dem Geruche aus dem Spundloche so begeistert , daß er sich hinaufhelfen ließ und mit einem Stechheber selbst in die Gläser füllte . Susanna holte auf sein Geheiß Rosen und Epheu in den Keller und umhing ihn damit ; dann mußte sie auch die zahmen Singvögel des einen Alten darin fliegen lassen ; die Wände glänzten vom Mauertropfen , es sah herrlich aus . Anton , bei dem der erste Zwang zur Lustigkeit nach seiner Art schnell zur leichtsinnigen Freude übergegangen , legte sein Wams ab und sang ein Lied aus der alten Zeit in Waiblingen . Weil jetzt die Hundstag hitzig scheinen , Macht euch im Keller Sitze , Zieht aus den Wams bei kohlen weinen , So weicht von euch die träge Hitze . Ich streich die Hemdesärmel auf Und reite auf dem Fasse ; Mein Pferd hat einen raschen Lauf , Es ist gewiß von edler Rasse . Es dreht sich mit mir um im Kreise , Das nenn ich recht turnieren ; Reicht mir gesalzen Brot zur Speise , Dann will ich es noch spanisch führen . Mit dem Stechheber in der Hand Sitz ich wie mit dem Schwerte , Und manchen streckt ich in den Sand , Der meine hohen Gläser leerte . Die Sonne zog viel Wasser heute , Und ich sog viele Weine ; Das nenn ich eine gute Beute , Dafür reit ich mir müde Beine : Ich überwache ganz allein Den Mond und auch die Sonne , Wär nur noch drin ein Tröpflein Wein , Ich stieg nicht ab von meiner Tonne . Seger war trunken und Susanna ermüdet eingeschlafen ; Anton war auch erschöpft , fegte alle Rosen , die er finden konnte , zusammen und legte sich darauf selig fest . Am andern Morgen erwachte in allen dreien die Betrachtung , was sie dort anfangen sollten ; kaum war noch etwas zum Frühstock zu finden . Seger riet zum Fischfang und zur Jägerei , bis sich Antons Wunde hinlänglich gebessert hätte , um sich auf den Weg zu machen . Anton lobte den Rat , und Seger machte sich mit dem Schießzeuge auf in den Wald ; Anton sah ihm nach ; alle Holzschreier krächzten vor ihm her und rauschten in ungeschicktem Fluge durch das Eichenlaub ; es war als wenn der Schrecken ihm nachfolgte . Susanna redete lange kein Wort . » Hör Susanna « , sprach Anton , » es wird mir ordentlich ängstlich hier im Zimmer . « » Herr « , sagte sie , » Ihr seht auch ganz entstellt aus ; seht Euch einmal im Wasserbecken an , vorgestern waret Ihr viel schöner als Euer Bild , und heute viel häßlicher . « » Sonderbar , aber du hast recht , woher mag das kommen ? Ist wohl ein heißer Tag heute ? « » Ja , Herr , es kommt noch ein heißerer Tag am Ende aller Tage , der fragt nach Rechenschaft von allem ; ich aber bitte Euch , Eures Leibes zu schonen , denn Ihr zündet das Licht an beiden Enden an , und so verbrennt es bald ; denkt wie schön Ihr seid . « So eindringend hatte Frau Anna ihn nie ermahnt , sie sprach nur immer vom Gelde , das er unnütz verschwende ; er sah sie zärtlich an und sprach : » Wärst du nur immer bei mir gewesen , es wäre manches anders . « » Schickt den Seger fort « , bat Susanna . » Wie soll ich ihn fortschicken « , fragte Anton , » ich kann ihn jetzt nicht entbehren ; er muß mich in Ehren durchdringen bis zu meiner Frau , da will ich ein ganz fleißiges Leben anfangen ; wenn ich mäßig lebe , wird mich immer noch meine Kunst nähren . « Seger kam gegen Mittag zurück , hatte aber nichts als eine Schnepfe geschossen . » Satanas weiß es « , schrie er , » das Wild muß mich auf eine Meile wittern , alles läuft vor mir ; was sollen wir mit dem kleinen Braten ? Ich will fort in die Gegend , will unter meinen Schandkameraden die alte Freundschaft aufsuchen ; Ihr könnt bis Abend ein paar Nester voll Kanarienvögel ausessen , die ich unten gesehen habe , dann komm ich zurück mit Wein und Fleisch . « Ohne eine Antwort abzuwarten , ging er fort ; Susanna fiel vor Antons Füßen nieder : » Gott sei gelobt , der mein Gebet erhört hat , wir sind befreit ; versucht ' s , gnädiger Herr , Euer Fuß muß heil sein ; laßt uns fliehen aus dem Schlosse , ehe er mit seinen Helfershelfern zurückkommen kann , es steht uns nichts Gutes bevor . « Anton sah sie verwundert an : » Was fürchtest du , hab ich nicht Arme dich zu schützen ? Augen , die dich bewachen und nur dich sehen ? « - SUSANNA : » Gewiß weiß er , daß ich ein Mädchen bin ; ich sah es ihm an , er führt nichts Gutes in dem Faltenlächeln seiner Wangen « Jetzt kam Anton etwas in den Gedanken , was er oft gemalt , aber noch niemals gefühlt hatte , wie Engel eine Seele durch das Fegefeuer führen ; es war keine Furcht , die sich seiner bemächtigte aber eine Überzeugung , daß sie recht habe und daß etwas aus ihr spreche , was er noch nicht gekannt . Er sprang von dem Sessel auf und versuchte den Fuß ; er hinkte wohl noch etwas , aber er konnte deutlich merken , daß sich die Gelenkigkeit mit dem Gebrauche herstellte . » Mädchen « , sagte er und faßte sie unter das Kinn , » was soll das geben ? Du machst mit mir was du willst , ich muß dir schon folgen hinkend und hungernd ; nun pack ein , was wir haben . « Er hatte nicht viel mitzunehmen ; das kleine Ölbild von Susanna steckte er in eine Jagdtasche