ich erwarten , daß Sie mit mir nicht reden würden . Für sie weiß ich wahrhaftig nichts Besseres , als daß sie die schwierige Aufgabe übernimmt , dem Irrstern auf seiner regellosen Bahn zu folgen . Trösten Sie sich , lieber Comthur ! wie Sie können . Am Ende haben Sie doch die größere Hälfte des Lebens zurückgelegt . Was wollen wir um die letzten Paar Stunden noch so viel Aufhebens machen ! Ich bin im Begriff , zu Emma zu gehen . Die Reise nach Italien wird ihr jetzt wohl selbst nothwendig dünken . Noch einmal , nehmen Sie es nicht zu schwer . Hugo ist nicht der Mensch darnach , die Seele eines besonnenen Mannes mit Sorgen zu füllen . Antwort Nein , niemals hätten Sie sich erlauben sollen , über Hugo dies unbillige Urtheil auszusprechen . Sie nicht . Keine Parthei darf die andere richten . Ihr Unglück macht Sie hart . - Tadeln Sie Handlungen , verwerfen Sie die That , wenden Sie sich mit Unwillen von dem ungeliebten Menschen ab , doch zerlegen Sie ihn nicht wie ein Wild , das man kunstgerecht durchschneidet , und sich etwas damit weiß , jeden einzelnen Theil geschickt von dem andern lösen zu können . O , hielten wir im Menschen Gott höher , wir würden begreifen , daß keiner zu berechnen ist . Die Mischungen , aus denen ein Inneres sich bildet , sind gar zu fein für unser kritisches Auge . Ein zärtliches Empfinden unterscheidet sie wohl , doch hinkt der Verstand dem flüchtigen Hauche vergeblich nach , bettelt er nicht von der Seele die Flügel ? Sie haben Hugo nie geliebt . Wie können Sie glauben , ihn zu verstehen ? - Ich war ihm oft sehr bös , und schwerlich giebt es noch zwei Menschen , einander unähnlicher in Grundsatz und Richtung . Doch er ist meines Bruders Sohn , mein Blut , mein nächster , mein einziger Verwandter , ich kann ihn schelten , doch ungerührt dies Auge weinen sehen , in dem sich einst des Vaters ganzes Herz sonnte , es weinen sehen , und kalt bedenken , die Zeit werde es ja auch trocknen , wie schon manches andere getrocknet worden , nein ! das kann ich nicht , und schäme mich auch nicht , es zu bekennen ; ich mische meine Thränen mit den seinen . Wie wenig dürfen Sie hoffen , mit so feindlicher Gesinnung die arme Emma aufrecht zu erhalten . Waren Sie nicht von jeher die Widersacherin des geliebten Mannes , Sie hätten Ihren übereilten Eifer anders geleitet . Nur zu bereitwillig nahmen Sie den Plan der Flucht aus der Burg auf , und , lassen Sie michs sagen , gern schieden Sie das blühende Kind von der Welt , um es nur von dem Feinde Ihrer Ruhe scheiden zu können . Niemals hätten Sie Emma den Gedanken ans Kloster verziehen , doch lieber begruben Sie sie , als sie in seinen Armen zu wissen . Und noch heute triumphirt Ihr blutendes Herz über die Schmerzen , die Sie so über Hugo verhängten . Unversöhnliche ! Was ist denn zumeist in Ihnen beleidigt , das zärtliche oder das allein herrschende , stolze Mutterherz ? Ich verzeihe Ihnen , aber ich beuge mich nicht Ihrem Urtheil . Sophie an den Comthur Sie erwarten in jedem Augenblick Hugo ? schreiben Sie mir ! Sie denken , er werde endlich von Wehrheim zu Ihnen herüber kommen , und wollen ihn nicht verfehlen . Sie besuchen uns deshalb heute nicht , und möchten doch wissen , ob Elise ihre feste , klare Stimmung bewahrt ? ob sie noch so einverstanden mit ihrem Geschick , es ruhig trägt ? ob sie auch nicht körperlich leidet ? Nun , ich kann Ihnen sagen , daß wir bis jetzt nichts für sie zu fürchten haben . Ja , ich finde sie freier , mehr sie selbst , als in der ganzen letzten Zeit . Ich äußerte ihr dies vorlängst beim Frühstück . Sie sann einen Augenblick nach . » Ich glaube , Sie haben recht , « sagte sie darauf . » Wenn der Schlag gefallen ist , so weiß man , ob man lebt , oder man weiß nichts mehr . - Aber die Angst vorher macht uns kindisch , oft verächtlich . Ich fürchte , « setzte sie nach einer langen , stummen Pause hinzu , » Hugo ' s größte Plage hebt von meiner Krankheit an . Er hat mich so schwach gesehen , und Gott weiß es , diese Schwäche wollte nicht weichen . Ich hatte das Gefühl davon , ich schämte mich vor mir selbst , vor Hugo , aber es blieb vergeblich , ich kann nicht drüber weg . Und es ist doch keine Frage , daß nur in meiner Hand sein Glück lag . « Ich konnte das nur zur Hälfte zugeben . Ich führte sie auf die Unfähigkeit bei Hugo zurück , sich irgend eines ruhigen Besitzes freuen zu können , auf den raschen Wechsel seiner Stimmung , auf das schnelle Ermatten jedes Gefühls in ihm . » So ist er nun aber einmal ! « unterbrach sie mich . » Ich wußte es . Er war mir über Alles lieb , gerade in seiner Eigenthümlichkeit . Weshalb hörte ich auf , diese zu ehren , da es nichts mehr galt , als äußere Rücksichten geltend zu machen ? « » Wie , « fragte ich unangenehm überrascht , » Sie bereuen den ganz natürlichen Wunsch , auf die einfachste Weise von der Welt einer ungehörigen Verbindung , sittliche Gültigkeit und göttliche Weihe geben zu dürfen ? « » Ja , « erwiederte sie , » das bereue ich . « Mir stieg das Blut ins Gesicht . » Mißverstehen Sie mich nicht , « fuhr sie schnell fort . » Das bereue ich , überhaupt an die Dauer dieser Verbindung gedacht zu haben , seit ich sie zerriß , indem ich ihr Dasein aussprach .