Gottesdienst zu mir ? « » Gar gerne , wenn Ihr es begehret « , sagte Uli , » aber wir versäumen Euch an Eurer Arbeit . « » Es versäumt mich niemand « , sagte der Pfarrer , » denn das ist nicht nur mein Amt , sondern auch meine Freude , bei ernsten Anlässen ein ernstes Wort zu Herzen zu reden , wo ich auf einen Boden hoffen darf , der Früchte trägt . Was bei solchen Anlässen der Herr redet , das wird nicht so bald vergessen . « Unterdessen hatte Vreneli die Finkenschuhe ausgezogen , die rechte Kappe aufgesetzt , und mit eigenen Händen hatte die Wirtin ihm das Kränzchen aufgeheftet . Das sei eins auf die Langenthaler Mode , sagte sie . » Sei es nun eins auf welche Mode es wolle , so steht es dir wohl an « , fuhr sie fort . » Aber wenn sie mir daherkommen mit einem Ranzen , der beim Fenster ist , wenn der Kopf erst zur Türe hinein kömmt , und ich soll ihnen dann noch das Kränzchen auf heften , dann kömmt es mir in alle Finger und ich möchte sie lieber bei den Züpfen nehmen und sie verflümert haaren , als ihnen ein Kränzchen aufheften . Es ist eine bluetige Schand , daß eine jede Hure mit einem Kränzchen daherkömmt und damit im Lande herumfährt , und über den Fußsack heraus hängt ihr der Ranzen bis ihrer Mähre aufs Kreuz . Sellige sollten die Kränzchen verboten werden , es ist ja nur das Gespött damit getrieben . Aber es heißt , die Gnädigen Herren frügen dem nicht viel nach und hätten selbst die Ranzen lieber als die Kränzchen . Ich weiß das nicht , ich bin , seit die Östreicher gekommen , nie in Bern gewesen , aber man sagt es so . Ob es ist , weiß ich nicht , frage auch nicht viel darnach , was gehen mich die Herren an ! Es ist mir zwider , wenn einer zu uns kömmt . Sie sind so hochmütig , daß sie einem nicht einmal antworten mögen , wenn man ihnen Gottwilchen sagt ; und wenn man ihnen die Hand längen will , so mögen sie einem die ihre nicht geben , so ziehen sie nicht einmal die Handschuhe aus und habest noch Furcht , man bschyße die . « Es begann zu läuten , und laut begann Vrenelis Herz zu klopfen , es schwamm ihm ordentlich vor den Augen . Die Wirtin brachte ihm Hoffmannstropfen , rieb ihm mit etwas die Schläfe und sagte : » Du mußt das nicht so schwer nehmen , Meitschi , wir müssen alle da durch . Aber geht jetzt in Gottes Namen , der Herr wartet an einem Freitag nicht lange , er ist gar e Ängstige . « Uli faßte sein Vreneli bei der Hand und wanderte mit ihm der Kirche zu ; feierlich tönten die feierlichen Klänge im Herzen wieder , denn der Siegrist läutete ordentlich die Glocken , daß sie an beiden Orten anschlugen , und sucht wie wenn sie lahm wären , nur bald all diesem , bald an jenem Orte . Wie sie auf den Kirchhof kamen , schaufelte eben der Totenmann an einem Grabe , und stille wars um ihn : kein Schaf , keine Ziege kam und verrichtete ihre Notdurft in des Menschen letzte Ruhestätte , denn da war der Kirchhof kein Weideplatz für ungeistliche Tiere . Es ergriff Vreneli plötzlich eine unwiderstehliche Wehmut . Der ehrwürdige Anblick der Gräber , das Schaufeln eines Grabes wecken düstere Gedanken . » Das bedeutet nichts Gutes , « flüsterte es , » einem von uns schaufelt man sein Grab . « Vor der Kirche stunden Gevatterleute , eine Gotte mit einem Kinde auf dem Arme . » Das bedeutet einem von uns eine Kindbett « , flüsterte Uli , um Vreneli zu trösten . » Ja , daß ich in einer solchen sterbe , « antwortete es , » daß ich aus meinem Glück weg muß ins kalte Grab . « » Denk doch , « sagte Uli , » daß der liebe Gott ja alles macht und daß wir nicht abergläubisch , sondern gläubig sein sollen . Daß einmal unser Grab geschaufelt werden wird , ist gewiß , aber daß das Grabgraben Sterben bedeute denen , die dazukommen , habe ich noch nie gehört . Denke doch , wie Viele ein Grab graben sehen ; wenn es die alle nachzöge , denk auch , wie groß der Sterbet sein müßte . « » Ach , verzeih mir , « sagte Vreneli , » aber je wichtiger ein Gang ist , um so ängstlicher wird die arme Seele und möchte gar zu gerne wissen , wie es zu Ende geht , und nimmt daher jede Bewegung als ein Zeichen auf , ein gutes oder ein böses ; weißt du , was du von den Tauben sagtest , als wir ins Dorf fuhren ? « Da drückte Uli seiner Braut die Hand und sagte ihr : » Du hast recht ; laß du uns unser Vertrauen auf Gott stellen und nicht kummern . Was er uns tun , nehmen oder geben wird , das ist wohl getan . « Sie traten in die Kirche , leise , zagend , teilten sich zur Linken und zur Rechten , sahen ein Kindlein aufnehmen in den Bund des Herrn , dachten , wie schön es doch sei , so ein zart und hinfällig Kind der besondern Obhut seines Heilands mit Leib und Seele anempfehlen zu dürfen , und wie eine große Last es von der Eltern Brust wälzen müsse , wenn sie in der Taufe das Bewußtsein erhielten , der Herr wolle mit ihnen sein und mit seinem Geiste sie das Kind nähren lassen , wie die Mutter es sättige mit ihrer Milch . Sie beteten recht andächtig mit und dachten , wie ernsthaft sie es nehmen wollten , wenn sie als Taufzeugen es geloben müßten