und auch im Tod ' , Im Himmel , so wie hier , Im Glück und in der Trennung Noth Gehör ' ich einzig Ihr . Fortsetzung von Auszügen aus Briefen Ernestos an Frau von Willnangen . » Ich fange an , recht tiefes Mitleid für diese Aurelia zu empfinden , die denn doch vielleicht etwas vorzügliches und glückliches hätte werden können , wäre ihr Gemüth minder verwarloset von Jugend an . Allein dieses Mitleid ist nicht jenes schöne , erwärmende Gefühl , mit dem ich Gabrielens gedenke , Schauder und Widerwillen mischen sich darein , und ich möchte auf immer von einem Wesen mich abwenden können , welches so ganz hoffnungslos in sich zerfallen ist , daß kein Gott und kein Sterblicher hier mehr rechten dauernden Trost gewähren kann . Mit kalter Brust , mit einem Herzen , das nie , weder Liebe noch Haß empfand , das von frühester Jugend an nur mit der unersättlichsten Eigenliebe erfüllt war , stand Aurelia stets in hoher Selbstzufriedenheit da , auf eine Tugend gestützt , die bei ihr , so wie sie einmal ist , kaum noch den Namen derselben verdient . Wer ihr nahte , huldigte ihrem Geiste , ihrer Schönheit , auch wohl oft nur dem Standpunkte , auf welchen das Schicksal und ihre in Eitelkeit versunkne Mutter sie gestellt hatten , und der Stolzen schien die Welt zu Füßen zu liegen . So sind bis jetzt die Jahre , eines nach dem andern , an ihr vorübergezogen , von ihr unbemerkt . Doch jetzt ist die Zeit des Erwachens endlich gekommen und das , woran sie früher in ihrem Leben nicht gedacht hatte , erfüllt sie mit ängstlichem Grausen vor einer Zukunft , der sie doch nicht auszuweichen vermag . Unter dem triumphirenden Lächeln , das sie noch immer beibehält , sehe ich deutlich ihre innere Herzensangst hervorblicken . Und wissen Sie , wem diese Angst gilt ? Dem dreißigsten Geburtstage , dem fürchterlichen , der als Schreckbild am Lebenspfade aller Frauen steht , die Aurelien gleichen . Er naht unaufhaltsam mit schnellen Schritten , dieser entsetzliche Tag , denn Aurelia zählt wenigstens volle vier Jahre mehr als unsre Gabriele , und sie beneidet ihr gewiß keinen der übrigen Vorzüge so ganz von Herzen als diesen flüchtigsten von allen . Im Grunde quält sie sich viel zu früh , denn nie war ihre äußre Erscheinung brillanter . Auch ist die Klippe , die sie scheut , eigentlich nur im gewöhnlichen bürgerlichen Kreise des Frauenlebens recht gefährlich , wo es Tanten und Basen giebt , die über alle Familienereignisse Buch und Rechnung halten und alle Data nachzuweisen wissen . In der Welt , in welcher Aurelia lebt , gleitet man über alles leichter hin ; man ist toleranter ; man gewinnt kaum Zeit , an sich selbst zu denken , geschweige an Andre , und jeden , der sich nur geschickt zu benehmen weiß , läßt man gern für das gelten , wofür er sich geben will . Geist , Witz , Leichtigkeit und Vielseitigkeit im Umgange werden über alles geschätzt , darum trifft auch die glänzendste Periode im Leben berühmter schöner Frauen der großen Welt sehr selten mit ihrer ersten Jugendblüthe zusammen , denn man muß gelebt haben , wenn man sich aufs Leben genugsam verstehen will , um es wie ein Kunstwerk behandeln zu können . Aurelia weiß dieses alles so gut und besser als ich , aber sie denkt nicht daran , oder achtet es für einen traurigen Trost . Sie ist noch immer von einer bewundernden Schar demüthiger Verehrer umgeben , über die sie nach Lust und Laune unumschränkt gebietet , aber sie fühlt dennoch ihren Thron unter sich wanken und ich sehe deutlich , wie das trübe Vorgefühl einer dunkeln , freudenarmen Zeit sie Tag und Nacht unablässig quält und nagt . Mit ängstlicher Hast wirft sie sich nun auf alles , wovon sie noch in spätern Jahren Glanz und Bewunderung sich versprechen zu können glaubt , auf Musik , Literatur , Kunststudium ; sogar Chemie und Astronomie hat sie eine Zeitlang getrieben , weil diese Wissenschaften einmal zufälliger Weise Mode wurden . Ihr mangelt , wie Sie wissen , weder Geist noch Talent zu allem was sie unternehmen möchte , aber sie ist unfähig , irgend etwas sich selbst zum Trost fest zu halten . Ihre rastlose Natur trieb sie von jeher immer von einem zum andern und erlaubt ihr jetzt sogar kaum , länger als einige Monate an dem nehmlichen Orte zu verweilen . Daß sie in manchen Stunden die Unzulänglichkeit eines so zerstückelten Strebens tief empfindet , vermehrt noch ihr Unglück auf jede Weise , denn dieses an sich peinigende Gefühl reizt und erbittert sie innerlich mehr und mehr , und treibt sie zu seltsamen , ihrem Zwecke ganz entgegenarbeitenden Launen . Manche ihrer Anbeter , welche ihre wirklich zuweilen unwürdigen Mißhandlungen nicht ertragen mögen , ziehen sich allmählig zurück und dadurch wird das Uebel immer ärger . Sie muß mit ungewohnter Anstrengung die so Verlornen durch neue Eroberungen wieder zu ersetzen suchen , und sie treibt dieß mit einem Eifer , einer Ungeduld , die deutlich beweisen , wie anschaulich ihr jetzt mit einemmale die Flüchtigkeit der Zeit geworden ist . Die arme Frau geräth dabei oft außer Athem und Tackt , obgleich nicht jedermann dieß gewahr wird . Daß mein glänzender Hippolit gleich auf ihre Liste kam , brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen . Bei seiner Jugend mußte sie ihn für einen vollkommnen Neuling in der Welt ansehen , und bei dem sichtbaren Eindrucke , den ihr erstes Erscheinen auf ihn machte , hielt sie seine Eroberung für ein leichtes Kinderspiel . Um so größer war ihr Erstaunen als sie alle ihre kleinen Künste an ihm abgleiten sah . Ich bin überzeugt , daß sie bis diese Stunde noch nicht weiß , wie sie eigentlich mit ihm daran ist , doch eben dieser Zweifel giebt ihm in ihren Augen ein erhöhtes seltnes Interesse . Ich sehe zuweilen