- Ich hab mir oft gedacht , wenn ich Feldherr wär und von meiner Gegenwart des Geistes alles abhing , daß ich alles verantworten müßt , ob ich da nicht zwischen Begeistrung und Furcht schwanken würde ; aber wenn ich Euch an der Seite hätt , dann wollt ich meiner Entschlossenheit gewiß sein . « - » Warum ? - Trauen Sie mir so viel Mut zu ? - Hab ich ihn doch noch nie bewiesen , und vielleicht noch nicht Gelegenheit gehabt , ihn zu proben , denn des Juden Weg ist , sich zwischen Dorn und Disteln durchzuschleichen , mit denen der Christ ihm die Straßen verhackt , und er muß sich scheuen , daß die Hunde wach werden , die in die Dornen hinein ihn verfolgen , daß er nicht mehr vor- noch rückwärts weiß und oft im Schweiß seiner Mühen zugrunde geht , und was noch trauriger ist , - seinen Gott nicht mehr im eignen Herzen findet , « - und er faltete seine Hände und verfärbte sich - er ist eine feinorganisierte Seele - , es bewegte mich , ich sagte : » Ich hab nicht an Euren Mut dabei gedacht , aber mir deucht , in Euer Antlitz zu sehen , das würde meine zerstreuten Gedanken sammeln und meine Entschlossenheit festmachen wie einen Pfeiler , denn ich würde nie vor Euch beschämt stehen wollen ; und dann fühl ich , daß Ihr in der Gefahr wachsen würdet , denn Ihr würdet gewaltig sein , wo es des Geistes bedürfte , weil böse Leidenschaften in Euch abwesend sind und Euren Geist nicht hindern , gegenwärtig zu sein , denn ich glaub , Gegenwart des Geistes hat man nur der Abwesenheit der Leidenschaften zu danken , die einem ins Handwerk pfuschen . Aber Ihr seid vollkommen ruhig und habt doch Euren Zweck im Auge und steht über den Vorurteilen des Lebens und habt Jahre und seid so fest , so ernst , so gar nicht ermüdet von den strengen Prüfungen , Ihr klagt nicht , Euch ist das Leben gerecht , wie es Gott Euch gab ; das ist Weisheit , mein ich . « - » Und doch ist der Ephraim nur ein Handelsjude , « sagte er . - » Ja , aber Ihr habt Euer Leben zum Tempel gemacht und seid Hoherpriester darin . « - Das Gespräch führte noch weiter und endlich dahin - was ich mir für Dich aufschrieb : - » Daß der Leib in sich begeistigt ist - einen Geist in sich habe , erkennen wir darin , daß er sich geheiligt empfindet im Denken . - Ein Denkender , ein geistig Erregter hat einen geheiligten Leib . « Dies war das letzte von unserem Gespräch , was dazwischen lag , weiß ich nicht mehr ; - aber auf dem Turm , in der kalten Winternacht plauderten die Sterne weiter mit mir : » In der Liebe ist das erste , was wir weihen , der Leib - und dies ist die Wurzel und der Keim der Liebe - und ohne diese Weihe wird keine Liebe bestehen , sie welkt wie eine Blume , die man bricht , aber durch diese Weihe , mit ihr , muß die Liebe bestehen , jede Erkenntnis des Höheren fängt mit dieser Weihe an ; wenn der Geist göttlich empfindet , das heiligt den Leib . « » Jedes Annähern im Geist sucht den Sitz des Geistes im Innersten und das empfindest Du umgeben vom Leib , - wie Du die Tempelhalle geweiht achtest , von der Du weißt , daß inner ihren Mauern die Opferflamme lodert . « » Der Tempel stellt den eignen Leib dar und des Gottes Lehre den eignen Geist . « » Den Geist des andern empfinden , so wie der sich selber empfand , als er dachte , das befruchtet den Geist . « - » Verstehen ist unmittelbares Berühren der Geister , und dies ist Lebendigsein , erzeugt selbständig Leben , und alles andre ist nicht Verstehen , - und der geringste Keim selbständig in der Brust ist Offenbarung . « » Drum befruchtet das wahre Verstehen den Geist . « » Fürchte nicht , daß Deine Liebe verloren sei , die Geister tragen sie hin , wo sie wirkt , wo sie erzeugt , wo sie ins Leben eindringt des Geistes . - Und das ist ja der Liebe einziger Bedarf , aufgenommen zu sein ; und was nicht ihrer Empfängnis fähig ist , das ist auch nicht der Liebe Gegenstand , drum fürchte nicht , daß die Liebe ihr Ziel nicht fände , alles wahrhafte Leben hat ein Ziel . « » Also hast Du eine lebendige , aus der Großmut entsprungne Liebe , so verfehlt sie nicht ihr Ziel , denn es liegt in ihr selber , wie der Atem in der Brust liegt . « » Alle Handlung , die nicht Großmut ist , ist Lüge , ist Scheinleben ; alles was nicht Geist ist , ist Lüge - Großmut muß Scheinleben in wahres Leben verwandeln . « » Was ist Großmut ? - Geist ? - Denken , Handeln und Fühlen zugleich . - Großmut muß aus dem tiefsten Geist sich entwickeln - Geist umfaßt alles , jede Regung fließt aus ihm . Je mehr Du Geist ausströmst , je mehr strömt er Dir zu . « » Großmut ist recht eigentlich sinnlicher Geistesstrom , alles was die Großmut hemmt , ist geistlos . « Das waren so die Nachzügler von meinem Gespräch mit dem Juden . Bin ich nicht glücklich , Günderode , daß mir Gott einen solchen an die Tür geschickt hat in so verachteter Gestalt , und daß seine Hoheit um so mehr drunter hervorleuchtet ? - Und der mir zu trinken gibt , wo mein Herz lechzt und nicht die Quelle finden konnt , denn gewiß , dieser Mann beschenkt mich fürstlich , und ich kann ihm nicht vergelten , und er hat mich gewiß auch