Gelegenheit haben ! Mein Bruder , der Kardinal Reetz , sagte immer : Und wenn sie auch noch so lange an sich halten und immer auf eine ganz besondere Art und Weise warten , wodurch sie sich verständlich machen wollen , endlich müssen sie doch herausrücken , und dann sind es dieselben Worte , die auch andere Menschen brauchen , und sie müssen darum die Lippen öffnen und Athem einziehen und ausstoßen nach dem Gebote der Natur ! « - Sie begleitete diese für Crecy ' sche Ohren sehr ketzerische Reden mit herzlichem Gelächter und sah sich nach Leonin um , der neben Louise auf dem Balkon getreten war und die heiße Stirn von dem kühlen Abendwinde erfrischen ließ . » Nun , Schwiegersohn , werden wir hören , wie es sich begab ? « - rief sie mit so durchdringender Stimme , daß Leonin wohl geweckt werden mußte . Ernst , mit dem kummervollsten Gesichte trat Leonin vor sie hin und fragte nach ihren Befehlen . » Mein Sohn , « sagte die Marschallin streng , und erzürnt über sein gleichgültiges Wesen , » Sie vergessen , dünkt mich , die Dehors , die Sie uns und der Ehre schuldig sind , welche die Majestäten unsern Familien erzeigen ! « Diese Stimme hatte immer Einfluß auf ihn , sie drang stets wie ein kalter Windstoß durch jede Verhüllung seines Innern . » Es ist wahr , « fuhr er heraus , » ich bin sehr kalt und habe von Ihnen Allen Verzeihung zu erbitten ! Der morgende Tag erfüllt mich mit unerklärlicher Angst ! Viktorine wird auf eine Weise durch die vorgeschriebene Etikette gequält werden , die mich für ihr Leben fürchten läßt . « » Mein Herr , « sagte die Marschallin kalt - » Frauen von Stande sind dieser Etikette unterworfen gewesen , seit ich denken kann . Ich habe nie Etwas gehört , was diese sonderbare Aengstlichkeit , die ein wenig nach Sitten schmeckt , die hier nicht gelten , rechtfertigen könnte . Haben Sie jetzt die Güte , der Frau Herzogin zu sagen , auf welche Weise Sie die gnädige Willensmeinung der Majestäten erfuhren . « » Gestern Abend , « sagte Leonin - er wollte fortfahren ; aber drei Stimmen zugleich unterbrachen ihn . - » Gestern Abend ? Gestern Abend schon war es bekannt ? Mein Gott , welch ' ein unverzeihlicher Fehler ! « rief die Marschallin - » wir hätten den Herrschaften Alle aufwarten müssen ! « Die Herzogin lag hinten über vor Lachen . » Nein , « sagte sie dazwischen , » solche Tollheiten kann auch nur gerode Viktorinens Mann machen - das könnte sie auch - und was gebt Ihr , sie lacht sich krank , wenn ich es ihr sage ! « Der Marschall wußte nicht recht Position zu nehmen ; er lachte gern , wenn er die alte Herzogin lachen sah , und doch schien es selbst ihm unerhört von seinem Sohne . » Der König verbat ja alle Feierlichkeiten von Seiten der Familie ! « rief Leonin und richtete seine Rede an die Marschallin , die ihren Zorn kaum zu bemeistern vermochte und daher lieber geschwiegen hatte . » Als uns die Königin gestern Abend beurlaubte , erwählte sie mich , Seiner Majestät gute Nacht zu wünschen . Sie fragte dabei theilnehmend nach Viktorinen und sagte mir : Der König würde mir noch Etwas in ihrem Namen zu sagen haben . « » Wir versammelten uns , wie gewöhnlich , in dem Speisesaale , während der König en petit couvert zu Abend aß . Nach dem Abendessen lehnte er sich gegen das goldene Gitter des Kamins , und wir durften das Wort an ihn richten ; da ich mich aber zurückzog , ließ er mich rufen ; er war sehr gnädig und that ähnliche Fragen nach meiner Gemahlin . « » Jetzt kam der Augenblick , wo er uns zu beurlauben pflegt , und zugleich der Moment so vielen Ehrgeizes - Sie wissen , was ich meine . - Der König nahm den kleinen goldenen Leuchter - man drängte sich näher - Jeder hoffte ihn zu erhalten . Da rief der König meinen Namen , und ich erhielt den goldenen Leuchter und durfte ihm zum kleinen Niederlegen folgen . « » Die Königinnen , die Prinzen , Prinzessinnen und die Amme waren hier anwesend . Der König , dem ich mit der Ehre des goldenen Leuchters zur Seite bleiben mußte , trat zur Königin heran und sagte : Wollen Sie bei unserm Vetter , dem Grafen Crecy-Chabanne , meine Gevatterin sein ? « » Die Königin nickte lächelnd - während ich vor Beiden das Knie beugte . Doch der König rief : nicht doch , nicht doch ! Niemals mit dem goldenen Leuchter ! Ich stand schon wieder , und der König überreichte nun der Königin nach alter Sitte , als seiner Gevatterin , einen Strauß und ein Paar Handschuhe . Der Strauß aber war von Juwelen , die Handschuhe von der schönsten Perlenstickerei . « - » Wer den goldenen Leuchter am Abende getragen hat , muß am andern Morgen beim kleinen Lever erscheinen . Hier sagte mir Monsieur , er und Madame würden stellvertretend bei der Taufe persönlich zugegen sein . « - Die Marschallin klingelte . » Sämmtliche Staatswagen sollen vorfahren ! « rief sie , und Alle trennten sich , um in hoffähiger Toilette ihre Aufwartung bei Madame Henriette und dem Herzoge von Orleans zu machen . - Dem Tumulte des vorangegangenen Tages folgte am andern Morgen die feierliche Ruhe der Vollendung , der Vorerwartung großer Festlichkeiten . - Der vollste Glanz einer so mächtigen Familie , wie die Crecy-Chabanne-Soubise , trat hervor , und die Beschreibung der Ausschmückungen des Palastes an diesem Tage würde , wenn sie uns noch vergönnt wäre , einen vollständigen Commentar dieser merkwürdigen Zeit mit ihrem soliden Reichthume , den barocken Erscheinungen ihres geschnörkelten und überladenen Geschmackes und ihres aristokratischen Dünkels geben . Nur einzelne Gruppen