar zu machen , so wird der Acker der Menschheit ewig aus der Tiefe erfrischt . O Vater , der Mensch hat doch nichts Besseres als dies schmerzliche Streben nach oben ! Ohne es bleibt er immerdar Erde , von Erde genommen , in ihm und durch es richtet er sich aus aller Leibeigenschaft des Staubes auf , in ihm reicht er , wie wenig es auch sei , was er erlange , allen himmlischen Mächten die Hand ; in ihm steht er auf der winzigsten Scholle , in dem engsten Kreise als Herrscher des unendlichsten Gebietes da , als Herrscher seiner selbst . Auch der Zweifel ist ja Gewinn in seinem Leben , und der Schmerz ist so edel - oft edler als das Glück , die Freude . Vater , ich bin meinen Weg in Unruhe gegangen ; aber ich habe die Wahrheit gefunden : ich habe gelernt , das Nichtige von dem Echten , den Schein von der Wirklichkeit zu unterscheiden . Ich fürchte mich nicht mehr vor den Dingen , denn die Liebe steht mir zur Seite ; - Vater , segne deinen Sohn für seinen künftigen Weg und bitte für ihn , daß der Hunger , der ihn bis hierher geleitet hat , ihn nicht verlasse , solange er lebt . « Mit allen seinen Gestorbenen Verkehrte Hans an diesem dunkeln Christmorgen , ehe die Dämmerung kam . Sie schritten im langen Zuge vorüber , und er dankte jedem für das , was er von ihm als Mitgabe für den Lebensweg erhalten hatte . Daß die Mutter , die kleine Sophie , der Armenlehrer Karl Silberlöffel , die Base Schlotterbeck und der Oheim Nikolaus Grünebaum vorübergingen und ihm lächelnd zunickten , das war kein Wunder ; aber es war fast ein Wunder , wie viele andere Leute aus dem Dunkel hervortraten , um ihr Teil an seinem Werden und Wachsen in Anspruch zu nehmen . Es war ein Wunder , an wie vielen Stätten die Geschichte seiner Bildung haftete , wie weit zurück oft der Ausgangspunkt jeder Seelenregung lag . Erst in diesen Augenblicken sah Hans so recht ein , wie reich sein bisheriges Leben gewesen war , welchen Reichtum er aus der versunkenen Welt seiner Jugend , aus der mit der Base Schlotterbeck und dem Oheim versunkenen Welt von Neustadt , aus der versunkenen Welt seiner Wanderjahre mit hinübernahm in das neue Leben zu Grunzenow an der Ostsee . Immer neue , immer wechselnde Bilder und Gestalten zogen vorüber und stiegen herauf , als die Kirchenglocke von Grunzenow anfing zu läuten . Die Glocke von Grunzenow , der neuen Heimat ! Die Glocke der Weihnachtskirche ! Aufrecht saß Hans Unwirrsch auf seinem Lager und horchte ; - sein Herz klopfte , und alle Pulse schlugen ! Nach Herz und Hirn drängte sich alles Blut - - - o Fränzchen , Fränzchen ! Alle Kindheitsgefühle waren in der Brust des Mannes wach geworden . Ehe er die Treppe hinabstieg , kniete er nieder und barg minutenlang stumm das Gesicht in den Händen ; er hörte es nicht , daß die Tür hinter ihm sich öffnete . In seinem schwanen Predigerrock trat der alte Josias in die Kammer und setzte leise das Licht , das er trug , neben die Lampe des Kandidaten . Regungslos stand er , solange die kleine Glocke läutete , solange Johannes Unwirrsch neben seinem Bette kniete . Als die Glocke schwieg und der junge Hausgenosse das Haupt wieder erhob , legte er ihm die Hand auf die Schulter und sagte gerührt , indem er sich zu ihm niederbeugte : » Es ist ein glückliches Zeichen , unter solchem Geläut zu neuer Arbeit , neuen Sorgen , neuem Leben zu erwachen . Mein lieber , lieber Sohn , sei mir willkommen in diesem armen und doch so reichen , diesem so begrenzten und doch so grenzenlosen Wirkungskreise . Gott gebe dir Kraft und Segen an diesem Strand , unter diesen Hütten , unter diesem Dache . Gott behüte dich in deinem Glücke und segne dich im Leid ! « Zum zweitenmal läutete die Glocke , als Hans an der Seite des greisen Pfarrherrn die Stufen emporstieg , die hinter dem Pastorenhaus auf den Kirchhof des Dorfes führten . Quer über den Kirchhof ging der Weg zur Kirche , und zwischen den weißen Gräbern und den schwarzen Kreuzen , welche auch alle Schneehauben trugen , blieben die beiden geistlichen Herren stehen , um auf das Dorf zurückzuschauen . Das Meer rauschte in der Finsternis , aber im Dorf war fast jedes Fenster erleuchtet , und ein reges Leben herrschte auf dem Kirchwege . Aus seinen Hütten stieg das Volk der Fischerleute zu seiner Kirche empor - Greise , Männer , Weiber , Kinder ! Sie kamen mit Laternen und Lichtern , und wenn die Erwachsenen , die Älteren im Vorüberschreiten mit vertraulicher Ehrerbietung ihren Pfarrherrn grüßten , so kam fast jedes Kind zu ihm heran , um ihm die Hand zu geben ; er aber kannte sie alle bei ihrem Namen , kannte ihre kleine , kurze Lebensgeschichte und hatte fast für jedes ein anderes Liebkosungswort . Von Zeit zu Zeit zögerte einer der Erwachsenen auf dem Wege oder wandte sich seitwärts , um seine Laterne niederzusetzen und sich über eins der verschneiten Gräber zu beugen ; dann war der Pfarrherr von Grunzenow an der Seite der Trauernden und sprach ihnen leise zu , und die Sterne lächelten am schwarzen Winterhimmel , und es war , als ob das Meer sanfter rausche . Zum drittenmal zog der Küster von Grunzenow den Glockenstrang , als wieder eine größere Gruppe in die Kirchhofspforte trat , und Grips war ' s , der hier die Laterne vortrug . Ritterlich führte der Oberst von Bullau das Fränzchen an der Spitze seiner Hofleute und sagte , als Hans Unwirrsch vor ihm stand und Grips seine Laterne erhob , um die Begrüßung zu beleuchten : » Also pflegt der Mensch auszusehen ,