diesem seltsamen Wahnsinn erfaßt , fiel ich aus einer Torheit in die andere , und selbst mein Freund Ponto fand für nötig , sich , nachdem er mich ernstlich vor den heillosen Mystifikationen gewarnt , in die man mich überall zu verstricken suchte , von mir zurückzuziehen . Wer weiß , was noch aus mir geworden wäre , wenn nicht ein guter Stern über mich gewaltet ! - Dieser gute Stern ließ es nämlich geschehen , daß ich einst am späten Abend zur schönen Badine hinschlich , nur um die geliebte Minona zu sehen . Ich fand indessen alle Türen verschlossen , und alles Warten , alles Hoffen , bei irgendeiner Gelegenheit hineinzuschlüpfen , blieb ganz vergebens . Das Herz voll Liebe und Sehnsucht , wollte ich der Holden wenigstens meine Nähe kundtun und begann unter dem Fenster eine der zärtlichsten spanischen Weisen , die jemals empfunden und gedichtet worden sind . Es muß gar lamentabel anzuhören gewesen sein ! Ich hörte Badine bellen , auch Minonas süße Stimme knurrte etwas dazwischen . Ehe ich aber mir ' s versah , wurde das Fenster rasch geöffnet und ein ganzer Eimer eiskaltes Wasser über mich ausgeleert . Man kann denken , mit welcher Schnelle ich abfuhr in meine Heimat . Die volle Glut im Innern und Eiswasser auf den Pelz harmoniert aber so schlecht miteinander , daß unmöglich jemals Gutes und wenigstens ein Fieber daraus entstehen kann . So ging es mir . Im Hause meines Meisters angekommen , schüttelte mich der Fieberfrost tüchtig . Der Meister mochte aus der Blässe meines Antlitzes , aus dem erloschenen Feuer meiner Augen , aus der brennenden Glut der Stirne , an meinem unregelmäßigen Puls meine Krankheit ahnen . Er gab mir warme Milch , die ich da mir die Zunge am Gaumen klebte vor Durst , eifrig verzehrte ; dann wickelte ich mich ein in die Decke meines Lagers und gab ganz der Krankheit nach , die mich erfaßt . Erst verfiel ich in allerlei Fieberphantasien von vornehmer Kultur , Windspielen u.s.w. , nachher wurde mein Schlaf ruhiger und endlich so tief , daß ich ohne Übertreibung glauben muß , ich habe drei Tage und drei Nächte hintereinander fort geschlafen . Als ich endlich erwachte , fühlte ich mich frei und leicht , ich war von meinem Fieber und - wie wundervoll ! auch von meiner törichten Liebe ganz genesen ! Ganz klar wurde mir die Narrheit , zu der mich der Pudel Ponto verleitet , ich sah ein , wie albern es war , mich als einen gebornen Kater unter Hunde zu mischen , die mich verhöhnten , weil sie nicht meinen Geist zu erkennen vermochten , und die sich bei der Bedeutungslosigkeit ihres Wesens an die Form halten mußten , mir also nichts darbieten konnten als eine Schale ohne Kern . - Die Liebe zur Kunst und Wissenschaft erwachte in mir mit neuer Stärke , und meines Meisters Häuslichkeit zog mich mehr an als jemals . Die reiferen Monate des Mannes kamen , und weder Katzbursch noch kultivierter Elegant , fühlte ich lebhaft , daß man beides nicht sein dürfe , um sich gerade so zu gestalten , wie es die tieferen und bessern Ansprüche des Lebens erfordern . Mein Meister mußte verreisen und fand es für gut , mich auf die Zeit seinem Freunde , dem Kapellmeister Johannes Kreisler , in die Kost zu geben . Da mit dieser Veränderung meines Aufenthalts eine neue Periode meines Lebens anfängt , so schließe ich die jetzige , aus der du , o Katerjüngling ! so manche gute Lehre für deine Zukunft entnommen haben wirst . - ( Mak . Bl . ) - - als schlügen entfernte dumpfe Töne an sein Ohr , und er höre die Mönche durch die Gänge schreiten . Als Kreisler sich völlig aus dem Schlaf emporraffte , gewahrte er denn auch aus seinem Fenster , daß die Kirche erleuchtet , und vernahm den murmelnden Gesang des Chors . Die Mitternachtshora war vorüber , es mußte daher irgend etwas Ungewöhnliches sich ereignet haben , und Kreisler durfte mit Recht vermuten , daß vielleicht ein schneller unvermuteter Tod einen der alten Mönche dahingerafft , den man jetzt der Klostersitte gemäß in die Kirche getragen . Rasch warf der Kapellmeister sich in die Kleider und begab sich nach der Kirche . - Auf dem Gange begegnete er dem Pater Hilarius , der laut gähnend und ganz schlaftrunken hin und her wankte , keines festen Schrittes mächtig , und die angezündete Kerze , statt aufrecht , abwärts zu Boden hielt , daß das Wachs prasselnd herabtropfte und jeden Augenblick drohte , das Licht zu verlöschen . » Hochehrwürdiger Herr , « stammelte Hilarius , als Kreisler ihn anrief , » hochehrwürdiger Herr Abt , das ist gegen alle bisherige Ordnung . Exequien in der Nacht ! - zu dieser Stunde - Und bloß weil Bruder Cyprianus darauf besteht ! - Domine - libera nos de hoc monacho ! « - - Es gelang endlich dem Kapellmeister , den halbträumenden Hilarius zu überzeugen , daß er nicht der Abt , sondern Kreisler sei , und nun erfuhr er von ihm mit Mühe , daß man in der Nacht , von woher , wisse er nicht , den Leichnam eines Fremden nach dem Kloster gebracht , den Bruder Cyprianus allein zu kennen schiene , und der kein gemeiner Mann gewesen sein müßte , da sich der Abt auf Cyprianus ' dringendes Gesuch dazu verstanden , die Exequien auf der Stelle zu halten , damit morgen nach der ersten Hora die Exportation erfolgen könne . Kreisler folgte dem Pater in die Kirche , die , nur sparsam beleuchtet , einen seltsamen schauerlichen Anblick gewährte . Man hatte nur die Kerzen des großen metallenen Kronleuchters , der vor dem Hochaltar von der hohen Decke herabhing , angezündet , so daß der flackernde Schein kaum das Schiff der Kirche vollkommen erhellte , in die Seitengänge aber nur geheimnisvolle Streiflichter warf , in denen die Statuen der