, Judith ? Moyses , Solon , Confutse , Christus , Zoroaster , Muhamed - haben wir glücklich überwunden ! Wir laborieren für den Augenblick ein wenig an Fourier , Proudhon und Brigham Young ; aber das alles liegt doch schon in den letzten Zügen und nicht lange währt ' s , so herrscht in der fortschreitenden menschlichen Gesellschaft die absolute Subjektivität . Jeder sitzt auf dem Thron , den er sich selbst baut - trägt eine Krone , die er sich selbst flicht - empfängt den Kultus , den er sich selbst darbringt - lebt nach den Gelüsten seines Herzens , die natürlich ebenso erhaben sind , wie dies Herz es ist - und nebenbei wird Italien glückselig und Rom der Mittelpunkt der modernen Götterherrschaft . « » Diese und ähnliche Hochgefühle schwellten meine Brust , und im stolzen Bewußtsein meiner Würde und meiner Weisheit wanderte ich , wie ein verkappter Göttersohn , zwischen den armseligen und einfältigen Menschenkindern umher , die sich zu meinem Fortschritt nicht erschwangen und die sich wie eine Völkerwanderung über Einsiedeln ausgossen . In den verschiedensten Trachten , hier ländlich , da städtisch , dort national eigentümlich , wogten tausend Gruppen , in besonderer Färbung und geschiedener Originalität , zu einer Masse verschmolzen , durch die Gassen dem großen freien Platz zu , wo sie sich sonderten und trennten , am Springbrunnen tranken , die Kaufläden besichtigten , am Bergesabhang sich lagerten oder die breiten Stufen zum Portal der Kirche hinanstiegen . Da waren Leute aus allen katholischen Kantonen und aus allen Nachbarländern der Schweiz : aus Oberbayern , Schwaben und dem badischen Oberland ; aus dem Elsaß und dem fernen Lothringen ; aus Deutschland und Welschtirol . Da hört man italienisch , französisch , deutsch , romanisch in den verschiedensten Mundarten reden , und da sah man Gesichter und Trachten , die eine ebenso große Verschiedenheit der Sitten , der Gewohnheiten , der Lebensverhältnisse andeuteten . War es nicht sehr seltsam , daß so viel tausend Menschen aus allen Weltgegenden , von einem und demselben Gedanken bewogen , sich hier zusammenfanden in aller Stille , Ruhe und Ordnung ! und was war es für ein Gedanke ? wollten sie einen Karnevalszug sehen , - oder ein Pferderennen - oder die Eröffnung einer Eisenbahn - oder den Einzug einer Prinzessin ? wollten sie Gold graben , wie in Kalifornien , oder Diamanten suchen , wie in Peru ? - Ach nein ! sie wollten hier beten . Keiner störte den anderen , keiner beeinträchtigte den anderen ; keiner beobachtete den anderen ; jeder war wie versunken in seine innere Welt , und alle waren in vollkommener Eintracht in der äußeren . Signora , ich muß gestehen , diese idealische Geistesverbrüderung frappierte mich ungemein , besonders weil sich mir gewisse patriotische Feste in ' s Gedächtnis drängten . die wir vor sechs , acht Jahren in Rom feierten , und weil diese Zusammenstellung nicht zum Vorteil unserer Bacchanalien war . Nun warf ich mich , um gegen alle milde Eindrücke hieb- und schußfest zu sein - in die Frechheit . Das hab ' ich schon oft mit Glück getan . Ich ging umher , Händ ' in den Taschen , Cigarre im Munde , Lorgnon in der Augenhöhle - und sah mir die Leute an . Es waren wirklich kräftige Männer dabei . frische Burschen , hübsche junge Mädchen , - keineswegs lauter Krüppel , Greise und alte Hexen . Aber bei den jungen Mädchen dachte ich : Ah , ihr wollt hier um einen Ehegatten bitten ; und bei den Jünglingen : und ihr um die Gunst eurer Liebsten ; und bei den Männern : und ihr um das große Los , oder um den Tod eures verblühten Weibes ; und Tagediebe seid ihr alle miteinander . Traf ich aber auf ein altes Weiblein oder einen müden Greis , die erschöpft von der Wallfahrt hastig und zerstreut einige Gebete murmelten , dann dacht ' ich frohlockend : Ihr seid der echte und rechte Wallfahrertroß ! Euch grinst der Tod an ; da erschreckt ihr und nennt die Freuden eurer Jugend - Sünden . Und eure Feigheit läßt sich ' s weiß machen , daß ihr eurem Gott ein X für ein U machen und aus Sündern - Heilige werden könnt , wenn ihr gerade hier auf dieser Stätte fünfhundert Ave Maria murmelt . Ja , ja , ihr seid mir die Rechten . euch kennt man ! In Gedanken von solcher Stupidität , solcher Bosheit und solcher Gemeinheit erging ich mich con amore . Endlich begab ich mich in die Kirche , die nach einer Feuersbrunst im vorigen Jahrhundert im reichsten , ornamentiertesten , italienischen Stil , mit einer Fülle von Gemälden , Statuen und Fresken gebaut und geschmückt ist . Meißel und Pinsel stellen durch Marmor und Farben die Geschichte der Menschheit in jenen großartigen Umrissen dar , welche aus dem Alten und dem Neuen Bunde geschöpft werden , und an den majestätischen Gewölben rollen sich die Geheimnisse des Christentums und das Leben des Gottessohnes von Bethlehem bis Kalvaria , dem himmelwärts gewendeten Blick auf . Unfern vom Eingang , mitten im Hauptschiff , steht eine kleine offene Kapelle , deren Kuppel von schwarzen Marmorsäulen getragen wird . Unter der Kuppel steht über dem Altar eine schwärzliche Mutter-Gottesstatue mit dem Jesukinde . Goldene Strahlen bilden ihr den Hintergrund und vor ihr schwebt eine Lampe mit dem ewigen Licht . Mit meinem Lorgnon im Auge gaffte ich alles an , und zum Glück durfte ich mir , als Künstler , erlauben , diese ganze Schöpfung der christlichen Kunst zu bewundern . Daß sie ein Sprößling des christlichen Glaubens sei , ließ ich bei Seite . Es waren viele Leute in der Kirche , aber es herrschte eine lautlose Stille . Die Meisten knieten um die Mutter Gottes-Kapelle herum , denn die kleine Statuette ist St. Meinard ' s uraltes Gnadenbild , und der Altar , über dem sie sich erhebt , ist derjenige ,