ihrer gewohnten Beschäftigungen aussetzte . Die Obristin haßte das Schulehalten , das Bessern , ihr war alles so ganz recht , wie es in der Welt gegangen und wie es geht ; keine Lustbarkeit war ihr burlesk genug , immer fügte sie noch etwas als höchste Spitze hinzu , und ihr kleidete manches , was einer jüngeren Frau nicht verziehen worden wäre . » Was sind das für junge Leute « , rief sie kurz nach ihrem Eintritte , » das lacht nicht , das springt nicht , das tanzt nicht ; als ich in eurem Alter war , ritt ich noch die Treppengeländer herunter . « Besonders aber war ihr Dolores Gegenstand des Spottes , weil die sonst am meisten von allen in ihre Lustbarkeiten eingegangen und jetzt in manchen fremden Gedanken über ihren Mann vertieft , manches überhörte , wenigstens zu keiner Ausführung brachte . Sie hetzte alle ihre Kinder gegen sie auf , daß sie ihr keinen Augenblick Ruhe ließen , und wollte sich dann über die Not der guten Mutter , allen helfen zu wollen , halb krank lachen . Die Fürstin merkte bald ihre Laune , und obgleich viel betrübter in sich , hatte sie doch in ihrem mannigfaltigen Leben genug Herrschaft über sich gewonnen so etwas mit dem heißen Mantel der gezwungenen Lustbarkeit wohl zu bedecken ; sie entzückte die Obristin , die sie Mutter nannte , indem sie ihren Willen immer vollständig ausführte . Da wurden alle die alten Pfänderspiele durchgespielt , welche die Obristin in ihrer Jugend gelernt hatte ; ihre Hauptfreude war ein großes Küssen zu veranlassen ; bald mußte einer in den Brunnen fallen , bald unzählige Sterne zählen . Zu solchem Sternzählen brachte sie auch nicht ohne Absicht , um sich an der Verlegenheit des regierenden Hauptes zu ergötzen , den Grafen und die Fürstin zusammen ; aber sie dachte nicht , welche Flammen und welche Liebessterne sie in dem Herzen der armen Fürstin damit entzündete ; noch nicht zufrieden mit diesem Spaße , brachte sie auch den Schreiber mit der Fürstin zusammen , indem er mehrere Ellen tief in einen Brunnen gefallen . Der arme Junge wurde so rot von diesen Küssen , daß ihn die Obristin den ganzen Abend damit neckte , er sei in seine Herrschaft verliebt ; er hatte sich auf seiner Reise wirklich sehr verschönert und sah in seiner Bescheidenheit recht wohl aus . Bis in die Nacht mußte gesungen werden und dann hatte sie sicher das Bettzeug von einigen zusammennähen lassen , und frühmorgens war sie sicher schon zuerst auf und erweckte alle die Schläfer mit irgend einem Schrecknisse . Sie hatte in sich ganz unverändert die ganze Masse verwegener Lustigkeiten bewahrt , die sonst die deutschen Schlösser durchtobte , die sich alles erlaubte und alles vergab , und ein fröhliches Toben aller dem zierlichsten Witze der einzelnen vorzog , die jetzt meist als Erzähler oder Vorleser die eigentümliche Tätigkeit der andern einschlafen lassen . Sie hatte eine gewisse Härte in ihrer Art zu reden , war aber gegen alle Leidende sehr hülfreich ; wo sich andre aus Ekel wegwendeten , da stand sie mit Klugheit und Ergebung bei ; so sprach sie lachend von der Gebrechlichkeit ihres alten Mannes , aber sie pflegte seiner als Frau und Magd zugleich ; ihm schrieb sie alle Tage in Knittelversen , was vorgegangen , und machte so eine Art lächerliche Zeitung , wozu jeder sich beeiferte irgend einen wunderlichen Zug zu liefern . Die Geschichte des Pfänderspiels schloß sie mit den Worten : Die Frau Fürstin und der Herr Graf Zählten die Sterne bis es zutraf , Die Frau Fürstin fand ' s immer noch nicht richtig , Sie wurde noch immer einen Stern ansichtig , Es schien ihr das Zählen gar sehr zu gefallen , Da ließ ich ihren Schreiber in den Brunnen fallen , Gar viele , viele Ellen tief , Daß er gar erbärmlich rief ; Sie mußte mühsam hinaus ihn ziehen , Daß beiden von der Arbeit die Backen recht glühen . Seit diesem Sternenzählen kränkelte die Fürstin ; ihre wachsende Neigung zum Grafen und seine Unverständigkeit , die nicht zu erraten , kränkten sie tief . Die Obristin schrieb dies Übelbefinden dem sitzenden Leben zu , und ermahnte sie eine Fußreise nach dem Ätna zu machen ; der Graf könne sie begleiten , während sie noch ein paar Tage recht vertraulich mit ihren beiden Pflegetöchtern zubringen wolle ; sie wisse nicht , ob sie je wieder bei ihnen sein werde , da ihr Alter ihre Munterkeit mit überlegener Zahl endlich einmal schnell besiegen könne . Der Graf ergriff diesen Vorschlag mit Lust , die Fürstin war bereit ; und so zog er mit ihr und dem Schreiber am nächsten Morgen aus . Wer kennt Siziliens Reize nicht , alle Reisebeschreiber alter und neuer Zeit erschöpfen sich in Lob : es ist der Lustgarten Europens , dessen vereinte Säfte darin zu den wunderbarsten Bäumen und Blumen treiben , der von Szylla und Charybdis gegen äußere Feinde bewacht , nur in seinem Innern einen jetzt fast beschwichtigten , einst aber furchtbar tobenden und zerstörenden Feind , den Ätna trägt , der unzähligmal die friedlichen Ölbäume mit seinen Feuerströmen bedeckt hat , während der Schnee in den Klüften seines Wipfels die Bewohner gegen die heiße Sonne kühlt . Abwechselnd zeigt die Insel die Spuren der ungeheueren Bevölkerung früherer Zeit : die großen Stadtmauern laufen durch öde Feldmarken , in den Überresten eines Theaters liegt zu weilen der ganze Rest einer Stadt , der es ehemals zum vorübergehenden Vergnügen erbaut war ; dann trifft der Reisende auf so ungeheuere Zerstörung , daß er die Kühnheit eines Volkes bewundert , das sich mitten darin anzubauen wagt , und während der Arbeit , die so oft vergebens gewesen , wie bei einem Spiele alles absingt , was andre Völker träge , langsam und verdrossen sprechen . Die Sitten , die Gewohnheiten , die Beschränkungen der andern Welt erscheinen da , wo alles nach schnellem Genusse strebt