, daß man sich nicht versündige , sei man reich oder sei man arm , die Reichen nicht an den Armen , die Armen nicht an den Reichen . Nein wäger , versündigen will ich mich nicht ! Wenn Christen das sehen würde ! Doch Christen ist gut und bsungerbar in der letzten Zeit , aber wenn er das Elend sehen könnte und die Kinder , er würde mir noch manches verzeihen und begreifen , wies mir ist , wenn mir jemand was bettelt . Ih mueß gä , i Gottsname . Was weiß man , wie die Leute zweg sind , denke man doch an dieses Elend ! Christen braucht das nicht zu sehen , er hat ein gutes Herz , aber Andere sollten es sehen , es gibt deren , die bodenbös sind , und wenn sie einen armen Menschen ausdrücken , das Blut ihm aussaugen könnten , sie sparten es nicht , die wüeste Hüng , Gott vrzieh mr my Süng . Aber eine jede Frau und ein jeder Mann sollte wissen , wie es einem gehen kann in der Welt , und sollte sehen , was Elend ist . Es klagt so Mancher , ist nie zufrieden und weiß nicht , was bös ha ist , sinnet nit , wie gut ers hat , und versündiget sich schröcklig mit Neid und Klage . Oh , wenn man gsund in ein warm Bett schlüpft und dKindli alli deckt sind und öppe ihr Sächli haben , wie sollte man da glücklich sein und Gott loben und preisen . So sinnete Änneli in selber Nacht , und keinen Preis der Welt hätte es genommen , daß es diese Nacht nicht erlebt hätte . Wenn so ein Tag fürgang wie der andere und man nicht aus seinem Hause komme und immer das Gleiche sehe , so wisse man nicht , was das Leben sei , und die Gedanken würden so kurz , daß sie an nichts dächten als an sich und die eigenen Sachen , und daß man nicht begreife wie es anderwärts anders gehe als um ein herum , und es einem auch anders gehen könnte . Denn das Unglück , welches hier sei , könnte ja so leicht auch zu ihnen kommen ein oder zwei lange Schritte , so wäre es bei ihnen , und wie sie das angreifen müßte , wenn es so ungsinnet daherkäme , dachte es bei sich , und wie eben deswegen so viele Leute hart und gleichgültig werden , weil sie nicht sehen , wie es Andere hätten , und so verzagt und fast gottlos im Unglück , weil sie den Wechsel vergessen hätten und wie über Nacht der Herr die Prüfung senden könne , und nicht nur in eine Bettlerhütte , sondern ins vornehmste Herren- oder Bauernhaus . So verging Änneli rasch die Nacht , an ihm war sie gesegnet , aber auch an den Kranken , und friedlichen Schlaf und freundliche Gesichter sah der Morgenstern , als er durch die Fenster blickte . Mit dem Morgen kamen andere Leute , kam Christen selbst daher mit finsterem Gesichte , aber dem Nötigen . Änneli kannte das Gesicht , Christen mußte das Roß anbinden , mußte ins Stübchen kommen , mußte das Elend und die Not ansehen , mußte die Kinder sehen , wie sie so erbärmlich aussahen . Aber Christen machte deswegen kein freundlicher Gesicht , es düechte ihn , das hätte alles so sein können , ohne daß deretwegen seine Frau eine Nacht hier zu sein gebraucht , deretwegen sei die Sache doch so , wie sie sei . » Komm du jetzt « , sprach er . » Willst du fort ? « , sprach das kleine Mädchen , » nein , Gotte , bleib , du hast es ja vrsproche « , und hing sich an Ännelis Hals und ließ sich fast nicht begütigen mit allerlei Versprechen , und die andern Kinder , wenn sie auch nicht viel sagten , so sah man doch , wie hart es ihnen ging , daß die gute Frau , die so viel Erbarmen und freundliche Worte hatte , fortwollte . Die Mutter aber weinte und konnte wenig sagen , als daß der Vater im Himmel es ihr vergelten möchte ; e selligi Frau gebe es nicht mehr auf der Welt , und in Zeit und Ewigkeit wolle sie diese Nacht nie vergessen , es sei gerade gewesen , als ob ein Engel dawäre und ihnen wachete . Als Christen das hörte , zogen sich die Wolken fort von seinem Gesichte , er begriff erst , was Änneli getan ; sein Herz ward weich , das Erbarmen kam , er ward freundlich , sagte , wenn schon die Frau heimkomme , deswegen sollten sie nicht vergessen sein , aber sie alte afe und mög nümme alles erlyde . Sie sollten nicht Kummer haben , es werde schon bessere , und wenn sie wieder gesund wären , so sölle si de öppe cho , mi well de luege , was me tue chönn . Das war von Christen viel , der sonst derlei Dinge seiner Frau überließ , und was ihm die Frau auf dem Heimwege erzählte , rührte ihn noch mehr . Man wisse nicht , wie man es hätte , sagte er , aber vrwundere tue es ihn , daß sövli Not da zmitts unter ihnen sein könne . Öppe am wüsteste sei man doch hier gegen die armen Leute nicht , und doch könne es solche Falle geben . Aber man sinn nit dra , öppe selber z ' luege , u wil so Viel zum Hus chöme , su mein me , wer öppis mangli , der lauf selber nache . Es war ein kühler Herbstmorgen , als sie heimfuhren , ein scharfer Nordwind strich ihnen entgegen ; es fröstelte Änneli , als sie heimkamen , es hatte warm gehabt und sich nicht wärmer angezogen , als es aufs Wägeli saß . Daran hatte niemand gedacht , und weit war