, hier rückt die Natur heran , und bietet einem die kräftigen Hände , und man rüstet sich im Herzen , die Riesin zu empfangen . Der alte Turm ist mit einem bequemen Saale versehen , der ganz in dem derben Geschmacke jener braven Zeit eingerichtet ist , und auf einem kleinen Pulte am Fenster fand ich das Heldenbuch , und in einem Schranke in der Wand eine schöne Sammlung der neuern Werke , welche die Reste der Poesie des deutschen Mittelalters enthalten . - An die Wand hatte der Graf selbst die Worte geschrieben : » Was waren das für gesunde Menschen , welche solcher Natur gegenüber stark warden , die uns heutzutage nur rührt und erschüttert . « - Der Wechsel der Aussicht machte einen sehr wohltätigen Eindruck auf mich , ich war mir hier als ein besserer Mensch zurückgegeben . Ich war dort mit unruhigem Gemüte hinausgesegelt , und hier setzte mich das Meer geprüft und reich ans Land . Ich erkannte hier , wie viel Anteil der Mensch an der Natur hat , denn hier , wo alles näher an mich herantrat , sah ich in den eignen Busen , und fühlte , wie ich größer geworden war , seit wenigen Stunden . - Der Sonnenuntergang , zwischen den Felsen und Wäldern , war eine Zwischenrede der Natur in mein Leben , ich war entzückt , wie ein Heiliger , die Flammen und Gluten brachen sich so geisterisch , so tausendfaltig lebendig , gestaltlos und beweglich in der heftig und rauh gruppierten Wildnis , und das Rauschen des Rheins stieg so mächtig in der allgemeinen Stille , als höre ich das Sieden der flammenden Geister um mich her , die in einem geheimnisvollen feurigen Tanze sich gaukelnd über die dunkeln Wälder und Schluchten hinschleuderten . - Ich sah mit einer mir noch unbekannten Ruhe zu , wie ein Licht nach dem andern dem Schatten wich , und fühlte , wie sich zugleich im Ebenmaße mein Gemüt veränderte . Jedem weichenden Lichte zog eine Erinnerung nach , und es schien mir , als bezeichne ich die Stellen , von denen eine Farbe des Glanzes geschwunden war , mit Dingen , die mir lieb gewesen oder noch waren . Nun war es ganz ruhig , nur glänzte noch die Pforte , durch die alle die Flammen hingezogen waren , und auch diese schloß sich mit der Aussicht - , ich dachte an Violetten , und entschloß mich fest , nicht wieder zu der Gräfin zurückzukehren . - Ich nahm mir vor , graden Weges von hier zurückzureisen , denn ich schämte mich meines Verhältnisses mit der leichtsinnigen Frau , sie schien mir so weit unter mir , und ich konnte nicht begreifen , wie sie mich verblendet hatte . Hier rief mich ein Diener aus dem Schlosse zurück , er sagte mir , daß jemand angekommen sei , der mich sprechen wolle . - Ich ging mit ihm zurück , und fand Violetten ; der Gärtner hatte sie auf ihr dringendes Begehren hierher geführt . - Sie überraschte mich auf eine unangenehme Art , und der gütige Eindruck der Natur auf mein Gemüt ward durch sie gewaltsam unterbrochen . - Als wir allein waren , blieben wir noch lange stumm , bis sie sich mir mit Tränen näherte , und mich um Verzeihung bat , daß sie hierherkomme , um meine Freude zu stören - sie müsse mir Vorwürfe machen , daß ich ihr Hülfe versprochen , und sie noch tiefer verstrickt habe . Sie zeigte mir mit geschämiger Umständlichkeit , wie ich so verderblich für sie mich ihrer Mutter ergeben hätte , wie sie nun ihre Mutter hassen müsse , die ihr ihren einzigen Freund genommen : - » Ach , « sagte sie , » Sie selbst sind mir ein peinlicher Gedanke , ich muß immer an Sie denken , und Sie haben mich doch so sehr gekränkt ! « - Ich sprach ruhig mit ihr , und sagte , was ich für wahr hielt , wie ich das alles empfände , und wie ich mich herzlich schämte , mich so hingegeben zu haben ; - doch gestand ich ihr auch offen , wie sie selbst einigen Teil dran habe , obschon in aller Unschuld , denn ihre Äußerungen gegen mich hätten so zwischen kindischer Naivetät , Frömmigkeit und Sinnlichkeit geschwankt , ihre Reden gegen mich hätten am ersten Abende schon eine solche Unbestimmtheit verraten , daß ich oft nicht gezweifelt habe , sie sei eine angehende Koquette , und schon so gut als verloren . - Violette hörte das alles ruhig an . » Sie haben recht geglaubt , « sagte sie , » hätte ich mich nicht in Ihnen betrogen gefunden in jener ersten Unterhaltung , so wäre ich es wohl geblieben ; aber ich erwartete , daß Sie mich lieben würden , und da ich eben dieser Liebe meine Mutter aus dem Wege rücken wollte , zeigte ich mich Ihnen in einem unschuldigen Gewande , um Ihnen meine Mutter verhaßt zu machen ; aber ich konnte mich gegen Ihre einfachen Antworten und Fragen nicht erhalten , und Sie wurden , was ich nicht wollte , nur gerührt ; ich fühlte selbst , daß ich , als ich von meinem Vater und meiner Mutter sprach , mehr sagte , als ein Kind sagen kann ; dennoch konnte ich mich nicht mehr fassen , und redete gradeheraus , wie es mir mein Verdruß eingab ; ich war in meinem Leben nicht so wunderbar zerrüttet als an diesem Abend , ich fühlte , wie ich so gar nichts tauge , um zu lügen . - Meine Mutter hatte mich wirklich zu Ihnen geschickt , und ich stellte mich , als ging ich ungern , um ihr allen Verdacht der Eifersucht zu nehmen - aber wie ist alles geworden ? - Es ist wahr , daß jene Angst in mir war , und ich habe lange gestritten mit der Andacht , aber das ist nicht mehr -